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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1936-04-01 · 4 (1.4.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern) · p. Seite 19

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
14 (1936)
Issue
4 (1.4.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Bremen, Nordwestdeutschland, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
Date
1936-04-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Am 27. 4: Mitglieder Nr. 1—375. Am 28. 4: Mitglieder Nr. 376 ff. Mit dieser Veranstaltung sehlieBt unsere Spielseit 1915/31. Die neue Spielzeit beginnt im Herbst 1936. Etwa notwendig -? werdende Änderungen des vorstehenden April-Programms werden entweder durch Rundschreiben oder in den Veranstaltungen selbst bekannt gegeben. Wir bitten unsere Mitglieder nochmals, uns Familienquartiere zur Verfügung zu stellen und diese im Verwaltungsbüro der Synagogen-Gemeinde (Tel. 266 63) anzumelden, insbesondere für die Veranstaltung vom 27. und 28. April, weil dann eine größere Anzahl von Künstlern unterzubringen ist. * Am 23. März d. Jahres konzertierte bei uns das Mendelssohn-Trio. Es brachte das Trio c-moll opus 66 von Mendelssohn, das Dumky-Trio c-moll von Dvorak und das Trio a-moll von Tschaikowsky. Es war ein Abend von ungewöhnlich künstlerischer Bedeutung, wohl einer der schönsten und am tiefsten wirkenden seit Bestehen des Kulturbundes. Der Glanz der Geige des Herrn Leo Schwarz, der runde, sinnliche und schmelzende Ton des Cellos des Herrn B1 u m e n f e 1 d und die absolut sichere Technik, zuverlässige Führung und das beseelte Spiel von Frau Hella C h i t r i k am Flügel vereinten sich zu einem gemeinsamen Musizieren, das sichtbarer- und hörbarerweise Spieler wie Hörer mit fortriB. Das ungewöhnliche umfangreiche Programm wurde ohne den geringsten Schein von Ermüdung von den Künstlern durchgeführt und vom Publikum aufgenommen. Die außerordentliche Begeisterung, die das Spiel auslöste, bewies den Künstlern eindeutig, daB sie sich in das Herz ihrer Zuhörer hineingespielt hatten. Wir sind sicher, daB die künstlerische und seelische Nachwirkung dieses Abends langdauernd sein wird. Buchbesprechungen von J. Pciser. Wenn bei der neuen Form unserer Mitteilungen zwar nicht mehr der Raum zu so ausführlichen Besprechungen wie bisher zur Verfügung steht, so sollen doch unsere Leser auch fernerhin wenigstens durch kurze Hinweise über lesenswerte Neuerscheinungen unterrichtet werden. Da ist zunächst Mark Wischnitzers Buch „Die Juden in der Welt“ (Erich ReiB Verlag, kart. 5,50 Mark, Leinen 6,80 Mark) zu nennen. Es geht von den Uranfängen jüdischer Wanderung aus und führt uns in alle Länder der Diaspora. Dabei lernen wir die historische Entwicklung der Judenfrage in jedem Lande kennen und sehen, wie sich durch Verlagerungen äuBerlicher, besonders wirtschaftlicher Verhältnisse auch gleichzeitig die Lage der Juden ändert. So entsteht eine Gesamtschau, die nicht nur historisch interessant, sondern gerade für die Gegenwart wichtig ist durch die Aufschlüsse über die moderne Wanderungsbewegung, die gegenwärtig nicht nur nach Palästina, sondern bekanntlich in die verschiedenen Kontingente eingesetzt hat. Es ist ein Buch jüdischen Schicksals. * Karl August MeiBinger : „Der Abenteurer Gottes“. Verlag E. P. Tai & C o., Leipzig. Geh. RM. 4.80, Leinen RM. 6.80. Bekanntlich w*crden die Kapitel 40—66 des Jesaja-Textes, weil sie in Form und Wesen so garnicht den übrigen ent- . sprechen, einem andern Verfasser zugeschrieben, dem sogenannten Deutero-Jesaja. Nichts Persönliches ist über ihn bekannt. Nun unternimmt es MeiBinger, diese Figur in freier Phantasie dichterisch zu gestalten. Er findet einen grandiosen Rahmen in der weltbewegenden Historie der damaligen Zeit, und wir sehen den großen Unbekannten, der von ihm Sira genannt wird, dabei eine hervorragende Rolle spielen als gottgesandter Künder, dem zugleich ein abenteuerliches Schicksal zugedacht ist. Wie bei. jedem Propheten, spricht „es“ aus ihm, er kann sich nicht gegen das ihm auferlegte Los wenden, es treibt ihn bei allem scheinbaren äußerlichen Glück jene innerliche Unrust prophetischen Geistes. Länder und Völker, Weltanschauungen und Religionen des semitischen und des weiten indogermanischen Völkerkreises lernt er kennen, uralte Weisheit erschließt sich ihm, persische, indische, griechische Philosophie. Bei all dem ist für ihn innerster Trieb und Grundgedanke: die Befreiung Israels aus babylonischer Verbannung. Aufrichtung und prophetische Verheißung bringt er seinen Brüdern. Als er aber später aus den klaren Gedankengängen seines griechischen Freundes und Lehrers erkennt, daß das Land seiner Väter immer nur eine Völkerbrücke, niemals aber auf die Dauer eine selbständige politische Macht sein könne, resigniert er und läßt sich nie wieder bei seinem Volke sehen. Das ist Meißingers Erklärung dafür, daß dieser Prophet sehr bald zu einer verschollenen Figur geworden ist; seine gewaltigen Verse des Trostes und der Verheißung aber haben sich erhalten und in anderem Sinne bewahrheitet. Die Buntheit seiner Schicksale, die treffende Anwendung seiner herrlichen prophetischen Weissagungen — deren eine (Kapitel 53) ja die Grundlage der christlichen Gottesknechtsidee geworden ist — die Schilderung seines ihm nur als WTerkzeug Gottes erscheinenden königlichen Gebieters Kyrps, die unerhörte Abenteuerlichkeit seiner Reisen, die ihn Jonien, Indien, ja die ersten chinesischen Faktoreien sehen und zugleich uns auch einen Einblick in die Geisteswelt dieser Länder tun lassen — alles dies macht dieses Buch zu einem' einzigartigen, spannenden und belehrenden' literarischen Erlebnis. Der Verlag hat für gute Ausstattung gesorgt. Während die Umschlagzeichnung jenen großartig stilisierten babylonischen Löwen der Ischtatorstraße zeigt, sehen wir auf den Innenseiten die Karte der damaligen Kulturwelt, die zugleich fast das Gebiet des gewaltigen persischen Imperiums bedeutet und die uns Siras Reisen in ihrer grandiosen Ausdehnung vor Augen «iührt. * Soma Morgenstern: „Der Sohn des verlorenen &ohn e s.“ (Erich Reiss-Verlag, kart. M. 4.80, Leinen M. 5.80). „Gibt cs auch Bücher, die keine Lehrbücher sind?“ So fragt in diesem Roman der greise Urgroßonkel, der nicht begreift, daß es Unterhaltungslektüre gibt, geben darf. Morgensterns Buch ist beides. Es lehrt uns, Kraft zu schöpfen aus unserem Eigenen, zu wachsen an unsern Aufgaben, wesenhaft als Juden zu bleiben. Es tut dies in Form eines Romans, der wie ein großartiges Gemälde wirkt in oft berückenden Farben: so der Duft der weiten podolischen Sominerlandschaft, das Knabenerlebnis des blühenden Weißkleefeldcs, die Liebe zu den Tieren, das ganze innige Verhältnis zur Natur. Und dann die Menschen! Die prächtige Gestalt des alten knorrigen Gutsverwalters Jankel, der besinnliche Gutsherr, dessen Wesen sich erst in der atembeklemmcnden Erzählung über den erwähnten uralten Großonkel erklärt, und schließlich der wiedergefundene heimkehrende Sohn des verlorenen, gefallenen Sohnes. Daneben Schilderungen wie die des agudistischen Kongresses in Wien mit zum Teil Schnitzlerschen Gestalten wie die des verständnisvollen, aber zur Rückkehr zu schwachen Dr. Frank; würdig treten uns die Gestalten der Zadikim entgegen. Aber auch der Humor wird nicht vergessen, wie er etwa in der Meinung des Schutzmanns zum Ausdruck kommt, daß die Juden ihren Kongreß mit einer Art „Feldgewein“ (statt Feldgeschrei) eingeleitet hätten. Manches erinnert an den jungen Lehnsen in Gronemanns Tohuwabohu, aber hier spricht in dieser ähnlichen Figur mehr die Stimme des Blutes zu uns, das Resultat erscheint uns weniger fragwürdig. — Wie bei Gerson Stern, so ist auch bei Soma Morgenstern das erste große Romanwerk ein unbestrittener künstlerischer Erfolg. Ein Buch von Rang, die Situationen gestaltend und meisternd, spannend zu uns sprechend und uns in« Herzen anrührend. Vereine und Verbände Hilfsverein der Juden in Deutschland e. V. Am 1. Februar, ist in Stettin eine Beratungsstelle des Hilfsvereins für das Gebiet Pommem/Mecklenburg eingerichtet worden. Das Büro befindet sich Friedrich-Karl-Straße 2. Fernsprecher Nr. 36288. Zum behördlich zugelassenen Berater ist Herr Otto Michelsohn- Stettin bestellt. Sprechstunde wochentags von 91/*—13 Uhr. Telefonische Voranmeldung ist erwünscht. Büroverlegung Wir verlegen am 1. April unsere Büroräumc nach Elisabethstr. 4II links. Der Telefonanschluß bleibt mit der Nummer 21727 bestehen, ebenso unser Postscheckkonto: Georg Kopydlowski, Stettin 15217 und unser Bankkonto: Georg Kopydlowski Genossenschaftsbank Iwria Stettin. Stettiner Zionistische Vereinigung. Zionistischer Gruppenverband für Pommern und Ostpreußen. Zweigstelle des Palästinaamtes Berlin. Jüdischer Turn- und Sportverein Bar Kochba, Stettin. TSV „Bar Kochba“, Stettin (im DeutsdienMakkabikreis) Sommer-Tralnlngs-Plan. Wir konnten bis zur Drucklegung dieser Blätter noch-nicht den genauen Sommerplan aufstellen. Die Mitglieder des JTSV Bar Kochba erhalten im Laufe der ersten April-Woche direkte Informationen zugestellt. Interessenten erhalten jederzeit Auskunft durch Makkabi Willi H e y m a n n , Greifenstraße 2. (Tel.: 26818) oder durch das Sekretariat (Tel.: 21727). 19

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