Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 11 (1934)
- Issue
- 10 (30.7.1934)
- Date
- 1934-07-30
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 10 Breslauer Jüdisches Semeindeblatt 9 > Vom religiös-liberalen Der religiös - liberale jüdisch« Weltkongreß, der vor kurzem ln London tagte, erfreute sich einer fehr regen Anteilnahme von seiten der Iudenheit der ganzen Welt. Eine große Anzahl von Delegierten hatte sich zusammengefunden, stm die Probleme, die dem religiös-liberalen Judentum gestellt sind, zu erörtern. In einer Fülle von gehaltvollen, ideenreichen Vorträge wurde zu den grundsätzlichen Fragen de» religiösliberalen Judentums Stellung genommen, und zahlreich« wichtige Anregungen gegeben. In seiner Eröffnungsansprache stellte der' Leiter der Konferenz ClaudeMontefior« fest, daß die Tagung keinerlei politisch« sondern lediglich religiös« Zwecke »erfolge. Zum Thema „IudentumundDestimmungdesMenschengeschlechts" führte Rabbiner Dr. W o l f f» Dresden, aus, im Judentum sei von jeher Gott als Weltengott aufgefaßt worden, woraus sich die Anschauung von der Gleichheit aller Menschen vor Gott ergebe. Die Geschichte Hab« es mit sich gebracht, daß die Juden unter die Völker zerstreut seien. Aber bi«' Juden müßten sich ihrer Sonderexistenz» die auf religiöser Grundlage beruhe, bewußt bleiben. Rabbiner Dr. Jacob Singer, Ehicago, betpnte, die jüdische Gottesidee habe kosmische Bedeutung und universelle Ausbreitung erlangt, die ihr im Geist und Leben der Allgemeinheit Dauer verliehen. Das Judentum müsse kraft seines geistigen Erbes, kraft der langen Tragödie jüdischer Erfahrung jM Fortschritt der Menschheit eine führende Rolle übernehmen. Slehnl^ch äußerte sich Re v. DivionSimons von der West London Synagvg e. Zu dem Thema „Die DestimmungSsraels als Religionsgemeinschaft" hatte Rabbiner St. Baeck, Berlin, der am persönlichen Erscheinen verhindert war, einen Aufsatz übersandt „Die döppelte Aufgabe Israels", welcher in der Versammlung verles en wurde. Für das Volk Itzrael lebenserhaltend sei das Vertrauen in die Bedeutung und di« Zukunft der Religion Israels. Seitdem aus der Religion Israels zwei große ander« Religionen entstanden seien, sei die Aufgabe Israels eine dopgeitc geworden: Es habe die Pflicht seine eigene Religion zu bewahren und, so seltsam dies klingen möge» auch die, Mahner und Hüter für den weiteren Kreis zu sein. Die Religion Israels solle das religiöse Gewissen der Religionen sein. Diese Pflicht sei zu erfüllen nicht durch Rhetorik sondern durch religiös beseelten Lebenswandel. Religiöser Geist aber bedinge religiöse Verantwortung für die Religionen. Verantwortung aber sei stets auf di« Zukunft gerichtet. So sichere die Dvppelnatur seiner Aufgabe Iqraels Zukunft als religiöse Gemeinschaft — jüdische« Weltkongreß Elaud« Montefiore legte in seinem Dortrage zu den in diesem Teile der Konferenz »«handelten Fragen dar» die Bestimmung der Juden als Religionsgemeinschaft werde e« sein, einigen Nutzen und Wert für die Aufrechterhaltung des Gottesglaubens zu haben. Die Juden mühten genug starken Glaubens sein, um ihren Standpunkt gegenüber dem ungeheuren Uebergewicht der Meinung der übrigen Kulturwelt aufrecht erhalten zu können. Liberales Judentum sei «ine schwerere Religion als orthodoxes Judentum. Rabbiner Dr. Italiener, Hamburg, erklärte, es sei Zeit» daß das religiös-liberale Judentum mehr Nachdruck auf Gemeinde, Gesetz und Autorität als auf das Individuum und seine Freiheit lege. Rabbiner Dr. Dien« mann, Offenbach, bezeichnet« es als wichtigste Aufgabe für den Juden nach Heiligung des Alltags zu streben. In einer besonderen Iugendkundgebung erklärte HeinzKellermann, Berlin, auf die Frage, was das liberale Judentum der Jugend geben könne, sei die Antwort: Alles. Es sei das Verdienst des liberalen * Judentums als Sinn der jüdischen Geschichte jene klassisch« Linie erkannt zu haben, welche von dem engen Kult des einzelnen für sich, zur großen sozialen Verantwortung des einzelnen für alle führt, von der Gemeinde in die Welt hinein. Die Jugend warte nur auf ein Signal, niemals sei» sie mehr zum Opfer bereit gewesen als jetzt. Aber sie müsse wissen, wofür sie sich hingeben solle. Hingeben aber wolle sie sich für alles, was Ihren» Leben Inhalt und Ziel geben könne, jn Bereitschaft jene Mission zu «rfüllen, die zeitlos und mächtig von Geschlecht zu Geschlecht übertragen »oürde, nämlich der Geschichte Israels Sinn und Dauer zu geben. ( * In der Schlußsitzung der Konferenz, die sich mit dem Problem „Judentum und die Bestimnmng des Individuums" beschäftigte, sprach zunächst Rabbiner Dr. S h u l m a n, New Port, der die jüdische Auffassung der Gotteskindschaft, aus der sich die unveräußerlichen Rechte des Individuums ergäben, gegenüber den Auffassungen abgrenzte, die im Individuum nichts als ein Produkt der Gesellschaft sehen. Rabbiner Dr. Ehrenpreis Stockholm, warnte vor der Gefahr einer Verweltlichung des Judentums. Rabbiner Dr. Ludwig V o g e l st e i n, New Dort. wies darauf hin, daß das liberale Iudentuin die Hindernisse überwunden habe, die der Verwirklichung der ethischen Gedanken früherer Geschlechter im Wege standen. Das liberale Judentum habe es vermocht, eine dreitausendjährige Ileberlieferung mit den geistigen und seelischen Bedürfnissen der Gegenwart und init den Ergebnissen der Wijsenschaft zu verknüpfen. DER NAME HUT¬ ROSENTHAL VERBORGT NEUE SO)WEIDN.TZERSTRASSE 5. PREISWÜRDIGKEIT, GÜTE UND ELEGANZ SM» berücksichtigen 81« b»l Ihrem Bedarf In nachstehenden Artikeln mein seit dem Jahre 1885 bestehendes, auf unbedingter ReellItU aufgebautee Drogen- und Photohaus Abteil. I: Drogen - Haushaltartikel Parfümerien . Toiletteartikel Abteil. II: Photographische Apparate und Bedarfsartikel Bekannt beste Ausführung photographlecher Arbeiten, wie Entwickeln, Kopieren end VergrfiBerungen. Drogen- und Photokaus am Sonnonplah Bruno Matthias, Braslau S Oartewetr. 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