Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 7 (7.1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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120 I rerlauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 7 Jüdischer Arbeituaach« »ei». Der Berttteterversammlung des jüdischer Arbeitsnachweises, die ani 24. April in den Geschäftsräumen Wallstraf e 23 stattfand, lag der im letzten Gemeindeblatt erschienene Tätigkeitsbei icht zugrunde, der von dem Borsitzenden, Herrn Reg.-Rat Dr. Marcus, und den Geschäftsführern, Herrn Samson und Frau Walk, ergänzt wu'de. Herr Preuß, als Dertreter des jüdischen Wohlfahrtsamtes, berich ete über die Arbeiten der produktive« Fürsorge, während Herr Kalis Her den Kassenbericht erstattete. Die Notwendigkeit erweiterter und intensiver Propaganda wurde von allen Seiten gefordert, insbesondere im Hinblick aus die Not der älteren Angestellten; andererseits ist infolge der Wirtschaftskrise in der Bekleidungsindustrie auch eine größere Anzahl jüngerer Angestellter zur Zeit erwerbsios. Unter Berücksichtigung der großen Gefahren einer längeren Erwerbslosigkeit junger Menschen gourde eine verstärkte Bermittlungstitigkeit für diese als außerordentuch dringend bezeichnet, vor allem aber erscheint es notwendig, die Berufsberatung schon in den oberen Schulklassen zu forcieren, da der Mängel an Lehrttngen es mit sich bringt, daß die jungen ins Leben tretenden Menschen ohne Rücksicht aus ihre besondere Eignung in Lehrstellen kommen, die für die Zukunft wenig erfolgversprechend find. Die Bermitslungstätigkeit in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres, die wir nachstehend veröffentlichen, läßt auf eine weitere erfolgreiche Tätigkeit des Arbeitsnachweises schließen. Die Frage eines gesonderten Arbeitsnachweises für sabbathfreie Stellen nahm einen großen! Teil der Diskussion in Anspruch. Es ist erfreulich, festzustellen, daß hierin eine Einigung der in frage kommenden Stellen inzwischen geschaffen worden ist, so daß die inheit des jüdischen ArbeitsnachweiswesenL in Breslau als vollzogen betrachtet werden kann. Statistik für die ersten 3.Monate 192 8. Monate Petenten Nettmeldungen Vermittlungen Januar 1988 Februar 1S2X März 1928 . 703 «73 631 110 75. 78 51 48 42 2027 263 Die Permittlungen verteilen sich wie folgt: Kaufmännische Angestellte, männl. ... - - weibl. .... Hausangestellte (Stützen. Kinderfrl., Gesellsch. etc.) . Handwerker/ männl. - weibl. Arbeiter, Arbeiterinnen, Aushilfen ., . . Freie Berufe. Lehrlinge, männl. , weibl. Wohnungen, möbl. Zimmer. 141 8 28 37 2 2 34 4 10 11 5 L 141 Vermittlungen. Der verein ehemaliger Ahlemer ifeierte Mine Juni 1928 sein sünfundzwpttzigjähriges Jubiläum durch eine Festsitzung in der Gartenbauschule in Ahlem. Direktor Albeck Silberberg, der Leiter der Anstalt, der die Bereinigung der Ehemaligen begründete und sie noch heute als.Vorsitzender leitet, wies einleitend atts die Tendenzen des Berbandes hin und gab gleichzeitig einen Ueberblick über das Erreichte sowie über die Zukunssspläne, die in ^en späteren Referaten im einzelnen näher dargelegt wurden.! Im Mittelpunkt der Tagung stand < in eingehendes Referat dep Domänendirektors Dyck, der zunächst nicht nur Herrn Direktor Eilbeii-!berg für seine Arbeit sür Ahlem und die Ahlemer im Laufe eine; Lierteljahrhunderts dankte, sondern der mch in wundervoller, tiefergreifender Weise der verstorbenen Gattin ^Silberbergs gedachte, die mit allen ehemaligen Ahlemer» weit über das Grab hinaus auf imme: verbunden ist. Worte des Gedenkens fand man dann für den Begründer Ahlemc, Konsul Simon, für die Männer, die heute nicht mehr unter.uns weiter, aber ebenfalls in der Anstalt ihr Lebenswerk sahen und schließlich für alle die Kameraden, die dem Verein im Lar je der fünfundzwanzig Jahre entrissen wurden. r Domänendirektor Dyck berichtete dattn über jüdische Siedlungsbestrebungen in Deutschland, eine Angelegenheit, die nicht nur sehr aktuell ist, sondern naturgemäß die Interessen Ahlems und der Ahlemer lebhaft berührt. j An das Referat knüpfte sich eine längere Aussprache, die ihre « Niederschlag in folgender Resolution fand: „Die Mitglieder des Vereins ehemasiger Ahlemer, die heute zu: 25. Generalversammlung in Ahlem versammelt sind, haben die verschiedensten Referate über die Möglichkeit der Ansiedlung jüdischer Landwirte mit Interesse entgegengenommen. Sie sind als Gärtner und Land - wirte an diesen Fragen brennettd interessiert, da in erster Linie ihr: eigene Zukunft und die Zukunft kommender Ahlemer Generatione i praktisch in Frage kommt. Sie bitten deshalb in dieser Entschließun j alle in Frage kommenden Verbände und Vereine, alle Versuch« in möglichstem Einvernehmen mit Ahlem durchzusühren, das seit beinahe einer i halben Jahrhundert durch Ausbildung von jüdischen Gärtnern und Land - wirten praktisch in der Agrarwirtschaft arbeitet.7 Diese Entschließung ist inzwischen an alle diejenigen jüdische > Zentralstellen geleitet worden, die augenblicklich das Siedlungsproblei r betreiben. Nachmittags sprach Friedhossinspektor Piepes-Breslau übe r jüdische Friedhossgärtnerei, ein Thema, dar die Mitglieder des V. E. 2. ebenfalls praktisch stark interessiert. Den Nachmittagsverhandlungen wohnte der zweite Vorsitzende des Vorstandes der Israelitischen Gartenbauschule, Iustizrat Dr. Wolfes sowie Herr Dr. Weih bei. Die Herren nahmen Gelegenheit, auch ihrerseits zu dem schwebenden Problem Stellung zu nehmen. Ein zwangloses Beisammensein der ehemaligen mit den augenblicklichen Schülern und Lehrlingen der Gartenbauschule schloß die gut besuchte Tagung, die wiederum Zeugnis ablegte von dem innigen Zusammenhang und dem herzlichen Einvernehmen, das zwischen der Leitung und den ehemaligen Schülern herrscht, die sich im Leben aus dem Gebiete der Bodenkultur bewähren. Ortsausschuß der Jüdischen Jugendverbände. Der Ortsausschuß der Jüdischen Iugendverbände", der in regelmäßiger Folge die jüdische Jugend Breslaus zur. Aussprache über allgemein interessierende jüdische Fragen zusammensühren will, veranstaltete am 28. April 1928 einen Vortragsabend mit dem Thema .Zentral- Verein und jüdische Jugend". Referenten waren Herr M ecklen b u rg aus Chemnitz und Herr Rechtsanwalt F o e r d e r. Herr Mecklenburg führte aus: Die Aufgabe des.Zentral-Vereins sei es, zu verhüten, daß die Errungenschaften der Emanzipation wieder verloren gingen. Wenn auch anzuerkennen sei, daß die Juden nicht nur eine Religionsgemeinschaft seien, so müsse doch gegen jegliche Bestrebung Front gemacht werden, die diese jüdische Wesensart als nationale oder oolkliche begreife und hiernach ihre Aufgabe« setze. Von diesem Gesichtspunkt aus müsse der j Zionismus energisch bekämpft werden, um so mehr, als er in seiner Kanjipsesweise rücksichtslos sei. Die Gegensätze, zwischen Zentral-Verein und Zionismus bzw. National-Iudentum seien unüberbrückbar, und eine; Unterstützung des Pro Palästina-Komitees oder des Keren Hajesiod käme nicht in Frage. Demgegenüber fversuchte Herr Rechtsanwalt Foerder, der als Erster das Wort ergriff, an Hand einer gelegentlich der Hauptversammlung des Zentrctl-Veiieins von der „Deutschjüdischen Jugend-Gemeinschaft" herausgegebenen Schrift und an'Hand des Heftes des Aelterenbundes .Kameraden" „Von züdischer Wirklichkeit", darzulegen, daß die Jugend den Standpunkt der Majorität des Zentral-Vereins ablehne. Jeglicher innerjüdische Kampf, insbesondere jede Anprangerung des jüdischen Gegners als schlechteren Patrioten, werde von der Jugend als unwürdig empfunden. Die Jugend kenne nicht mehr die Unterscheidungen wie etwa „Bolksgemeinde" und „Religionsgemeinde". Die früher geprägte» Begriffe „Volk" und „Nation" seien durch Entwicklung und Erlebnis überholt. In der Aussprache wurde von einem dem Zentral-Verein angehörigen Ausschußmitgliede darauf hingewiesen, daß bei aller Verschiedenheit in der legten Zielsetzung für die zu bewältigenden Ausgaben die Gegensätze nicht unüberbrückbar sind. Der Standpunkt Mecklenburgs würde vom überwiegenden Teile der jüdisch interessierten Jugend kaum verstanden. Die z i 0 n i st i s ch e n Sprecher waren bezüglich der Ueberbrückbarkeit der Gegensätze geteilter Ansicht. Die einen meinten, ihr Zionismus sei auch von der Foerder'schen Ansicht so himmelweit verschieden, daß über das Grundsätzliche eine Verständigung nicht möglich sei. Ein anderer zionistischer Diskussionsredner wies jedoch darauf hin, daß in der Auffassung jüdischen' Wesens und hen sich daraus ergebenden Aufgaben weitgehende Aehnlichkeit und Annäherung im Lause der Jahre mit den nichtzionistischen, aber pdsitio eingestellten Juden sich ergeben hätten. , j Dr. Martin Guttmann. verein „Freunde der laubskummen-Iedide Ilmim". In der Generalversammlung am 25. März 1928 erstattete der erste Vorsitzende, Herr Ludwig Ginsberg, den Vereinsbericht. Es wurde der verstorbenen Vertrauensleute gedacht und der Wunsch ausgesprochen, es möge uns beschieden sein,!wieder so tüchtige und treue Mitarbeiter zu gewinnen. Dankbar erwähnt wird die Unterstützung des Preuß. Landesverbandes jüd. Gemeinden und der Zentralwohlfahrtsstelle der , deutschen Juden. Bedauert!« sei, daß die außerordentliche Gehaltssteigerung der Beamten uns «nötigt hatte, die Lehrergehälter denen der Schwerhorigenlehrer gleichzustellen. Wir hoffen jedoch, mit Hilfe der J jüdischen Gemeinde Berlin und des Preuß. Landesverbandes, vielleicht auch mit Hilfe der Stadt Berlin, die Gehälter denen der gleichen Beamten- Kategorie des Staates anzugleichen. Für absolut unerläßlich hält Herr Salinger, daß jedes einzelne Vorstandsmitglied und jeder der Vertrauensleute Mitglieder wirbt. Darauf gab Herr Dr R s i ch den Anstaltsbericht. Er weift auf den jetzt versandten Bericht des Vereins und der Anstalt hin. Aus dem Kreise der Misglieder wurde durch Herrn Dr. G e i s e n - berg angeregt, für die Behandlung!verschiedener Kinder eine Höhensonne zu beschaffen. Die Herren: Btndheim, Fontheim, Rychwalski, Salinger erklärten sich sofort bereit, die Höhensonne zu stiften. Herr F r ä n k e l erstattete den Kassenbericht aus dem hervorgeht, daß ein Fehlbetrag von M. 38 650,— bleibt, der durch Sonder-Propaganda gedeckt werden muß. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder. und Revisoren wurden wiedergewählt und der Voranschlag . genehmigt. Der verein zur Förderung ritueller Speisehäuser E. v. in Hamburg. Dornbusch 4. verzeichnet in seinem Juni-Heft, alle rituell geführten Speisehäuser. Bezugsquellen für Lebensmittel, Konseroendepots und akad. Mensen nach dem neuesten Stande. Das Büchelchen ist sür die Reise unentbehrlich (Bors, des Ortsaussch. Breslau: Dr. W. Freyhan. Höfchenstraße 104).