Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 9 (1932)
- Issue
- 2 (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Breslauer 2üdlsche, vemelaveblalk IS die freie jüdische Volkshochschule öffnete ihr 26. halbsemester am 17. Januar 1932 mit einem Vortrag von Prof. Alfred Adler-Wien über „Jndioidualpsychologie als Psychologie und Pädagogik der Gegenwart". Die überaus zahlreich erschienenen Zuhörer, von Dozenten Dr.! Lewtowitz begrüßt, erwarteten vermullich praktische Fingerzeige für die Kindererziehung, nnirden aber hierin durch die mehr theoretischen Ausführungen enttäuscht. Die Jndividualpsycholögie unterscheidet sich, so führte ihr Begründer aus, von der unhaltbaren Vererbungstheorie und der bedenklichen Milieulheorie, durch ihre Lehre^i daßdie Entwickelung der Fähigkeiten des Kindes die ausschlaggebende Richtung erhält durch das unberechenbare Ich. Dis Ziele des Ichs zu erkennen, war die Ausgabe der Philosophen aller Zeiten. Nach einer! geistvollen Kritik der verschiedenen philosophischen Lehrmeinungen gezeichnet der berühmte Gelehrte als Ergebnis" der heutigen Forschung: die Idee der Kooperation, d. h. die Einstellung des Individuums zur Gesamtheit des sozialen Lebens. Welche Art der Einstellung die beste sei, kann natürlich zweifelhaft sein, aber das Streben wüßte jedem Ich innewohnen. Beim Kind ist für die Entwickelung des Ichs nicht entscheidend der Einfluß der Umwelt, sondern was das Kind daraus macht. Deshalb ist j es Ausgabe der Pädagogik, das Kind daraufhin zu beobachten, wie es sich zur Umwelt, zur Gemeinschaft stellt, die es zuerst im Verhalten der Eltern und Geschwister, später in der Schule kennen lernt. Es gibt beitn Kinde deutlich ein unbewußtes, unbegreifliches Denken, wofür der! Redner charakteristische Beispiele erwähnt, Zeichen für den schöpferischen Geist des Kindes. Fehlschläge, z. B. Verbrecher, Trinker, Süchtige, erklärt die Jndioidualpsychologie mit dem Mangel an Kooperation und der Ausbeutung dieses Strebens bei den andern. Aufgabe der Pädagogen ist es, .dem'Kinde die Hemmungen, die üch seiner Mitarbeit an de« Gemeinschaft entgegenstellen, (und die durch richtige Beobachtung zu erkennen sind), überwinden zu helfen (z. B. beim- Hören, Sprechen, Konzentrationsmangel, bei Linkshändern usw). Deshalb sollten Eltern und Lehrer mit den Ideen der Jndividualpsychologie sich vertraut machen. > . Zum Schluß beantwortete der Vortragende eine große Anzahl schriftlicher Fragen der Zuhörer, die ihr Streben nach praktischer Lösung von einzelne» Erziehungssfagen deutlich erkennen ließen, jedoch auch mehr >» allgemein wissenschaftlicher Form. Der Beifall war stürmisch. die jüdische Religionsgemeinschaft und ihre Bekenner scharf mißbilligt und daß die Regierung fest entschlossen ist, die verfassungsmäßigen Rechte aller deutschen Staatsbürger mit äußerster Entschiedeicheii und mit Einseßung aller Machtmittel zu schützen. , Nachahmenswerte Stuöentenhilfe.^ Die Dampfwäscherei „Blitz", Posener Straße 44 46, hat sich aus Ersuchen in dankenswerter Weise sofort bereit Erklärt, Wäsche für eine Anzahl hiesiger jüdischer Studenten gratis zu waschen und zum Teil sertigzustellen. Von dieser sehr zu begrüßenden Neueinrichtung wird bereits seit einigen Wochen reichlich Gebrauch gemacht. Es bedeutet dies für diejenigen Studenten, die hier keine Angehörige» besitzen und die unter der Schwere der Jetztzeit besonders zu leiden haben, natürlich eine wesentliche Erleichterung. Es wäre nur zu wünschen, daß viele, die noch "in der glücklichen Lage sind,,aus diese oder jene Weise helfen zu können, diesem nachahmenswerten Beispiel folgen würdest. ' Angebote nimmt entgegen Frau I e a n n e S e i d >n a n » , Schwerinstrahe 33'40, und Frau Emma G o t t h e i» e r, Wallstraße 29. I. yiiiinmiiimiiiii.iiiimmiimimiiiLimtiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiM.....min | - Arbeitsloses i | | Besucht die Bunten Abende jeden Mittwbch um. 20s Uhr | j im Jugendheim, Schweidnitzer Stadtgräben 28. D miiiiiiiiiiimiiimiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimmiiiiimmmnimniiiiiiiMiiMiiMimmiiMiMiiiiiiniiiuiiiiiiiHrmiii’iiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiimiii Goldene Hochzeit. Herr Reklamcsachmann Fritz Bl u in b e rg, 7«, Jahre alt. und seine Ehefrau, geb. Flatau, 73 Jahre alt, Kgtzensiraße 7. feiern am 23. Februar 1932 die goldene Hochzeit. Den 83. Geburtstag feiert am 11. Mürz 1932 Frau Henriette R d s e » thal geh Hei inann, Menzelstraße 93. fin die weibliche Jugend unü ihre Eltern. Immer schon waren die Monate vor Ostern schwer für Jugendliche und Eltern, da in dieser Zeit die Berufswahl für abgeheirde Schülerinnen fiel. Die heutige wirtschaftliche Lage macht die Entscheidung besonders schwer. Wir warnen vor der Wahl eines K o n j u n k t u r b e r u f s, der im Augenblick seiner wirtschaftlichen Ilcberslüssigkeit arbeitslos riacht, oder eines Modeberufs, der, da er Mode ist. reizt, aber später nicht mehr bindet, oder eines Zusallsberufs, in dem sie bei nicht genügender Eignung durch stärkes Ueberangebot an gee gneten Menschen sich nicht behaupten können, oder eines A u s w e i h b e r u s s, in dem sie ein kostspieliges Universitätsstudium ergreifen, nach dessen Abschluß meist keine Stellung gesunden wird. In diesem Zusammenh mge machen wir aus die staatlich anerkannte Paula-Ollendorsf-haushaltungsschule der Breslauer Ortsgruppe des jiid. Frauenbundes >n Breslau, Kirschallee 36a, aufmerksam. Der einjähr ge Besuch dieser haushaltungsjchule gibt folgerte Berufs- und Ausbildungs- Möglichkeiten: a) Dolksjschülerii nen können erlernen den Berus der Hausgehilfin, haushcltspflegerin, neuerdings auch Wirtschafterin, >>) Schülerinner mittlerer Reise und Obersekundareife den der haushaltspslegerin, Kindergärtnerin, Hortnerin. Eozialbeamtin l nd Diätassistentin, 1 <0 Abiturientinnen den der Gewerbelehrerin. ' Es sind dn Berufe, die für die jüdische Jugend noch nicht überfüllt ind. Zu näher n Auskünften ist die Leiterin der Schule, Gewerbeoberlehrerin Ääte Meier, während der Sprechstunden Montag, iz a ch m. von 4 bis 5, unsd Freitag, vorm, von 11 bis 1 Uhr, im Büro der Schule gern bereit. i. Der „Eentp Icilj^iiil: Reichsmini Vorsitzenden des bens, Justizrat tmd Syndikus den der Reichsa grrichtsrat W o soldaten, Dr. Hirsch, zu eint Herren trugen s o z i a l i st i s ch der deutsche Die Erschieß Ministers die Ue Dr Leo Gegen -je antisemitische Hetze aloerband, deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" «er Dr. Gnoener empfing im Innenministerium die Centralveroins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaur. Julius Brodnitz, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil" Alfred Wiener, in Gemeinschaft mit dem Vonsitzenrhejtsgemeins^iast der jüdischen Landesverbände. Kammerf, dem Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Front- L o e w e n st ein. und dem Staatssekretär Dr. Julius r mehr als! eine Stunde währenden Unterredung. Die >em Ministejr Proben der maßlosen nationaln Agitation gegen den jüdischen Teil Bevölkerung vor. enen gewannen aus den ausführlichen Darlegungen des berzeugung, daß die Reichsregierung die Angriffe gegen Den 80. Geburtslag ' feiert am 13. März 1932 der Kaufmann 21 b olfGü , tstadt, Sonnen itraße 33, II. | Tlocfiricfiten cms dm Uerfrande der S^nagogen-^emeinden der yrtuunz-TUederscWeslen Aus dem Tätigkeitsbericht (Auszug) von Bezirksrabbiner Dr. Wahrmann. Oels i..Schl. In die Berichtszeit fällt der «Beginn der großen Wirtschaftskrise, die durch die mehrfachen Notverordnungen des Reiches und der Länder gekennzeichnet ist. Dieser Umstand erschwerte die Arbeit in bedeutendem Maße. War es schon in früheren Jahren schwer, in vielen Gemeinden meines Bezirks jüdisch-religiöses Leben zu wecken, so wurde jetzt versucht. Indifferenz und Uninteressiertheit aus die > schlechte wirtschaftliche Lage unserer, Zeit zurllckzusühren. Es bedurfte manchmal großer Anstrengungen, um manchen Gemeindevorsteher von dieser irrigen Aufsassung abzubringen. Gestützt auf das bei früheren Besuchen erworbene Vertrauen, war es mir möglich, mein Programm uneingeschränkt durchzusühren, und auch manche zaudernde Gemeinde sür die Veranstaltung eines Predigt-Gottesdienstes oder Vortrags zu gewinnen. So kcstmte nicht ,nur das bereits Geschaffene erhalten, sondern auch hier und da eine neue Position jüdischen Gemeindelebens geschossen werden. Im einzelnen wurden im Sommer Predigt-Gottesdienste abgehaltcn, .. während im Winter belehrende Vorträge im Mittelpunkt meiner Tätigkeit stehen. Von großer Bedeutung sür die Belebung jüdischer kultureller Arbeit innerhalb der Gemeinden haben sich die jüdischen Frauenoereine erwiesen. Ihrer Tätigkeit habe ich daher besondere 2lusmerksamkeit gewidmet und sie in der Berichtszeit Tn jeder Weise gefördert. Ebenso war ich um die Berbesierung des jüdischen Religionsunterrichts bemüht und habe zu diesem Zwecke einen „Minimal-Lehrplan" ausgearbeitet, von dem ich mir in Zukunft wesentliche Fortschritte auf diesem Gebiete verspreche. Die seelsorgerische Betreuung kranker und bedürftiger Ge- - meindemitglieder, wie die regelmäßigen Besuche ist der Provinjialheil- und Pflegeanstalt Leubus haben sich als segensreich erwiesen. Daß ich auch in den Gemeinden überflüssige Archivalien sammeln und dem Archiv der Breslauer Synagogengemeinde zusühren lasse, soll nur noch nebenbei erwähnt werden. . Von dem . Umsang der Tätigkeit von s ü n s. M o n a t e n mögen folgende Zahlen einen Ueberblick geben: 21 Predigten, 4 Schristerklärungen, 2 Ansprachen, 5 Vorträge, 9 Vorstandssitzungen, 8 Gemeindeversammlungen, 27 Besprechungen, 2 Inspektionen der Schechita, 3 Inspektionen des Religionsunterrichts, 5 Anstaltsbesuche, 3 Kasualien, 2 Arbeitsgemeinschaften, 259 Schriftstücke. Betreut würden während dieser Zeit die Gemeinden: Bernstadt, Festenberg/ Frankenstein, Groh- Wartenberg, Guhrau, Leubus, Militsch, Namrlau, Neumarkt, Oels, Sagan, Sprottau und Trebnitz.