Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 18 (29.11.1934)
- Date
- 1934-11-29
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/3970005-7569528-7569742--2141-3971998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 Nr. 18 ■r Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Der große TStand in der ffcantfuctee Judenfladt int Jaljee 1711* ... S'mrd, toas Veranlassung dieser Brandt entstanden, ind viele und untersckiedlickc, insgesamt aber ungewisse Trennungen. , Zc viel ist unstrittig und essen bar, das; das Heuer in des Rabbiners Haus;, sv rechter Hand etwas oberhalb gegen der Synagog über gestanden, angangen, der also in 24 stunden» wie nackmahls einige Juden geschcrtzet, die gantze Gaß gelehrt (oder vielmehr leer und ausgelehrt) gemacht ... Es ist auck bckandr und unleugbahr, daß dse Juden auf Brod oder andere Dinge Charactercs machen, solche ins fetter werffen und selbiges damit lösckcn wollen, aucb offt würcklich damit gclöschbt. . lind werden sic gewißlich aucb allhicr an solcbcn abergläubischen Mitteln cs gar nicbt haben ermangeln lassen . . . ZAie sic dann, den Brandt in dcß Rabbiners Hauß eine Beiklang vertuschet und selbst zu löschen bemühet gervesen, auch der Rabbiner selbst anfänglich keine Juden.irt sein Hauß lassen wollen, sogar auch nachmahls, da man von dem Pfarr-Thurn schon mit dem Feucrhorn, geblasen und mit der Feuer- und Stunn-Glocke gcstürmet, aucb schon einige Häuser in vollem Branht stunden, die drcy Thorc ihrer mit Mauren allerseits umbgcbenon und wohlverwahrten Gasse geschlossen gehalten, auch die von bcrxObrigkeit wegen geschickte Personen nicht cinlasscn wollen,- ja als das Thor geöffnet, find durch die dahin postierte Soldaten mit Slockscklägcn einige zu Hülff lauffcndc Bürger abgetrieben worden, die danncnhcro erbittert, sich vernehmen lassen, so mögte dann das Tcuffels-Ncft wegbvenncn, wann sic Niemand;um löscbcn wollen cinlasscn; darbey aber der ganhen Stadt grosse Gefahr durch den anwachsendcn Brandt zu besorgen gewesenilnrer dessen hat das Feuer durch diese Saumseligkeit der Iitdcn fp über. Hand genommen, daß nicht mehr zu stcurcn gcrvescn.! » Der Juden Absicht aber, daß sie die Gasse nicht eröffnen, noch die zulauffende Christen cinlasscn wollen, ja gar am Iudcn-Brücklein mit steinen hcrauß gcworffen haben, ist ohne Zweifel diesFurcht einer Plünderung gewesen, wie ihnen von unnützen Gesindlcin in stürmung der Nudcn-Gasscn anno 1ö>4 wicderfahrcn, dessen sie dann sich zu besorgen tvohl genügsame Ilrsach gehabt, auch bey dergleichen Occasioncn sick 100hl eher zugctragen . . . Inzwischen nun, da die Itidcn Niemand in ihre Gasse wollten cinlasscn, haben sic ihre beste Mobilsen, sonderlich Gold, Silber Geld und dergleichen in ihre wohlgemaucrtr Keller unter der Erden salvirct, mehr aus Borsicbt gegen eine beförckkbndc Plünocrung, als Furcht des Brandes, dessen so locite Ausbreitung weder sic selbst noch sonst Jemand sicb besorgekc. Allein die erschreicklickc Straff¬ und Zorn-Hand des Allniäcbrigcn.war so augenscheinlich, daß sich her Wind gchlings drehcte, nacb der Bornhcimer Pfottcn zn, -und selbige Häuser entzündete, und nacbdcm solch« in Flamme gcsehcst, sich so fort als'cin Diener der seines Herrtt Befclch ausrichtct, wicdcil hinauff nach - *) Wir cnMehmen die obige mit draniatischcr Wucht geschriebene Darstellimg der großen Katastrophe mit freundlicher Genehmigung des Verlages der Rcuausgabc» eines Teiles aus des Theologen und Oticti-. ralisten Johann Jacob Sch ud t (1vv4—1722) Werk, welcbc Gfraim Friscks - vorgenonnnen bat und die vor kurzem im Scbockcn-Vcrlag, Berlin er-' scbienen ist. Schudts monumentale Gcsamtarbcit führt den Tjtcl „jüdische Äercku ürdigkciten" und ist 1714 bis 1717 in F r a n k f u r t a. M. § , und Leipzig erschienen. Frisch hat davon den Teil „Vpn der Franckfurter Juden Vergangenheit" (Sitten und Bräuchen) ernepk der Öffentlichkeit zugänglich gcinacbt. Gs handelt sich dabei um ein kleines,, in Druck und Ginband geschmackvoll gehaltenes Bändchen von 7$ Seiten. Vieles Interessante erfahren wir daraus z. B. auch über die durch Vinzenz Fettmilch vcrursacbtcn Krawalle. Gs ist erstaunlich, eine wie ausgedehnte und gründliche Kenntnis der jüdischen Verhältnisse der gelehrte Verfasser gehabt hat, höchst beachtenswert auch, mit wieviel Objektivität er, der Protestant, der.Eiferer für die Bekehrung der Juden! zum Christentum, docb der jüdiscben Not, ivenn er sie auch als Strafe der Verstocktheit ansicht, und dem jüdischen Menschen gcgcnübersteht. Daß sich gelegentlich Irrtümer einschlicbcn, war unvermeidlich. Wenn auch dieSckildcrungcn in dem vorliegenden Auszug sich, nur auf Frankfurt a. M. beziehen, so - geben lic doch ein getreues Bild des jüdischen Lebens der damaligen Zeit überhaupt. Frisch hat mit vollem Recht die altertümlich« Sprache, die den Eindruck der Lektüre verstärkt und verlieft, unangetastet gelassen. Gr hat sich auf die Beibehaltung des Tatsächlichen beschränkt und alles Polemische, Tendenziöse und barocke Rankcnwerk ausgeschialtet. dem Wallgräben zu gediehet und das Feuer iveitec fortgctrieben; wie dann die Juden selbst Gottes Hand imd Zorn-Gericht erkennen. Es war ein erschrecklich Spectacuk, »md als ein klein in Brandt stehendes Troja oder Bom anzusehcn, so viele hundert Häuser in solcher grossen Flamme, in solchem Geprassel und Knarren, ohne inögliche Hülffe, im Rauch rmd Feuer schauen auffzugehcn. Das Feuer und Flamme war so groß tlnd erschrecklich, daß nicht nur die gantze Stadt und uniliegende Gegend davon erleuchtet und hell genlacht, sondern auch auf 20 Meil Weges verspührct worden. Wie man dann auf dcni hochgelegenen Schloß Wartcnburg Im Gisenachischen gar genäu an der Röthe des Himmels wahrgcnommrn, daß an einem Ort ein grosses Feuer scyn müsse, wie mich ein vornehmer glaubhafftcr Freund, der eben selbige Feit dorten gewesen, versichert hat. Es war erbärmlich nachmahls die noch rauchende Brandstätte und Steinhauffcn zu betrachten, imgleichen nach geschehener Wegraumung des Ilnraths, die nicht zu zehlend« viele Keller, wie Approscbcii und Lauffgrüben zu sehen, wie sie dann vorn und hinten, einig« auch »hohl zivcy Keller über einander hatten, darbey die sonst so r eng geschienene Gaß eine recht verwunderliche Breite und Raum jetzo hatte. Wir wollen aber nun etwas genauer beschauen, wie so wohl die in der Fcucrsnoih selbst steckende Juden, als auch die ihnen zu Hülff kommende Christen, sich bey solchem Brandt verhalten haben. Daß die Juden anfangs das Feuer zu vertuschen und selbst zu löschen getrachtet, aucb nachmahls aus Furcht einer von liederlich gesinnten Leuten bey solcber ConfUsion zu besorgender Plünderung anfänglich niemqiid cinlasscn, ist von uns crwehnet worden. Da nun aber das Feuer gär überhand nahm, .suchten die meiste ihre beste Sachen, in die Keller und Gewölbcr zu saloiercn, einige würfen Gold und Silber in ihre Brunnen, andere trugen- und führtenaus der Gasse unter die Christen. Die heilige Gesetz-Bücher oder Thora wurden aus dem oder Schranck der Synagoge kümmerlich zum Thcil errettet, der -i" Bechür oder Ochs von; Kirckhoffc wurde lvcg in ein cnffcrnten Christcn-Stall geführt, da ihn unter Wegs die Hund zausten, dessen er noch die Mahl in den Ohren hat. Allerorten hörte man nichts als ruffcn, schrcyen, klagen, heulen und windln, sonderlich von Weibern und Kindern, viele hculcten und raufften sicb auff der Strassen die Haar auh, viele liefen auff ihren Kirchhofs bey die Gräber ihrer verstorbenen Eltern und Freunde, fielen zur Erdcjn nieder und klagten. Diele haben für Schrecken ihre beste Freunde unter den Christen, die ihnen zu Hülff koinmen, nickt gckandt und wohl init harten Worten von der Thür weggewiescn, hingegen ihre beste Sacken unbekandtcn cingchändigct; andere konten für Schrecken gantz c> starret, nichts als scufhen, und müsie wohl ein mehr als stcinhartes Hertz gewesen seyn, dem der Jammer, sondcrlick der in Kälte und Frost umher lauffenden und heulenden armen Kinder, nickt ein betrübtes Mitleidcn erwecket; andere sähe man stcinaltc Leuthe oder Krancke, auch wohl Kindbettcrinncn und kleine Kinder mit der Wiegen, unter kläglichem Heulen und Scuftzen fort schleppen, und wüsten doch nicht wohin oder - zu wem. Von der Christen Seiten müssen die Juden selbst rühmen die überaus grosse Hülfjv rmd Gcgcnrvchr, zufodcrst unserer hochgeehrten Herrn und Oberen; dann auch der ganhen Löbl. Bürgcrschafft ohnermüdctenr Fleiß und Eyffcr. Die Bürger haben ihnen ihre Güter hclffcn tragen und erretten; qucth-einigc, "so Pfcrdt und Wagen gehabt, selbige so fort ihren bekannten' Iudcn> mttz denen sic Handel treiben zugeschickt; man hat ihre Güter in die Häuser ocr Christen in sichere Verwahrung genommen. Die Obrigkeit hat so fort darauff öffentlich unter dem Trommelschlag zu zivcyen.Miahlen ausrüffen lassen und befehlen, daß Niemand von der Juden geflüchteten Güther etwas solte cntiöendcn, sondern solche oder wo etwas davon auff der Gasse gefunden, treulich wieder herbey liefern, wie" dann zu der Juden selbst höchster Verwunderung, vieles, auch gefundene Kostbahrkciten, wieder herbey getragen, auch einigen boßbafftcn Leuten durch Obrigkcitl. Befehl aus den Häusern geholet und denen Vaunieistcrn zugcstcllct worden. Ich kann nicht anders als hoch rühmen, daß ich nicht einen cinhigen Juden unter so vielen gesehen, der harte Reden wider Gott gcführct oder gemurret hätte,, sic haben-cs in stiller Geduckt angenommen, ihre grosse Sünde, die solchen Jammer verschuldet, bekennet, sonderlich ihr Pracht und Hoffart, und daß sic den Annen nicht besser fortgeholffen hätten; sonderlich da sie sahen, wie die daran stossende Christen-Häuser ohnbcschädigt blieben und nur einealte Scheuer im Vier-Hauß zum Langen Gang darauff gangen. Ja auch gar ivenige haben harte Worte wider den R. Naphtali, der doch ihres so grossen uick allgemeinenIammers €^Vi^j4vi44il4Pf f jUf 'HwftfÜfU'! % CaK ravrlir Zwingerplatz 2 Caie König Gartenstraße 40 Hotel Adlerbot Gartens tr 79, nnwieit ßchweidn. 8tr. Telefon 30694 nnfl 34680 lloderne Zimmer, fließend. Wasser Mäßige Preise rranldsdie weinstaben Früher Häring Meksergasse 28 Der gemütliche Betrieb Konditorei Seellg Earlaplatz 8 Kaiser WUhelm-Straße 78 Sie essen gal \Y\j n. preiswert im Bestanrant X X derl »sslni los«,Agnei- Hy * Straße 5. - TeL548866. - üifer »sh. ISyi.-Sea. - »tütlüd Md iwUotMaast. HoiienzoiiernstraDe 76 Konditoret,Caf6.8pes!alitftt: Pfannkuchen zu Weihnachten, er^tkl. Pfefferkuchen. — Inhaber: Fritz Jauernick, — Lieferung frei Haue. Uttaner’s Weinstuben und Weingraßhandlung Bing 60 laaentzlen-Theafer das Kino —" für Jedermann