Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-09-01 · 9 (1.9.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Magdeburg, Tilsit, Stettin und Pommern) · p. Seite 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
9 (1.9.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Bremen, Nordwestdeutschland, Halle, Duisburg, Magdeburg, Tilsit, Stettin und Pommern)
Date
1936-09-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/10279732-10021721-10021700--472-3981203
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MITTEILUNGEN bersvnagckjEngemeindezu STETTIN UND DER SYNAGOßEN-GEMEINDEN POMMERNS Zuschriften für diesen Teil des Blattes sind za richten an das Verwaltangsbfiro der SynagogetuGemeinde, Stettin, Rosengarten 9*10 September 1936 Im Ferien-Tagesheim der Vereinigung Bne Briß Blauer Himmel schimmert durch Kiefemkronen, die in der Sonne so richtig nach „Wald“ duften. Weiße Birken leuchten dazwischen, Vögel zwitschern. Da ertönen Kinderstimmen und weisen uns den Weg. Wir sind am Ziel: im Kinderparadies, dem Tagesheim der Vereinigung Bne Briß. Fast wäre die Aufrechterhaltung dieser segensreichen Einrichtung daran gescheitert, daß die Pacht des bisher innegehabten Grundstückes vom Verpächter in diesem Jahre nicht erneuert wurde. Doch einige Mitglieder unserer Gemeinde verhalten den Kindern in dankenswerter Weise zu ihrer Sommererholung: für die Nachmittage während der Schulzeit wurde das Gartengelände auf einem Fabrikhof zur Verfügung gestellt, und in der Zeit vom. 13. Juli bis zum 14. August hat ein Ehepaar — Mitglieder unserer Vereinigung — uns sein herrlich im Eckerberger Walde gelegenes Grundstück überlassen, eine geradezu ideale Erholungsstätte. Da haben sich über 90 Kinder unserer Gemeinde eingefunden, die morgens um */z9 Uhr mit der Straßenbahn hinausfahren. Jedes Alter ist vertreten — vom dreijährigen Kleinkind bHT zu 1t Tbliren. Die Leitung, eine geprüfte (manchmal sogar tchwe: rere in der_ In „Onkel ,Ä< Jungen dÜti-b wirtschaftlich» Srite •albst. . ... Auf di Hortnerin, der eine ausgebildete und mehlt befindliche Helferinnen zur Seite stehen. _ Jugendführer aus Berlin, haben die in Sport 'und Spiel. Daß auch für die H1K% ^prhanden ist, versteht sich von teilen sich die Gruppen. Die kleineren Kinder finden sich zusammen zu Singspielen und rhythmischen Uebungen, die Jungen liefern Völkerballschlachten. Ein „Trapper“ in Dreß mit Gewehr lädt zur Besichtigung des Zeltes ein. Eine große Ehre, denn nicht jedem ist der Zutritt — nur auf Schleichwegen, an salutierenden Waffenträgern vorbei — gestattet! Doch auch die Gegenpartei zeigt uns ihre „Festung“ (einen ehemaligen Hühnerstall). Davor sind große Burgen mit Wassergräben und allen Finessen. Die Tafel „Betreten streng verboten“ gilt für uns nicht — wir dürfen uns was darauf einbilden! — Die Sandkuhle der kleinen Mädchen neben der wehrhaften Burg ist mit Blumen und Sternchen geschmückt. Bald, ist* es. Mittag. Ein neues Bild. Unter'dem großen Zelt sitzen an langen Tafeln die schmausenden Kinder, denen das aus Fleisch, Gemüse und Nachspeise bestehende Essen herrlich mundet. Das merkt man aus den „Nachforderungen“! Kein Wunder, daß Gewichtszunahmen bis zu 9 Pfund zu verzeichnen sind, denn auch der Morgenkakao, der Nachmittagskaffee mit den Marmeladenbroten und Abendmahlzeit — Schnecken und frisches Obst — finden begeisterten Zuspruch. Wer nach dem Mittagessen den Garten betritt, der wundert sich über die Stille trotz der 90 Kinder. Da liegen überall Gruppen in Liegestühlen oder auf Decken und die „Wache“ sorgt für Ruhe, bis die Liegekur beendet ist und das lustige Treiben von neuem beginnt. Um t/t 7 Uhr wird in Gruppen der Heimweg angetreten. Jetzt sind diese schönen Wochen vorüber, doch sie werden in den Kindern, die in dieser Zeit einen solchen Zusammenschluß doppelt dankbar empfinden, noch lange nachklingen. Es wurden außerdem 10 Kinder aus der Provinz, die das Tagesheim besuchten, kostenlos in Familien untergebracht, 15 Kinder hatten Freistellen in der Provinz, mehrere Kinder wurden ins Kurhospital Kolberg gesandt. Die Kinder zahlten einen kleinen Unkostenbeitrag. Alle Kinder stehen unter ärztlicher Aufsicht, und man darf mit Genugtuung sagen, daß der Gesundheitszustand ein vorzüglicher ist. Mehr als Worte, mehr als Zahlen sagt uns ein Blick in die strahlenden Kinderaugen: hier wird Aufbauarbeit im besten Sinne geleistet. Lucie Magnus. Jüdischer Kulturbund Wir bitten unsere Mitglieder, nicht zu vergessen, rechtzeitig vor dem 1. Oktober die Beitragsmarken einzulösen, damit wir die Vorbereitungen für die neuen Veranstaltungen treffen können. Die Marken für die laufenden Beiträge sind entweder bei Fräulein Berta Spitzer, Kaiser-Wilhelm-Str. 42 oder bei Herrn Hermann Zeidler i/Fa. D. Jassmann, Reifschlägerstr. 3 zu haben. Im Gemeindebüro findet nur noch die Neuaufnahme von Mitgliedern statt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.