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Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland · 1937-12-01 · 12 (1.12.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
Volume
15 (1937)
Issue
12 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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PUR Dil SYNAOOGBN - OIM1INDIN IN PRIUSSIN UND NORDDIUTSCHLAND $__ Nr. 12 Berlin, 1. Dezember 1937 15. Jahrgang . .Herauf geadebetr. : PreuBbcher Landesverband födtecber Gemeinden Richtungen Fragt man, durch welches äußere Merkmal die jüdische Arbeit von heute sich von derjenigen vor NU hauptsächlich unterscheidet, so läßt sieh etwa erwidern: Früher stand im Vordergründe die Arbeit der Organisationen, heute ist jüdische Arbeit im Wesentlichen gleichbedeutend mit Gemeindearbeit. Natürlich ist das eine zuweitgehende Verallgemeinerung^ darum auch die Vorbehalte und Einschränkungen, und zwar nach beiden Richtungen: auch früher, als die Gesinnungsschulung und die Gesinnungsklmpfe der Organisationen den Vordergrund des jüdischen Lebens aus machten, wußten Eingeweihte, daß es manchenorts dieses jüdische Leben garnicht mehr geben würde, wenn nicht im Hintergründe die oft zu unrecht belächelten, manchmal sogar geschmähten „Verwaltungsjuden“ durch ihre unentbehrliche und opfervolle, nüchterne Arbeit die Fundamente für dieses jüdische Leben schaffen und sichern würden. Gewiß gab es dort Auswüchse und Schwächen, und es war richtig, daß diese damals bekämpft wurden. Denn jede Zeit hat die ihr zugehörigen Unzulänglichkeiten, und deshalb müssen wir heute die Unzulänglichkeiten unserer Zeit bekämpfen (sie sind ganz andersgeartet als die der früheren, aber sie sind doch vorhanden!); was aber die frühere Zeit betrifft, so sollten wir, ohne uns lange bei ihren Fehlern aufzuhalten, zu erkennen suchen, was sie als Bleibendes für uns Heutigen geschaffen hat Und da sage« wir eben, daß wir die heute als Zentren aller jüdischen Arbeit wirkenden Gemeinden zu einem guten Teil garnicht mehr-besitzen würden, wenn es nicht auch früher schon die oft still und entsagungsvoll geübte Gemeindearbeit gegeben hätte. Umgekehrt können und wollen wir die Organisationen als die Träger und Bewahrer der verschiedenen bestehenden jüdischen Weltanschauungen in der heutigen jüdischen Gemeindearbeit nicht entbehren. Die Entwicklung zeigt also, wenn man versucht, sie in einem Schema kurz zusammenzufassen, etwa folgendes 'Bild: früher Gesinnungsschulung und theoretische Erörterung im Vordergründe, dahinter fast unbemerkt, aber unentbehrlich die praktische Arbeit; allmähliche Bedeutung»- Zunahme der jüdischen Realität, in deren Arbeitszentren sich auch die Organisationen nnd ihre Vertreter vorschieben, so dafi die sachliche Arbeit durch ideologische Auseinandersetzungen vielfach allzu sehr betaeHt, manchmal sogar gestört erschien, scMjegWrh: Eindeutigkeit der jüdischen Gesamte!tnehoa, . alle jüdische Real- Arbeit Gemeingut aller Juden, die sich — jeder von seiner Gesinnung her — in den Dienst der allen gemeinsamer* Aufgaben stellen. Praktisch {findet diese neue Situation darin ihren Ausdruck, daß die rüchtzionistisehen Organisationen an Anfban und Gestaltung Palästinas entscheidend und produktiv mitarbeiten, und ideß. umgekehrt der Zionismus die Einheit fon Palästina- und Diaspora- Arbeit erkennt mH Ihr Rechnung trägt -— * tf* Bei jedem Fest, ja bei jedem einzelnen Sabbath erleben wir das jetzt wieder: der geschichtliche Uitftürgnind, di« jeweiligen Symbole und die Sohriftabschnitte — alles gewinnt Beziehung und Verbindung mit unsenn persönlichen Schicksal, mit d£m jüdischen Gesamtgeschehen dieser Zeh. Jüdische Gegenwart bildet, vereinigt naß der jüdischen Vergangenheit, wieder die Eine jüdische Geschichte; jüdisch^ Menschen von beute bilden, vereint mit den großen Gestalten von einst, wieder die Eine jüdische Geschlechterkette. Man sage nichts gegen diese Tatsache, und wenn sie sich in allen Reden, Predigten und auch in den Aufsitzen der jüdischen Blätter widerspiegelt, so soll man nicht von „gewaltsamer Aktualisierung der Bibel“ u. dergl. sprechen — wir wollen glücklich sein, daß es so ist und daß wir zu allem Jüdischen wieder in lebendiger Beziehung stehen. Auch jetzt zu den Gestalten und zu den Symbolen des Chanukkafestes. Denn wie war das früher? Michael Sachs z. B. war ganz gewiß einer der hervorragendsten Kanzelredner des vorigen Jahrhunderts, seine Leistung als Neuherausgeber und Übersetzer des Gebetbochs wird noch auf lange fortwirken aber wenn. wir in einer seiner, Qiattnkkapredigten lesen: „. . . darum sind unsere Fest- und Feierzeiten Feste der Erinnerung, Tage des Gedächtnisses, die eine säumige Zeit, eine schlaffe Gegenwart, ein träges Geschlecht auf rufen und aufstörea wollen“, dam* äpülen wir den Zeitabstand und Zeitunterschied, der uns von damals trennt: all das, so richtig es ist, wie abstrakt und. weit fort. von unsern Ohren klingt es gegenüber unserm heutigen flutenden, glühenden Lebend Makkahäernot und Lebenswille, Siegeshymnus nnd Licht der religiösen NenftpM — wie nah ist das jetzt wtedefr unserm Erleben und Hoffen! Daß uns Begebnisse und Gestalten unserer Vergangenheit zeitnah sind, das ist, in dieser Notzeit, unser Segen; und alles heutige Geschehen wird nur dann sinnvoll gewesen sein, wenn wir und unsere künftigen Geschlechter uns diese unmittelbare Beziehung zum Unsrigen erhalten. * Unsere künftig« Geschlechter... hier fiel das Wort, das die Gedanken auf die diesjährigen Feiern in Haus und Synagoge lenkt. Viele Plätze sind leer und bleiben leer. Aber Wehmut und Sentimentalität sollen verbannt sein: Juda Makkahi und die Seinen waren ganz gewiß auch nicht wehleidig! Sind unsere Gotteshäuser heute fast allerorten viel zu groß geworden für die ständig schrumpfenden Gemeinden, sind die Familien anseinandergerissen and über die Kontinente verstreut: dann wollen wir wissen, daß neue Gemeinden, neue Gotteshäuser, neue jüdische Siedlungen und neue jüdische Familien im Heiligen Lande, in Südafrika, in Australien,' in beiden Amerika entsteh«; und was für uns Einzeln« ein Auseinander scheint, gerade das bringt im Gange der Zeit« das große Zueinander hervor. Gerade darum*ja erkenn« wir Heutig« in jftnea Alt« uns wieder: auch damals wurden Opfer erfordert, aber ans, Schluß stimmt« Juda und die Sein« d« Vers des Siegespsalma an: Danket dem Ewig«, denn er ist gütig und-ewig währet seine Gnade (1. Makk. 4, 24); als der Tempel neu geweiht war, setzt« sie ein Freud«- und Dankfest ein (das. Vers 61). Ob wir zu den« gehören, die bleib« müssen, oder zu denen, die wanden» dürf«: wir alle sind Träger der heutigen jüdisch« Geschichte, wir alle helfe« mit, daß. unsere künftig« Geschleckter wieder Dankand Jabettymnen sing«: die alt« Lieder bdnflKe neuer Lichter. wobei beide Grupp« «- nicht etwa ihre Pn^amzM snHMmmagewaarf«^ mäto tdl jede darStus koMspmt von ihrem besonderen Standpunkt, von der bei ihr gebedarf noch der Verroöetändigung 1« auf die rettgUs« Schattierung«;' —ch hier gilt die gezeigt» Entwicklung: ß»

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