Mannheim
Compact Memory

Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1930-10-01 · 10 (10.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
7 (1930)
Issue
10 (10.1930)
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3970005-7569523-7569672--1349-3971265
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

160 Breslauer Jüdische» Gemeiadeblakt Nr. 10 bei überbrcichie Herr Bezirtsrabbiner 2r. Wahrmann die Glückwünsche des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und des Verbandes der Sanazogengcmeinden der Provinz Niederzchlesien, dessen erster Vorsitzender, Herr. Gemeindeältester Waldstein, im letzten Augenblick am Erscheinen verhindert war. .Ferner sprachen Herr Georg Tockus nn Damen der Zynagogengemeinde Oels, der die steten nachbarfreundlichen Beziehungen zwischen diesen beiden Gemeinden besonders hervorhob, und Herr Ingenieur Wittenberg, Breslau, der die Glückwünsche und den Dank der Gäste übermittelte. Für die Gemeinde Grotz-Wartenberg bedeutet diese Feier einen wichtigen Markstein aus dem Weg« ihrer weiteren Entwicklung, für die auswärtigen Gäste wird sie eine angenehme Erinnerung sein, an einem echt jüdischen Volksfest teilgenommen zu haben, wie dies nur noch :n einer Kleingemeinde möglich ist. Weltverban- Schomre Schabbos, Gctsgrappe Breslau. Am Sonntag, den 28. September, veranstaltete im Gloriapalast die hiesige Ortsgruppe des 'Weltoerbandes Schomre Schabbos «ine Kundgebung. Die ideale Absicht war, die Idee des sabbaths in den Herzen der Juden wieder zur Geltung zu bringen. Herr Dr. Freyhan ero'inete die Versammlung mit warmen Worten und wies auf den Kongreß des Weltverbandes Schomre Schabbos in Berlin hin, bei dem Hunderte von jüdischen Delegierten aus aller Herren Länder Mittel und Wege gejucht haben, im Privatwie im Geschäftsleben di« Durchführung der Sabbathidee in die Wege zu leiten. Daraus eröffnete Herr Rabbiner Dr. Hofsmann den Reigen der Ansprachen. E/oerglich die Stellung des Sabbaths heute und einst, die Heiligung, die er noch vor hundert Jahren in weiten Kreisen der Judenheit genossen hatte, mit der Tatsache, daß heute nur noch ein Bruchteil jüdischer Menschen diw heilige Gesetz zu halten vermag. Er forderte, daß die Hütung des Sabbaths nicht nur für eine private Pflicht gehalten, sondern daß sie zugleich als soziale Ausgabe empfunden werde. Alle, ine an seiner Wahrung interessiert wären/sollten anderen Gelegenheit geben, die seil Jahrtausenden hochgehaltene, durch heilige Lieder verklärte Sabbathidee im Leben zu verwirklichen. Im Anschluß daran wies Herr Rabbiner Dr. Vogelst e i n auf die Bedeutung hin, die die Sabbathidee sür die getarnte Menschheit in sich trägt. Die Würde des Menschen ßei aus ihr zu folgern, denn mit ihr ist der Begriff der Arbeit genau so verknüpft, wie der Be-, griff der Ruh« als Aufgabe einer innigen Verbundenheit mit dem Ewigen und Unbedingten. Obgleich die Schwierigkeiten unverkennbar sind, die das praktische Leben der Verwirklichung der Idee! entgegenstellt, so ist es doch ein hohes Ziel, Leben, und Religion in Einklang zu bringen. Herr Prof. Lieben aus Prag nahm daraus das Wort zu denr Hauptreferat. Er nannte es „Sabbach in Rot". Der Gedanke des Sabbath, den Hermann Cohen als den Inbegriff der sozialen Ethik kennzeichnet«, ist mit der Idee der Sonntagsruhe in weite Kreise gedrungen. Je weiter jedoch der Gedanke der Sonntagsruhe dringt, desto mehr ist der Sabbath gefährdet. Die Intensivierung des Wirtschaftslebens .zwingt den einzelnen. auf den zweiten Ruhetag in der Woche zu verzichten. Der Kongreß der Schomre Schabbos hat verschiedene Mittel genannt^ die der Gefahr, welche dem Sabbathgedanken droht, abhetien sollen: Di« Regierungen müssen veranlaßt werden, die Gesetzgebung der Sonntagsruhe so zu regeln, wie in Holland und Frankreich. MaN hat ferner vorgeschlagen, Proüuktionsstätten zu gründen, die am Sabbath geschlossen sind und die Organisationen an ihre Pflicht gegenüber den sabbathhaltenden Äiden zu erin^rn. Wichtig wäre die^Durchsührung der amerikanischen Fünf-Arbeitstagewoche. Die Jugend mutz^ür den Sabbath gewonnen werden. Der Redner charakterisierte daraus) die Vorschläge der verschiedenen Länder zur Kalenderresorm, die eine besondere Gefahr -ür den Sabbath bedeutet. Im Anschluß daran verlas Herr Dr. Freyhan ein« Resolution gegen di« Kalenderresorm, unter die während der Pause eine Fülle von Unterschriften gesetzt wurden. Danach betonte Herr Rechtsanwalt Spitz die Würdigung des Sabbachgedankens innerhalb des Liberalismus und sprach sich für die unbedingte Solidarität der Juden aller Richtungen dem Sabbathgedanken gegenüber aus, für den früher viele ihr Lebien hingegeben haben. Rechtsanwalt Iacobsohn wies auf den ewigen tznlöslichen Zusammenhang zwischen dem heiligen Land, der Lehr« und Lfm Volke hin und zitierte in der heiligen Sprache das Wort Achad Haams: Noch mehr als die Juden den Slchbach bewahrt haben, hat der Sabhath di« Juden behütet. Siegmund Fraenkel fordere im Namen der jugendlichen Angestellten, daß alle Kreise sich an der sofortigen Lösung des Sabbathproblems beteiligen. Zum Schluß charakterisierte Frau Dr. R a b i n den Sabbath als Len Schöpfer der menschlichen und der jüdischen Persönlichkeit und erinnerte di« Mütter an ihre Ausgabe, ihre Kinder in einem Hause zu erziehen, das den Sabbathsrieden zu verwirklichen versteht. Da« jüüisch-theologische Seminar Fraenckeliche Stiftung zu Breslau, Wallstraße 14,! beginnt das Wintersemester 1930 31 am 31. Oktober 1830. Die Aufnahmeprüfungen finden am 28. und 30. Oktober 1830, vormittags 8 Uhr. ftfttt. Das Vorlesungsverzeichnis wird durch das Sekretariat übersandt. , "h S>c* 75. Geburtstag feiert am S. Aovember 18ZS Herr Solo G r ü n f t1 t>, Kaiser-Wilhelm- S trotze 176, früher langjähriger erster Vorsitzender de» Vorstandes der Synagogen-Gemeinde Deuthen O S. Den 75. Geburtstag feiert am 22. Oktober 1830 der Kllrfchnermeister Herr Adolf Großmann, Höfchenftrahe 7. Berichtigung. Herr Isidor Becker hat seinen 83. Geburtstag bereits im September gehabt. flmtllfl» vlkWUMl-WmUr .... Sondersitzung der Gemeindevertretung Donnerstag, den 30. Oktober 1930, 18'3 Uhr, Sitzungssaal, Wallstraße 9, 11. Tagesordnung: Antrag der Breslauer Zionistischen Bereinigung auf Aenderung des § 6 der Gemeindesatzung (Wahlalter) dahin, daß die Zahl 21 durch die Zahl 20 ersetzt wird. Der Borsitzende der Gemeindevertretung. P e i s e r, Iustizrat. Sitzung der Gemeindevertretung der Synagogen-Gemeinde Donnerstag, den 60. Oktober 1960» 19 U h r, Sitzungssaal, Wallstraße 9, 11. T a g c' s o r d n n n g : 1. Mitteilungen. ' I 2. Geschäftsordnung für die Gemeindevertretung. 6. Errichtung eines Montesfori-Kindergartcu im Jugendheim. 4. Kassentcvision (Bericht der Rechnungsprüfer). 5. Derwaltungsbcricht Geheime S i tz u » $ : 5 Vorlagen. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung. P c i s c r, Iustizrat. Spenden-Liste. ' Don nachstehend genannten Damen und Herren bczw. Firmen sind Spenden eingegangen: Lippmann Bloch.. 25.— RM. I . Bernhard Bruck, Kaufmann. 5.— j ’ Büchsensammlung „Neue Snnagogc". . . 515.96 „ ' Willi Falk.'. . V. . . . 100.— „ L. F. 10.— „ . Iustizrat Gumpert. 20.— „ Dr. med. Hirschberg, Altheidc. 20.— ,, Apotheker Ewald Iakubowski. 20.'— „ Sophie Kann .. 25.— „ . Laura Kreutzberger. ....*•. 10.— „ Nervenarzt Dr. Reinhold Kutner .... 22.— „ Löwenberg A. 20.— „ Adolf Pinkus. 20.— ,, Willi Reichmann . . . .!. 50.— „ Siegbert Sittenfeld (Sühnesache) .... 50.— ,. Apotheker Dr. Schwenk.ICO.— ,, Ida Weih. 20.— „ Ungenannt .. io.— „ Ungenannt . .. 60.— ,, Ungenannt .. 5.— „ Ungenannt Berlin.^.150.— „ Ungenannt 100 Pfund Fleisch Allen Spendern sei an dieser Stelle herzlichst gedankt! j Durch die Gewährung von Spenden seitens unserer Gemeindemitglieder werden wir in die Lage versetzt, der außerjvrdentlich großen Not in unserer Gemeinde, insbesondere der Des verarmten Mittelstandes, in größerem Umfang zu steuern, außerdem auch der Hausbettelei, mit der jetzt wieder ein arger Mißbrauch getrieben wird, einigermaßen Einhalt zu tun. Der Vorstand der Synagogengemeinde. Jüdisches Wohlfahrtsamt. 38772412

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.