Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 15 (1937)
- Issue
- 1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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MITTEILUNGEN DERSYNAGOGEN-GEmNDE ZU STETTIN UND DER SVNAßOGEN-GEMEINDEN POMMERNS Zuschriften fSr diesen Teil des Blattes sind zu richten an das Verwaltungsbüro der Synagogen«Gemeinde, Stettin, Rosengarten 9»10 Januar 1937 Pädagogische Arbeitstagung Am Mittwoch, dem 25. und Donnerstag, dem 26. November, fand in Stettin eine Fortbildungstagung für die Lehrer aus Pommern, Mecklenburg und der Grenzmark statt. Die Tagung, die pädagogischen Fragen gewidmet war, nahm einen ausgezeichneten Verlauf. Herr Dr. Bamberger leitete die Veranstaltung im Auftrag der Rechsvertretung und des preußischen Landesverbandes. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Provinzialverbandes für Pommern, Herrn R. A. Abrahamsohn, nahm Lehrer N e i e r, Berlin, das Wort zu einem Vortrag über „Der hebräische Fibelunterricht und seine Vorbereitung“, Rektor Dr. Stern sprach über „Allgemeine Grundsätze der Methodik“. Am Abend hielt Frau Prof. Barschak vor einem größeren Kreis Interessierter einen Vortrag über „Fragen der Koedukation“. Die Veranstaltungen des Donnerstag begannen mit einem Referat von Dr. Fritz Bamberger über „Die Behandlung von Stoffen zur jüdischen Kulturgeschichte“. Anschließend gab Lehrer Johannes W o 1 f f einen Lehrbericht über „Das jüdische Element im heimatkundlichen Gesamtunterricht“. Den Abschluß der Tagung bildete ein Vortrag von Rabbiner Richter über „Die Erweckung der Religiosität im Religionsunterricht“. An die einzelnen Referate schloß sich jeweils eine lebhafte Aussprache an. Die Lehrer nahmen eine Fülle von Anregungen für ihre tägliche Arbeit mit. Erwachsenenbildung Im Rahmen der Erwachsenenbildung der Gemeinde hielt Herr Rabbiner Richter einen Zyklus von 5 Vorträgen über das Thema „Die Grundlagen der jüdischen Lebensanschauung.“ Der -Redner zeigte zunächst an Hand der Schöpfungsgeschichte, wie die biblischen Quellen für die Fundierung unserer Lebensanschauung fruchtbar gemacht werden können, gab sodann eine Abgrenzung des jüdischen Gottesbegriffs gegenüber polytheistischen und pantheistischen Vorstellungen, sprach anschließend über das eigentümliche Verhältnis von Religion und Ethik im Judentum, sodann speziell über die Bedeutung des Rcligionsgesctzcs im System einer jüdischen Lebensanschauung, im Rahmen einer Auseinandersetzung mit den herrschenden religiösen Richtungen. Der Zyklus wurde mit einem Vortrag über das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft im Judentum abgeschlossen. Die Vorträge waren sehr gut besucht und fanden das lebhafte Interesse der Hörerschaft. Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe Stettin In der Ortsgruppe des jüdischen Frauenbundes sprach am 10. November Rabbiner Richter über „Der Beitrag Bialiks zur hebräischen Kultur“. Der Redner zeigte, wie Bialik in seinen Dichtungen als Bewahrer und Erneuerer der jüdischen Tradition erscheint, wie er als Sammler und Erzieher die Bausteine für eine neue hebräische Kultur zusammentrug. Die ganze Fülle der Leistung Bialiks wurde in dem Vortrag lebendig. Zionistische Ortsgruppe In der zionistischen Ortsgruppe sprach am 24. November Rabbiner Dr. Alfred J o s p e, Berlin, über „Das religiöse Problem Im Zionismus.“ In der überaus temperamentvollen Rede wurde zunächst entwicklungsgeschichtlicb die Beziehung von Nation und Religion im Judentum geschildert, sodann die Stellung des Zionismus zum - religiösen Problem, die Schwierigkeiten, die einer echten Religiosität in der Diaspora erwachsen, und die Möglichkeiten und Hoffnungen, die sich für den religiösen Menschen an den Aufbau Palästinas knüpfen. Makkabäerfeier des I. P. Makkabi Hazair, Gdud Am 8. Dezember trat der Stettiner Gdud mit einer groß angelegten Makkabäer-Feier zum ersten Male vor die Öffentlichkeit, um den Eltern, Freunden und Gönnern innerhalb der Stettiner Gemeinde einen Querschnitt aus seiner Bundesarbeit zu zeigen. Nach dem Bundesliede konnte Makkabi Kopydlowski ca. 500 Gemeindcmitglieder namens der ZOG und der Bundesleitung begrüßen, die gekommen waren, um an dieser Veranstaltung teilzunehmen und damit ihre Verbundenheit mit dem Makkabi Hazair zum Ausdruck bringen wollten. Ali Winterfeld, der Leiter des Stettiner Gdud, sprach über den Sinn und die Ziele des Makkabi Hazair. Er wies in seiner Rede besonders auf die Bedeutung der einheitlichen Erziehung unserer heutigen Jugend hin und betonte die Wichtigkeit der Verbundenheit der jungen Menschen mit dem neuen Erez Jisrael. Der Redner richtete besonders an die Eltern, deren Kinder noch nicht dem Bund 'angeboren, einen dringenden Appell, ihre Kinder in den Makkabi Hazair zu schicken, damit sie in der Gemeinschaft junger Menschen zu tatkräftigen und aufrechten Juden erzogen werden. Nach der Rede wickelte sich in bunter Folge ein umfangreiches Programm ab, das wirklich zeigte, wie vielseitig die Bundesarbeit ist. Neben hebräischen Liedern, Horra-Tänzen und rezitatorischen Darbietungen gelangte ein „Lagerfeuer“ zur Aufführung, das Einblick in das Fahrtenleben gab. Die auf diesem Lagerfeuer zum Vortrag gebrachte Legende über den „Tod der Bäume in Erez Jisrael“ schuf die notwendige Atmosphäre, um in der anschließenden Pause eine erfolgreiche Sammlung für Anpflanzung eines Waldes in Kfar Hamakkabi durchführen zu können. Der zweite Teil des Abends brachte einen „Oneg Chanukkah“, in dem Herr Rabbiner Richter über die Bedeutung des Festes in der damaligen und heutigen Zeit sprach. Der Abend klang aus mit der historischen Bilder-Revue: „Die Menorah“; drei Bilder zeigten die Leidensgeschichte unseres Volkes in früheren Zeitepochen, während das letzte Bild im „Emek Jisrael“ spielte und uns einen beglückenden Einblick in das heutige jüdische Leben in Erez Jisrael ermöglichte. Die Veranstaltung stellt einen großen Erfolg des Makkabi Hazair in Stettin dar; den Leitern des Bundes, und den jugendlichen Darstellern gebührt Dank für den schönen Abend, den sie den Teilnehmern bereitet haben. G—r. Chanukkahfeier der Jüdisdien Winterhilfe Im völlig ausverkauftem Saale von Karchowski—Fischer fand am 10. Dezember 1936 die Chanukkahfeier der Jüdischen Winterhilfe statt. Die gesamte Jugend aller Richtungen hatte sich diesem überparteilichen Hilfswerk zur Verfügung gestellt und sang und spielte mit Hingebung. Mit den einfachsten Mitteln wurde ein Makkabäerfestspiel zu vollster Geltung gebracht, dazu erklangen Sprechchöre und Gesänge. Im Mittelpunkt des 1. Teils standen die Ansprachen des Herrn Rabbiners Richter und des Dezernenten für die Jüdische Winterhilfe Herrn Louis Lewjr. In ganz besonderer'Weise hatte sich die Jüdische Volksschule in den Dienst der Sache gestellt. Der gesamte 2. Teil des reichhaltigen Programms wurde von ihr bestritten, hauptsächlich durch hebräische Lieder, die reichsten Beifall fanden. Vielen Spaß bereitete den Zuhörern der Schwank „Aus dem Leben einer Gemeinde“, bei dem die Gemeindeverwaltung in zum Teil sehr lebenstreuen Bildern auf die Bühne gcsteUt wurde. Musikalische Darbietungen auf Klavier und Harmonika umrahmten und ergänzten die. Hörfolge. Wenn der finanzielle Erfolg der Stimmung des vollen Saales entsprochen haben sollte, so kann die Jüdische Winterhilfe mit dem Ergebnis des" Abends zufrieden sein. Allen Beteiligten, die zu dem Gelingen des Abends beigetragen haben, insbesondere dem Leiter, Herrn Lehrer L e v i s o h n , sei der wärmste Dank der Jüdischen Winterhilfe ausgesprochen. 19