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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1934-07-13 · 9 (13.7.1934) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
11 (1934)
Issue
9 (13.7.1934)
Date
1934-07-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 0 Bre» lauer Jüdisches Gemeindeblat>t Aus Stefan LweigS „Jeremias" Lym Wandervolk, . Gottcsvolk! Lasset die Mauer», sie stehen nicht auf. Doch du erstehcschcivig und e»»>ig aus deine» Liefen in deinem Gott! Wandervolk,! Gottcsvolk, Blick in diel Kernel Blick nicht Zurück! «nc'tt Kat die cStknpc», die ihr bcschreitet, u’ifl'eni bereitet. Üctoict wird inwendig Zion jekauen, des Seele nicht! Knecht seiner Knechtschaft ist und mit dein Maß seines GotttvertrauenS die Tiefe allirdischer Leiden durckmipt! Ihm glänzt urinächtig im innersten Grunde des Herzens gion zu. jeder Stunde, Schöner, als wirres vordem-gekannt! Jede Freinde wird ihm das Gottesland. -, Äer vertrauet, lfen» ist e^ erbauet; Wer glaubt, schaut iininer Jerusalem! >~t Wandervolk, Gottesvolk! Rüste und schreite unendlichen Gang! j Wirf dginen Samen willig ins Dunkel der Böller und .labte! Wandre dein Wandern und leide dein Leid! — Doch ewig gebt unser Ing durch die Seiten zu unseren Seele» Jerusalem! Stefan Irveig „Jeremias" Jnsel-Berlag, Leipzig. Tagung des Großen Rats des Preußischen Landesverbandes Der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden trat am 24. v. M., wie schon in der Borwoche kurz gemeldet, nach längerer Pause zu einer Sitzung zusammen. Der Präsident! Kammergerichtsrat i. R. Leo W o l f f, gedachte zunächst der verstorbenen Ratsmitglieder Rophtali F r o m m (Frankfurt a. M.) und Kf-mH Waidst« in >Breslau, und dankte den Herren Geheimrat G o l d f e l d t. (Breslau) und schocken (Berlin,, die ihr Mandat niedorgelegt hatten, für ihre treue Mitarbeit. Als neu eingetretene Ratsmitglieder begrüße er Stadtrat Georg L elß lBreslau), I. M. Goiieln (Frankfurt a. M.) und Dr. Friedrich Ollc^t* darf (Berlin).;! Lg fanden zunächst Neuwahlen in den Engeren Rat statt. Für den ausgeschirdenen Schriftführer Geheimrat Goldfeld wurde Stadlrat L «fz und für den Beisitzer S. Schocken Rabbiner Dr. Liuil Levy in den Engeren Rat gewählt. Uebrr die värschiedeneu Tätigkeitsgebiete des Landesverbandes erstatteten' die zuständigen Dezernenten ausführliche Berichte.! Der stellvertreteyde Präsident Alfred Klee berichtete über die Pläne zur Äufrechtjerhaltung und Suboentionieruiig leistungsschwacher Mittel- und jz l e i n g e m e i n d e n. Da die früher gewährten Beihilfen des preußische» Staates weggesallrn sind, müsse die vom Landesverband in Aussicht genommene Ausgleichstelle aus Mitteln, die von den leistungsfähigeren Großaemeinde» zur Verfügung zu stellen seien^Hstfe für die Kleingemeinden schassen. Dr. Aron'Sandstr und Frl. Dr. Berent erstatteten Bericht über' K u l t u r s a h r t e n, oie vom Landesverband gemeinsam mit dem Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau zu dem Zweck veranstaltet I werden sollen, das religiöse und geistige Leben in de» Kleingenieinden zu erhalten und zu ocirtiefen. > lieber die in Berlin eingerichtete» Kurse zur Ausbildung reliös-liberaler jüdischer Lehrer berichtete'ein- " gehend Rabbiner Dr. Galliner. Ueber die Arbeite» der Reichszentrale für Schächtangelegenheiten berichtete Adolf Schoger, Die Bemühungen um ein Schächtoerfahren, düs gleichermaßen den staatlichen wie den religiösen Gesetzen entspricht, haben bisher Erfolg nicht gehabt. Die Versuche werden fortgesetzt. Diplom-Ingenieur Bruno Woyda beschästigte sich mit der-Frage der Errichtung einer Prnsionskasse für die Beamten der jüdischen Gemei n d e n. Der Landesverband, werde die "Verhandlungen mit größter Beschleunigung durchführen. Der Präsident der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. L. B a e ck, behändelte das VerhälMis zwischen Reichsoertretung und Landesverband. ' 3m Mittelpunkt der Tagung standen die Erörterungen über die Finanzgebarung des LandesSerbondes, von der alle' Erfolg« seiner umfassenden Arbeft abhängen. Der Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1934 35 wurde nach geringfügigen Abänderungen in der von dem Dezernenlen-Kollegium beschlossenen Fassung angenommen. Er beläuft sich aus insgesamt 744 500 Rift. Nachdem die Wohlfahrtspflege und Wirtschaftshilfe von den zuständigen jüdischen Reichrspihenorganisationen übernommen worden sind, sind die entsprechenden Positionen im Haushaltsplan des Landesverbandes fortgefallen; an ihre Stelle treten die vom Landesverband an die Reichsvertretung der deutschen Juden zu leistenden Zahlungen, für die der Etat 200 000 RIN. ausweist. Besonder» bemerkenswert ist die starke Senkung der verwallungskosten aus 58 000. RW. gegen 104 000 RM. im Jahre 1932 33.,. Um einen kostspieligen Verbandstag zu vermeiden, wurde das Dezernentenkollegistm ermächtigt, die Zustimmung der Verbandstaginitglieder zum Haushaltsplan des Landesverbandes auf schriftlichem Wege ejnzuholen. Aus dem gleichen Grunde wurden die Mitgliedsgemeinden und die Berbandstaq-Abgeordneten ersucht, folgendem Beschluß zuzustimmen: „Zum Zustandekommen eines Derbandsbeschlusses genügt für die Zeit bis zum 30. September 1936 eine Beseblußfastung des Großen Rates. Vieler ist befugt, auch v erfass ungsänhern de Beschlüsse zu fassen. Ihre Wirksamkeit endigt mit dem 30. September 1936." Die jetzige Legislaturperiode des Rates läuft am 30. September 1934 ab. Rosa Paletti (zum Breslauer Gastspiel am 29s und 30. Juli 1934 im Lammermusiksaal.) Die B a l e t t i , nur durch ihre Ehe Ocsterrejeherin, ist von Gehurt und Wesen- Berlinerin — und von der unerschütterlichen Sachlichkeit und Festigkeit dieser Stadt steckt allerlei in ihr. , Aber die Daletft ist auch Jüdin, und das Blut, das durch diesen kraftvoll breiten Körper!rollt, an die Schläfen dieses starkknochigen Schädels pocht, ist jüdisches Blut- Obwohl viel Witz und Verstand in ihrer Kunst steckt, ist es vielleicht nicht das Gehirn, das in erster Linie das Wesen jmd die Kunst dieser außerordentlichen Schauspielerin als jüdisch kennzeichnet. Es ist eine. besondiere Art von Kraft in ihr, die wenig ^mit der zerreibenden Geistigkeit moderner Kultur zu tun hat. Aber, »vie>das bei außerordentlichen Menschen, und gerade bei Genies der Körperkunst am Theater öfters geschieht, die Baletti reicht mit ihrer jüdischen straft über »veite Fernen der Geschichte zurück. Ilnd es »ft viel »veniger ein Ghetto der Vergangenheit, an das sie denken läßt, als ein Bereich patriarchalischer Urkraft. Breit, sinnlich greifend, fest sind die Bewegungen, üppig, voll gezogen der Ton. Es ist etwas im Wesen der Frau, das an den Patriarchen denken läßt, der sein«!Herden zählt. Es ist genau die gleiche Kraft, mit der die-Baletti ihre kölnischen Wirkungen erzielt, wie ihre tragischen. Die Kraft des Abwartens, der Ruhe und des ganz gesammelten plötzlichen Zuschlagens. Diese Schauspielerin kann ctrvas, »vas n»»r sehr »venige und nur die Größten in dieser Kunst vehnögen: Sie kann vollkommen stillstehen — aber in der Stille ist dimn nichts Passives, nichts Lebloses, sondern die höchste, ungeheuer wirksame Spannung, aus der das Leben ströint. And niemals verzettelt sic sich in kleinen Nuancen, halben Gebärden, ui»d Tönen, — auf einen bestimmten großen Akzent ist alles bei ihr gesammelt und bricht dann siegreich durch. Ihre groteskesten und ihre crschütterjndsten Szenen 'entstehen in gleicher, Art: Sie spielt ctlva in einem dummen französischen Schwank eine Pprticrfrau 7 eine Hausgenossin konmst ihr grob —ganz starr, vollkommen sprachlos blickt die Baletti der Abgehenden nach; dann sagt sie , keincsuseqs laut, sachlich feststellend: „Stücke Dreck"! — es ist schwer, in solchem Augenblick nicht vom Stuhl zu fallen vor Gelächter — es ist Komik im heroischen Ausmaß — klastische Prägung!-— Ilnd sic spielt diö „Fremde Frau" — und der Moment, wo die Derkommenc, die Angeklagte nach endlos dumpfen Starren in ihrem Verteidiger den eignen, in der Wiege »erlassenen Sohn erkennt -- zeitigt einen Schrei —. So habe ich sonst nur einmal schreien hören: als Matkowskys Karl Moor am Hungerturm >en Pater erkennt — es ist Notwehr erstickender Kreatur, Todcsruf ertrinkender!Seele — „0, ewiges Chaos!" — So sp elt hie Baletti —- sie sollte viel, viel mehr spielen, daß »vir wissen, was rnr für eine Künstlerin in ihr haben! Julius Bad.

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