Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 8 (1931)
- Issue
- 8 (8.1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8 i Breslauer Jüdisches Gemeindeblalk 1'1 preuß.scher Lan-esverbanö jüdischer Gemeinden. Amtlich. Die wirtschaftliche Notlage, von der immer weitere Kreise der jüdischen Bevölk. runa Deutschlands ersaht werden, beschönigt bereits seit langem die maßgeblichen Instanzen des Preußischen Landesverband«- jüdischer Gemeinden. Nruerdinas ist «in besonderes Dezernat für di« sozial-wirtschaftlichen fragen geschaffen worden, dem ein Sonderausschuß für WirtschaftSfragen beioeordiiet ist. In der ersten Sitzung standen insbesondere zwei Fragen zur Erörterung: der Aus au des jüdischen Darlehnskassenwesens in Deutschland und die Durchführung von Siedlungsbestrebungen. Dr. Kreuhberger berickNete über den derzeitigen Stand der jüdischen Darlehnskasienbewequnq in Deutschland. Er schüderte die verschiedenen Rechtsformen der Da, lehnstasten uüd befürwortete ein« genostenschaftsähnliche Grundlage. Es wurde übereinstimmend für dringend notwendig gehalten, das Darlehnstassenwesen weitestgehend auszubauen. Während zur Zeit nur in einigen größeren Gemeinden solch« Darlehnstasten bestehen, soll darauf hinqewjrkt werden, daß in allen größeren jüdischen Gemeinden neue Kasten errichtet und insbesondere da, wo dies möglich ist, di« totalen zu Bezirksdarlehnskassen ausgebaut werden, die den in kleinen Städten und auf dem Land« wohnenden Juden zugute kommen sollen. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat gemeinsam mil der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden eine Zentralstelle für Darlehnskaflen geschaffen. Er hat 10000 Mt. zinslos zur Verfügung gestellt, um das Kapital, das von den Darlehnskassen auf dem Kreditweqe ausgenommen wird, bezüglich der Zinshöhe zu verbilligen. Die Schaffung eine- Kapitalfonds ist ebenfalls bereits in Angriff genommen. Es wird mit Intensität darauf hingewirkt werden, durch die hereab« größerer Beträge zu erträglichen Bedingungen den Kreisen, denen di« Existenz durch Darlehen gestützt oder ausgebaut werden kann, zu helfen. Zur Kapitalbeschafsun, sollen alle in Betracht kommenden Hilfsquellen erfaßt werden, hierbei ist insbesondere an staatliche Stellen und jüdische Institutionen des Auslandes gedacht. Ferner soll die Frage geprüft werden, das Vermögen von jüdischen Gemeinden, Stiftungen und Organisationen durch die Zentralisierung an einer Stelle als Grundlage für di« Erlangung weiterer Gelder zum Ausbau des jüdischen Darlehnskassenwesennutzbar gemacht werden kann. Das zweite hauptlhema des Abends war die Stedlungsfrage. Herr Eöh vom Reichsbnnd für jüdisch« Siedlung schilderte die rechtlichen Grundlagen der Siedlungstätigkeit in Preußen sowie das numerische, politische und wirtschaitlich« Verhältnis der Juden in der Landwtr schast und Gärtneret zur Gesamtbevölkerung. Er legte die Gründe klar, aus denen Juden an den allgemeinen interkonfessionellen Siedlungsbestrebungen in Deutschland nur in einer begrenzten Zahl teilqenommen haben, und erläutert« im einzelnen Art, Umfang und Rentabilität der jüdischen Siedlungen. Professor Oppenheimer ergänzte diese Ausführungen. Der' jüdische Bevölkerungsrückgang in Deutschland mache eine stärker« Pnteilnahm« an den Stedlungsbestrebungen zur dringendsten Notwendigkeit. Durch den Anschluß jüdischer Handwerker an jüdische Siedlungen werde die Neubildung und Erhaltung jüdischer Lündgemetaden ermöglicht. Alsdann wurden die Möglichkeit und die Kosten der Ansiedlung von jüdischen Familien auf dem Lande und die Absatzmöglichkeiten landwirtschaftlicher Produkte eingehend erörtert. Durch einen Antrag bei der Berliner Jüdischen Gemeinde soll das dem Retchsbund für jüdisch« Siedlung zum Ankauf des Gutes Gruß-Gaglow gewährte Darlehn in eine Beteiligung bei der Jüdischen Landarbeit G.m.b.h. umgewandelt wsrden. Hierdurch dürfte di« Erlaüiung erheblicher staatlicher Mittel für den Ausbau des Siedlungswefkes gesichert werden können. Es wurde allgemein als sehr erfreulich empfunden, daß die Arbeit aus dem Stadium der rein theoretischen und allgemeinen Deba te herausgekommen ist und nunmehr ernsthaft Hilfsmaßnahmen in Angriff genommen werden. Reisesteuer Eine besonder» schöne Gepflogenheit ist unter den Mitgliedern de» Jüdischen Frauenbundes seil Jahren durch die verewigt« Henriette May «ingeführt: jede Frau, die sich durch eiste Reise Ausspannung und Freude ermöglichen kann, führt an den Jüdischen Frauenbund eine „Reisest e u e r" ab. Der aus diesen Beiträgen gebildete Fonds ist für Erholungsreisen für Frauen — besonders ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in jüdischsozialer Arbeit — bestimmt, d«e au» eigenen Mitteln nicht mehr reisen können. Anträge an den Reisesteuerst nd» werden ganz diskret behandelt. Rur die Verwalterin des Fond» und die Dundesvorfitzende nehmen davon Kenntnis. Wir möchten gerade zu Beginn des Sommer» auf diesen Fond» des Jüdischen Frauenbundes Hinweisen, damit ihm Spenden au» allen Gegenden Deutschlands zufließen. (Anträge für den Fond» sind zu richten an Frau gda Lvblenz in Düsseldorf, Heederstraße 88). Spenden sind mit dem Dermerk: „Für den Reisesteuerfonds des Jüdischen Frauenbundes" an Frau Jda Loblenz, Postscheckkonto Rr. 22 637, Postscheckamt Essen, zu richten. Den 75. Geburtstag feiert am 28. 8. 1931 Frätzlein Fansty Schüfftan, Schwerinstraße 60. Den 80. Geburtslag feiert am 15. September 1931 Frau! Rosa Schäfer geb. Steiner, Wallstraße 11, bei Lichtenstein. WMldr Dcrannfmamonacn öcr öunaQOQcnQcnutnOt Karten-Husgabe 1931 im Gemeinöehaufe, Wallstraße 9, von 9-13 Uhr Erneuerungs zelten: Umtausch der vorjährigen Karten. Zweiggottesdienste: Alter Ritus: .. - Saal der Hermann-Loge: 14. August. v Saal II des Turnvereins Vorwärts: 17. August. -• Neuer Ritus. Konzerthaus, großer Saal: vom 18. bis einschl. 21. August. Saal I des Turnvereins Vorwärts: 24. und 25. August. Im Kammermusiksaal findet dieses Jahr ein Gottesdienst nicht statt; an die bisherigen Platzinhaber erfolgt die Vermietung von Plätzen für andere Gottesdienste am 26. August. Die Platzpreise für dieSynagogen und die Zweiggottesdienste sind herabgesetzt worden. Weitere Ermäßigungen können daher nicht mehr gewäh-rt werden, die Stellung von diesbezüglichen Anträgen ist zwecklos. Um Innehaltung der vorgenannten Termine wird gebeten, da sonst keine Gewähr für Zuweisung des vorjährigen Platzes übernommen wird. Ueber Freikarten und Vergebung freigewordener Plätze siche besondere Bekanntmachung. Aufträge durch Fernsprecher können nicht ausgeführt werden. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Vormerkung auf Zuteilung freigeworüener Spnagogenplätze. Die Gemcindemitgliyder, die einen Platz in den Synagogen zu mieten wünschen, haben den im Gemeindebüro (Kartenausgabe), Wallstraße 9, erhältlichen vorgeschriebenen Vordruck bis zum 25. August 1931 umer Angabe, in welcher Preislage sie Plätze zu mieten wünschen, ausgefüllt einzureichen. Die Neuvermietung von Plätzen erfolgt genau nach dem Eingang der Meldung. Alle früher-en Anträge auf Zuteilung von Synagogenplätzen sind ungültig. Diejenigen, deren Gesuche in früheren Jahren nicht berücksichtigt werden konnten, müssen in diesem Jahre den Antrag erneuern. Wer der schriftlichen Aufforderung des Büros, zur Besprechung über die Zuteilung eines Platzes zu erscheinen, nicht Folge leistet, kann nicht berücksichtigt werden; es wird alsdann angenommen, daß der Betreffende seinen Antrag zurückzieht. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. I Fweiggottesülenste 1931. | 1 Anträge auf Freikarten sind bis zum D §j 31.August 1931 unter Angabe des NitUs schrift» Z 8 lich einzureichen. Antragsformulare sind im § 1 Büro (Kartenausqabe) zu haben. 1 | Wünsche für bestimmte Säle werden nach Möglich- § 1 feit berücksichtigt. 1 1 Ermäßigungsanträge werden nicht ent- Z § gegengenommen, da Plätze in allen Preislagen in ge- Z D nügender Anzahl vorhanden sind. D | Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. T i 1