Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die Synagogen-Gemeinden in Preussen und Norddeutschland
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 9 (1.9.1937)
- Date
- 1937-09-01
- Page
- Seite 18 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/10279739-10021754-10021736--037-3981431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mff «w u * •.11 15. Jhf|yNr. 9 Jod. Gemeincleblatt t cL Synag.-Gem. in Preußen/NonMentodilttbd 1. September f9Sf SYNAGOGEKGEMEINDE ZU STETTIN UND SVNAGOGEN-GEMEINDEN POMMERNS Stettiner jüdische Auslandswanderung im Jahre 193Ö Von J. Peiser, Stettiin Die jüdische Bevölkerung Stettins betrag am 1. 1. 1936: 979 Männer, 1174 Frauen 2153 Personen, am 31. 12. 1136: 864 Männer, 1072 Frauen 1936 Personen. Gesamtveriust: 115 Männer, 102 Frauen 217 Personen (durch Tod, Fortzug, Austritt, Abwanderung) 10*/*. Hiervon sind in das Ausland abg&wandert 81 Männer und 56 Frauen, zusammen 137 Personen, d. h. 6,4° 0 Auswanderangsverlusl. Die Auslandswanderung vollzog sich, nach Ländern und Berufsgruppen geordnet, im Jahre 1936 Wie folgt: Einwanderungsland 6 < m E 0 "O w *e— o y m 3 0 w 3 Hand- I 1 i W 1 m *3 0 co w c 0 i o m a> JZ 0 G» C a w An d Am MM d« m Eahl •r 8*' an« rte* W a c , 9 E 0 "O c o ®1 9 O c* £ o CO £uj £ c? •^3 £ N? wI-S Afrika _ _ 5 _ 2 _ _ i 7 i 8 5,8 Amerika 4 — 12 3 — - i 2 3 13 20 18 38 27,8 Belgien 1 1 — 1 0,7 Danzig — — 2 — — — — — 1 1 3 1 4 2.9 England 1 — 2 — — — i 1 — 2 4 3 7 5,1 Jugoslavien — — — 2 — — — — — — 2 2 M Memel — — — — — — 1 — — — 1 1 0.7 Palästina — — 9 1 10 — 4 12 — 7 23 20 43 31,5 Polen — — 4 — — — - — 2 2 6 2 8 53 Tsdiechoslow — — 1 — — — _ — — — 1 _ 1 0,7 Ungarn — — 1 — — — — — — 1 — 1 0,7 Unbekannt 1 — 11 — 1 — 1 4 1 4 15 8 23 16.9 6 — 48i6 |13| - 7|20 7 30 81 56 137 100,0 Die Auswanderer sind somit am stärksten in der Berufsgruppe der Kaufleute vertreten, es folgen mit fast nur einem Viertel dieser Anzahl die Handwerker, während die Akademiker nur schwach vertreten sind. Während in den Jahren 1933—1935 im Gesamtdurchschnitt 59% der Einwanderer nach Palästina gingen, ist diese Zahl im Jahre 1936 auf 31,5% gesunken. . Dagegen hat Amerika, wohin in den genannten 3 Jahren durchschnittlich nur 4,4% einwanderten, diesmal 27,8% der Stettiner Auswanderer aufgenommen. Die übrigen Länder sind nur mit geringen Zahlen vertreten, nur Afrika ist mit 5,8% ausweisbar. Gegenüber dem sonst vorhandenen Frauenüberschuß waren unter den 137 Auswanderern 81 =60% und nur 56=40% Frauen. Ihre Altersgliederung ist aus folgender Tabelle ersichtlich: Altersslufen C _ »U, non 13 wand m d % 7 Stettin« armn ge ie Alters* Perso m | w rf AtfStörten Mee neu t 2 US. Altersaufbau der Stettiner Gemeinde am 1. 1.36 Personen^ bs sind also oes der StetttnerGe» mefadeatis den Attersstufen obgewandert % bis 20 Jahre 31,3 21.1 12; 17 20 430 7.0 21 -40 „ 503 493 46 21 67 568 113 41-60 „ 13,4 233 18 14 32 713 43 über 60 „ 33 63 5 4 9 442 2,0 nidtt onq«qeb. 23 — — — — - Im Vergleich zu dem paradigmatisch angeführten durchschnittlichen Altersaufbau der allgemeinen Palästina-Einwanderung ist bei den Stettiner Auswanderern ein Minus in den Jahresklassen bis 20 Jahre vorhanden, erklärlich aus der geringen Kinderzahl der Auswanderer. Die Stufe von 21 bis 40 Jahren ist normal, die Altersklasse von 41 bis 50 Jahren stärker besetzt, sogar die Anzahl der über 60jährigen Auswanderer beträgt das Doppelte der allgemeinen Zahl. Die letzte Tabellenspalte weist die prozentuale Abwanderung ans den einzelnen Altersklassen auf: von 568 Personen im Alter von 21 bis 40 Jahren sind der Stettiner Gemeinde im vergangenen Jahre 11,8% durch Abwanderung verloren gegangen; auch die Altersklasse bis 20 Jahre trug 7% zur Auswanderung bei. Der Verlust in den übrigen Altersstufen ist naturgemäß weit geringer; ,von 442 über 60jährigen. sind nur 9 Personen ausgewandert. Auswanderung der Jugend bei Verbleiben der älteren Jahrgängekennzeichnet, wie überall, die Schrumpfung auch der Stettiner Gemeinde. Der Jüdische Kulturbund wird auch in der kommenden Spielzeit seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Wir möchten darauf hinweisen, daß es Pflicht eines jeden Juden ist, die Arbeit des Kulturbundes zu unterstützen. Er verschafft nicht nur (sich selbst Anregung und Ablenkung sondern er erleichtert dem Kulturbund seine soziale Pflicht, den Ärmeren unserer Gemeinschaft Bildung und Zer .treuung zu verschaffen und den jüdischen Künstlern in Deutschland die Möglichkeit zur Tätigkeit und zur Erhaltung ihres Daseins zu gewähren. Wir glauben daher, daß es nicht nur Pflicht der bisherigen Mitglieder des Kulturbundes ist, ihm treu zu bleiben, sondern daß auch diejenigen, die ihm bisher fernblieben, die moralische Verpflichtung haben, ihm jetzt beizutreten. Es ist eine jüdische soziale Aufgabe, sich hier von der allgemeinen Hilfeleistung nicht auszuschließen. Dieser Ruf geht insbesondere an diejenigen Juden, die bisher dem Kulturbund fernblieben, ohne daß ihre eigene wirtschaftliche Lage sie dazu nötigt. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Das neue Programm Wir eröffnen unsere diesjährige Spielzeit im Oktober voraussichtlich mit einem Gesangsabend von Wilhelm Guttmann, Edith Eisenheimer und Erna K1 ein; als zweite Veranstaltung werden wir wahrscheinlich daa Lustspiel „Ich liebe Dich“ bringen können. Nähere Bekanntgabe wird | in der Oktobernummer des Gemeindeblattes erfolgen. Da die alten Mitgliedskarten keinen Platz mehr für i Beitragsmarken bieten, fordern wir unsere Mitglieder auf, ihre t bisherigen Mitgliedskarten gegen neue umzutauschen und hierfür ein Lichtbild mitzubringen. Die Gebühr für die neue Mitgliedskarte beträgt 30 Rpf. Der Umtausch findet nur im Verwaltungsbüro der Synagogen-Gemeinde ab 16. September wochentags 9—12 Uhr statt. Wir erwarten, daß uns nicht nur alle bisherigen Mitglieder treu bleiben, sondern daß auch alle Gemeindemitglieder, die bisher nicht zu uns gehörten, nunmehr mit ihrem Beitritt nicht zögern. Jugendkalender Um in Zukunft am 1. jeden Monats einen Oberblick über die Jugendveranstaltungen der Gemeinde zu geben, erscheint von jetzt an im Gemeindeblatt ein Jugendkalender, in dem Ort und Datum der Veranstaltungen angegeben sind. Freitag, 3. September: Ansprache an die Jugend im Gottes- Sonnabend, 11. M dienst (Schabbat Schuwoh): Jugendgottes¬ Sonnabend, 18. »» dienst in der Synagoge 15.30 Uhr Oneg Schabbat 10.30 Uhr im Bücher¬ Montag, 20. ** zimmer der Gemeinde (Oberstufe) Jugendfeier in der Sukkoh 11.30 Uhr Dienstag, 21. »» (Unterstufe) Jugendfeier in der Sukkoh 11.80 Uhr (Oberstufe). An den Zwischenfeiertagen voq Sukkoth finden täglich für die einzelnen Klassen besondere Feiern in der Sukkob der Schule statt. Sonnabend, 2. Oktober: Jugendgottesdienst ln der jüdischen Schule (Oberstufe) 15.30 Uhr. Als Neuerung wird ein Jugendgottesdienst in der jüdischen Schule eingeführt, an dem alle Kinder der Gemeinde teilnefamen können. Zw den Sakkansfelertagen sollen auch in diesem Jahre Kinder aus Kleingemeinden der Provinz Pommern in Stettiner Familien untergebracht werden, um im Kreise Gleichaltriger die Feiertage zu verleben. — Wir bitten um recht zahlreiche Meldungen von Familien, die bereit sind, Kinder in ihr Heim aufzunehmen und ihnen diese Freude zu verschaffen. Meldungen Ms zum 10, 9. an das Verwaltungsbüro Rosengarten Nr. 9—10 erbeten. 18