Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 14 (1936)
- Issue
- 3 (1.3.1936) inkl. Mitteilungen der Gemeinden (Duisburg, Magdeburg, Halle, Stettin und Pommern)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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MITTEILUNGEN der Synagogen-Gemeinde zu Stettin und der Synagogen-Gemeinden Pommerns Zuschriften für diesen Teil des Blattes sind za richten an das Verwaltungsbüro der Synagogen»Gemeinde, Stettin, Rosengarten 9»10 März 1936 Der Sabbat, seine Idee, Geschichte und Zukunft Ueber dieses Thema sprach am Mittwoch, dem S. Februar in unserer Synagoge Herr Rabbiner Dr. Wiener, Berlin, auf Einladung der Vereinigung Bne Briß. Der Redner ging von den Sabbatgeboten der Bibel und ihren beiden Begründungen aus, nämlich der sozialen und der anderen, älteren, als dem Zeichen des göttlichen Schöpfungswillens. Es sei müßig, zu fragen, ob der Sabbat aus dem babylonischen Schabbattu entstanden sei, der zwar auch ein Ruhetag gewesen wäre, jedoch als furchterweckender Unglückstag. Der jüdische Sabbat sei ein Segenstag im sozialen und geistigen Sinne. Die Bibel selbst gibt nur wenige Bestimmungen der Sabbatheiligung an, von denen der Redner einige Auslegungen gibt, z. B. vom Feuer anzünden. Fast immer sei dabei etwas urtümlich Mystisches, Dämonenfürchtendes umgebogen worden in die Sphäre des sittlich Erhebenden, Erlösenden. Aber aus diesen verhältnismäßig wenigen biblischen Vorschriften sei nach den üblichen halachischen Deutungsregeln mit der Zeit immer mehr herausgelesen worden; auch hierfür gibt der Redner eine Anzahl Beispiele. Aber selbst die Karäer, die bekanntlich den Talmud verwerfen, sind oft noch strenger, sodaß man annehmen muß, daß hier eine merkwürdige Symbolik am Werke sei. Der Redner glaubt, es sei dabei der Trieb lebendig, dem biblischen Gebot gemäß Gott immer ähnlicher werden zu wollen. Ein Weg hierzu sei auch die gleiche Art der Sabbatheiligung. Daher habe das Sabbatgesetz fast dogmatische Bedeutung, und deshalb haben alle andersgerichteten Bestrebungen, ob Kalenderreform oder Sonntagsgottesdienst notwendig scheitern müssen. Das irrationale Element sei das Starke, Erhaltende und bis zum Ende des jüdischen Mittelalters, d. h. bis zur Emanzipation sei dies spürbar gewesen in der Art, wie der Sabbat in Verbindung mit der Thora die Einheit der national-religiösen Gemeinschaft erhielt, wie er umwoben war von dem mystischen Glanz und dem einzigartigen Duft dieses wöchentlich wiederkehrenden und doch immer wieder neu beglückenden Erlebnisses. Dies alles ging verloren, als das 19. Jahrhundert den Sabbat dem offiziellen Ruhetage angleichen wollte. Eine Zukunft für die lebendige Gestaltung des Sabbats scheint dem Redner nur in Erez Jißrael möglich, aber auch dann in anderer Art als nach den bisherigen halachischen Ausdeutungen, selbstverständlich aber im Anschluß und in Fortentwicklung der Tradition. So hoffe er, daß die Zukunft des Sabbats einst seiner Vergangenheit würdig werde. Die Veranstaltung war umrahmt von musikalischen Darbietungen; Herr Hinzeimann (Violine) spielte zu Beginn die Raffsche Cavatine, Herr Oberkantor Rainowitz sang das Scbolaum alechem von Arno Nadel, und Fräulein Lola Grunwald beendete die Stunde mit dem Waani Sefiloßi von Komitzer. Herr Musikdirektor Lehmann führte die Orgelbegleitung mit feinfühlendem Verständnis aus. Es war das erste Mal, daß die Vereinigung Bne Briß, vom Vorstand der Gemeinde unterstützt, der jüdischen Oeffentlichkeit eine solche Darbietung gab. Ihr und nicht zuletzt dem Redner sei Dank dafür gesagt; es war für jeden der zahlreich erschienenen Zuhörer eine wahre Weihestunde. Mitteilung der Jüdischen Winterhilfe Im März letzter Monatsbeitrag Im März letzte Eintopfsammlung Im März letzte Pfundsammlung Die Jüdische Winterhilfe hofft auf rechtzeitigen Eingang der Monatsbeitrftge und auf reiche Spenden der Hausfrauen mit Rüdcshht auf die bevorstehenden Festtage. Jüdische Frauenarbeit im März 1936 Der Hansfraaenkreis versammelt sich am Dienstag, dem 3. März. IS1/* Uhr, im Altersheim Kronenhofstr. 27. Der nächsteOrtagruppeunaehmlttagfindet am Dienstag, den 10. März, Schillerstr. 5 pari, rechts, statt: 16—17 Uhr Kaffeestunde. Anschließend Vortrag von Frau Wolist ein; „Weg zur Erkenntnis“. Arbeitsgemeinschaften: Bnchbespreehnngen, jeden Mittwoch 16 Vt — 1 8 Vs Uhr Friedrich-Karl-Str. 3, Hof rechts II. „Einführung in unsere Gebete and Gebräuche, mit besonderer Berücksichtigung der Feiertage“, jeden Donnerstag 20Vt Uhr Friedrich-Karl-Str. 3. Beginn 5. März. Vortragender: Herr J. Peiser. Gebetbücher,möglichst mit deutscher Uebersetzung, bitte mitzubringen. Phllo8ophiekrels: Dienstag 20VtUhr (außer am 3. März) bei Frau Wollstein, Kaiser-Wilhelm-Str. 5. Unterrlehtskurse lm- Schneidern und Ausbessern von Kleidern und Wäsche bei FrL Bamberger, Bismarckstr. 17. Kreis der Berufstätigen: Am Dienstag, dem 8. März, 2 0Vz Uhr bei Frau Dr. Aron heim, Bismarckstr. 19: Vortrag von Frl. Hertz: „Die jüdische Frau in der sosialen Arbeit“. Die Beratungsstelle Rosengarten 9/10 Mittelbaus pari, ist nur noch Donnerstags 16 Vt — 17 Vt Uhr geöffnet. Arbeitsnachweis: Geschäftsstelle Falkenwalder Str. 24 bei Frau Kirsch (Telefon 31590). Sprechstunden: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—12 Uhr, Mittwoch 16—17 Uhr. Haus- und Büropersonal wird gesucht. Anmeldungen betreffs Hanspflegerinnen bei Frl. Ilse L e w i n, Bismarckstr. 24 (Telefon 21095). Amtliche Bekanntmachungen der Synagogen-Gemeinde Stettin Am Sonnabend dem 7. März findet während des Vormittagsgottesdienstes eine Gedächtnisfeier für die Gefallenen des Weltkrieges statt. Hierzu bittet insbesondere der Reidisbund jüdischer Frontsoldaten seine Mitglieder um vollzähliges Erscheinen. Synagogensteuer! Die 4. Rate der Synagogensteuer 1935/36. (Januar—März 1936) ist am 20. März d. Js. fällig. Wir bitten um pünktliche Ueberweisung dieser Rate and etwaiger Rückstände, damit unnötige Mahnkosten erspart bleiben. Kassenstunden: Montag bis Freitag 9—12 Uhr. Postscheckkonto: Stettin 1624. Bankkonten: Genossenschaftsbank Iwria; Dresdner Bank; Girokasse Konto 1706. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Wohlfahrtsamt der Synagogen-Gemeinde Stettin Dezernent: Herr Loula Lewy, Heumarkt 8. Telefon: 307 12. Sprechstunden: Dienstag und Donnerstag VsO—Vsll Uhr. Auch in Angelegenheiten der Winterhilfe und 18