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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1937-01-01 · 1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
15 (1937)
Issue
1 (1.1.1937) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Magdeburg, Tilsit, Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Stettin und Pommern)
Date
1937-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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VERWALTUNGSBLATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN 15. Jahrgang Berlin, den 1. Januar 1937 Nr. 1 Sdiicksalsliebe Von Rabbiner K. Richter, Stettin. Wir lesen in den letzten Wochen aus der Thora die Geschichten des Träumers Josef, eines Menschen, der um seiner Besonderheit, nm seiner Zugehörigkeit zum Geist willen, leidet. Aber diese Besonderheit läßt ihn zum Träger der göttlichen Verbeifiung werden, sie hebt ihn aus ,der Grube und aus dem Kerker empor ins helle Licht der Gnade und der Geschichte. Es mag uns heute, da die Welt von Haß und Machtkämpfen zerrissen ist, als tröstlicher Hinweis erscheinen, daß die Brüder des Josef, die ihn einst gehaßt und In die Grube geworfen haben, zu ibm kommen, um ihn um Brot zu bitten, und daß er ihnen dieses Brot geben kann. Vielleicht kommt einmal die Menschheit, des Kampfes müde, hungernd nach dem Brot des Geistes, und sie empfängt es von denen, die es in den Jahren des Hungers bewahrt haben. Unser Blick ist durch Leid und Erfahrung geschärft, und wir blättern mit sehenden Augen im Buch der jüdischen Geschichte. Wir sehen, wie «ks Stunden der Not die Hoffnung, die Erfüllung wächst, wie Menschen um der Verheißung willen, die den Vätern zuteil wurde, leben und leiden und mit ihrem Schicksal ringen. Oft hat man es uns zum Vorwurf gemacht, daß wir uns als auserwählt bezeichnen, daß wir beten „Du 'hast uns erwählt aus allen Völkern“. Es gab Generationen, die nicht mehr den Mut hatten, an die Erwählung zu glauben, und sie strichen diese Gebete aus dem Gebetbuch. Man sagte, es sei ein Doknment des Hochmuts. Wer so spricht, sieht nur das stolze Wort der Verheißung und nicht den ewig begleitenden Schatten des Leids. Oft mag es uns scheinen, als bedeute die Auserwählung ein Erwähltsein zum Leiden, das unserer Geschichte ihre bemerkenswertesten Cäsuren gibt. Und doch wird uns das Problem der Erwählung erst kund, wenn wir nach der Kraft fragen, die das Volk trotz allen Leiden erhalten und zu Trägern seiner etwaig»rügen Geschichte gemacht bat. „Du gehst durch Teuer, nicht wirst du verbrannt, und Flammenghit verzehrt dich nicht,“ kündet der Prophet dem Volke, das immer brennt und doch nicht verbrennt, wie der Dornbusch, der als Wahrzeichen am Anfang der Volkswerdung steht Wir verbrennen nicht sofern wir zu brennen verstehen. Das Brennenkönnen für den Geist die Idee,, die jüdische Verheißung, das ist die Voraussetzung unseres echten Lebens. Oft scheint es uns so, als sei die Glut dunkler geworden im zermürbenden Leben unseres Alltags. Die Frage nach dem Sinn des jüdischen Dasein« wird erstickt durch den schweren Kampf um Sicherung und Neuaufbau unserer äußeren Existenz. Aber sie wird dadurch nicht gelöst. Sie brennt in den Menschen, die sich in den großen Gemeinden darnach sehnen, hinter der äußeren Betriebsamkeit sich selbst zu finden, und in den Menschen der kleinen Gemeinden, die den Gefahren der seelischen und geistigen Isolierung ausgesetzt sind. Sie wird nur dann beschwichtigt werden, wenn wir die alte Beziehung des Juden zu seinem Schicksal wiederfinden, die sich ausdrückt in dem mutigen Glauben an die Erwählung, wenn wir wieder lernen, unser Schicksal zu lieben. Eäne dreifache Möglichkeit ist uns gegeben, auf die Spannung, unter der unser jüdisches Leben steht, zu-antworten. .Die einen beantworten Erbitterung mit Erbitterung. Aber das ist keine jüdische Antwort. Der Haß macht die Seele krank, verzerrt das Bild der Außenwelt und ist sinnlos, weil er uns nicht weiterführt. Wer sich zum Haß und zur haßerfüllten Tat hinreißen läßt, hat mit dem Gesetz des jüdischen Lebens gebrochen. Bei anderen wendet sich der Haß, der seinen Gegenstand nach außen nicht trifft, nach innen, gegen die eigene jüdische Existenz, wird zum Selbsthaß. Diese Menschen flüchten in die Umwelt, die sie zurückstößt, sie finden nicht mehr den Sinn ihres jüdischen Daseins, verstehen nicht, was es heißt, als Jude geboren zu werden und dieses Schicksal zu tragen. Sie sind unglückliche und oft verzweifelte Menschen, denen ihr Leben eine sinnlose Last bedeutet. Es ist ein Glück, daß der Jude, so lange er in stolzer Bewußtheit und freudiger Demut sein Schicksal trägt, ganz anders auf die Spannung antwortet, die sein Leben beherrscht Sie wird ihm nicht Anlaß zum Groll, nicht Grund xum Selbsthaß, sondern zur Selbstkritik, Grund, sich in das eigene Wesen zu versenken, die Kräfte seiner Gemeinde-Mitteilungen: Magdeburg .... . Seite IS Tltott . . 14 Thüringen .... ,14 Bremen ■. . 15 Halle. . .17 UMsaXmBTg. , 18 Stettin. . . »

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