Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 12 (12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3970005-7569524-7569692--1577-3971477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau Gchrtftlettung: DnwaWmstSdkreNor Dr. Nechnlß, »recklau. Wallftraße 9 I Druck und Aiqetgen-Annahme: Druckerei LH. Schatzty AMmgeseMchaft. Derlog: Büro der SynagogengemeMd«, »realau. Wallstr.9 / £»1.21611/12 | Arrblau 5, Neue Sraupenstraße Nr. 7 / Fernsprecher 2446» o. 24469 __2h»»f<g»i*T«K: SK « o«fh. JBIHmm-adlt Mer hm 2tama I« Bffti — 3M laatmftfn ataftrBgta TUbatt ■whiwOTnMMiMw»Mii»kkMMhhaMkii«kh«kkhiiM»mkMikiuikBMm»«w«M»»w>kWiMhkkiM«iiiiiiiiMiiMiiuiiikkkhMM«»«iimmMhiiiNMiM^^ FM vie unter dem Name» de« Verfasser« erschellwnven Artikel und die Der»tn«nochrtch»en Übernehmen mir nur dt» prrssegeseßliche Dm«wo«unh S. SoQra. Dezember 1931 Nr. 12 Der Prophet Jeremia. Don Rabbiner i. R. Dr. I o f e p hsohn, Breslau. Der Artikel „Geistige Höchstleistungen der Jugend" in der Neuen Breslauer Zeitung (zweite Beilage der Nummer vom 9. September) war geeignet, reges Interesse zu erwecken. Denn er zeigte, daß bei einer verhältnismäßig großen Zahl berühmter Männer die hohe Begabung schon frühzettig in die Erscheinung getreten ist und sie zu hervorragenden Leistungen befähigt hat, die nicht bloß die Bewunderung ihrer Zeitgenossen, sondern auch späterer Geschlechter erweckte. Eine Reihe von Koryphäen auf dem Gebiete der Künste und Wissenschaften zog so an unserem geistigen Auge vorüber. Es sei mir hier gestattet, dieser Galerie ausgezeichneter Männer noch den Propheten Jeremia hinzuzufügen. War er doch wohl der erste, det durch die Gnade Gottes schon in seiner Jugend-das Höchste zu leisten vermocht hat. Denn als >.r zu der erhabensten Aufgabe berufen wurde. die einem Sterblichen überhaupt zufallen kann, nämlich zur Prophetie, war er noch recht jung. Auf Grund einer Berechnung der über ihn vorliegenden Daten nimcht man an, daß er damals im 23. Lebensjahre stand. Seine Wirksamkeit erstreckte sich von 627 bis 586 der üblichen Zeitrechnung, also bis zu dem Jahre, in welchem die Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar. König von Babel, stattfand. Jeremia gehört zu den sogenannten schriststellernden Propheten, d. h. er hat die Reden, die er hielt, auch niederschreiben lassen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Es liegt in der Natur der Sache, daß er, vom Geiste Gottes erfüllt, sich zunächst an seine damaligen Volksgenossen im Lande Israel, unsere Borfahren, mit seinen Lehren und Ermahnungen wandte. Diese aber haben weit über die Schranken seines Landes und seiner Zeit hinaus in der ganzen Kulturwelt Widerhall gefunden. Noch jetzt werden Abschnitte aus dem Buche Jeremia in allen Synagogen auf dem ganzen Erdenrunde an Sabbathen und Festtagen zum Bortrag gebracht, noch jetzt wenden sowohl jüdische als auch christliche Geistliche gerne in ihren Predigten Stellen daraus an wegen der tiefen Gedanken und beseligenden Lehren, die dieselben enthalten. Die Reformatoren Luther und Calvin haben sich wissenschaftlich mit den Schriften des großen Propheten eingehend beschäftigt. Demgemäß werden heutzutage an den Universitäten, besonders in Deutschland, der Schweiz, Holland, England und Amerika, von Professoren Vorlesungen über ihn gehalten. Diese bedeutsame Tatsache ist ein Beweis dafür, daß das wahrhaft Gediegene sich durch seinen inneren Wert stets und überall, unabhängig von Zeit und Ort, Geltung zu verschaffen weiß. Ich führe nunmehr die Stelle aus Jeremia an, die uns geigt, daß er schon in jungen Jahren seine glorreiche Laufbahn als Verkünder des göttlichen Wortes und göttlichen Willens begonnen hat. „Reden Jeremia^, des Sohnes Hilkias, der zu den Priestern gehörte, die in Anathot im Gebiete Benjamins wohnten ... Es erging das Wort des Ewigen an mich also: Ehe ich dich im Mutterleibe bildete, habe ich dich ausersehen, und ehe du aus dem Mutterschoße hervorgingst, habe ich dich geweiht: zu einem Propheten der Völker habe ich dich bestimmt! _ Da sprach ich: Ach, Herr, o Gott! Ich verstehe ja nicht zu reden (der Sinn ist: Ich kann nicht in wohlgesetzter Rede Ansprachen an Fürsten und Völker halten, worin eine Hauptaufgabe des Propheten besteht), denn ich bin noch zu jung. Aber dev Ewige sprach zu mir: Sage nicht: Ich bin noch zu jung! Sondern zu allen, zu denen ich.dich senden« werde, sollst du gehen und alles, was ich dir auftragen werde, sollst du reden. Fürchte dich nicht vor ihnen, denn ich bin mit dir^ dich zu erretten! ist der Spruch d« Ewigen. Sodann streckte der Ewige seine Hand aus und berührte damit meinen Mund- Und der Ewige sprach zu mir:. Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund: siehe, ich bestelle dich heute.für die Dölkr und die Königreiche, auszuroden und einzureißen, zu vernichten und zu zerstören, zu bauen und zu pfanzen!" (Kap. 1, Vers 1 und Vers 4 bis 11.) j Breslauer Synagogen Aus der deiynächft erscheinenden „Geschichte der Juden.in Breslau" Van Dr. Reppner und B. Brilling. > I? Von 1100 bis 1433. . " j schon früh waren Juden nach Schlesien gekommen, und bereits vor den deutschen Kolonisten sind sie dort nachweisbar. Sie bildete» hier große und blühende Gemeinden, von'denen Breslau und Schweidnitz die größten im Mittelalter waren. Ihr religiöser Mittelpunkt war über all die Synagoge, die „Judenschul", wie sie bei den Nichtluden hieß, „das Haus der Versammlung" (Beth ha-Knesseth), wie die Juden sie nannten. Auch die alte und große Gemeinde Breslau besaß solche gemeindeeigene Gebäude, die durch das Gesetz geschützt waren: denn schon das Privileg des Breslauer Herzogs Heinrich TV., das dieser um 1271» den Juden seines Herzogtums erteilte, enthielt' den Passus, daß die B« schädigung der Synagogen und Friedhöfe durch Christen bestraft werden solle. Die ä l t e st e Synagoge der Breslauer Juden, die sogenannte „alte Judenschule", befand sich aus der U r s u I i n e r g a ss e , der ehe maligen Judengasse, in dem Eckhaus an der Schmiedebrücke. Die zweite Synagoge, die zu gleicher Zeit in•Breslau existierte und deren Notwendigkeit aus ein Anwachsen der Breslauer Gemeinde schließe» läßt, befand sich „im Hirsewinkel", d. i.~in der heutigen Röhrgasse (einer Nebengasse der Nikolaistraße zwischen der Neuen Well- und der Barbaragasse). Aber nicht lange sollten sich die Juden dieser „Schulen" erfreuen Ebensowenig wie man strotz des feierlichen Versprechens, ihn zu schützen» vor einer «chändung des Friedhofes zurückschreckte, ebensowenig scheute man sich nach den Judenverfolgungen des „schwarzen Todes", i. I. 1349. den mißhandelten und geplünderten Juden auch noch ihre Bethäuser zu entreißen. 1349 konfiszierte Karl IV. den Grundbesitz der Juden und schenkte ihn der Stadt Breslau. Die alte Judenschule in der Ursulineraasse gab et seinem Schreiber, dem späteren Bischof Johannes von Leitomischel. Als die Juden sich nach diesem Pogrom wieder in die Stadt hereiitwagten, kaust» der Iudenbischof- Jsaac (und seine Erben) die „alte Judenschul" wieder zurück: auch die andere Synagoge wurde wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt. . Die Gemeinde war.aber noch weiter gewachsen: Flüchtliüge aus anderen Gemeinden hatten den Zuzug so anschwellen lassen, daß nach eine dritte Synagoge eröffnet werden mußte.. —