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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-12-08 · 184 (8.12.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
184 (8.12.1922)
Date
1922-12-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE Srfchei»» itkn gftettef. ve,»g« Prrk« SO M. Z, »r-irtzr, M simtlich« Poßtmtrr «Irr Uik kca Bitmnlii t» 8m. VOM RHEIN Jüdisohes Volksblatt A«zrttze»P»rt»: SO M. HeSxSO mm IrtUt Zeile. Di« Seile »mf«ßt 54« Zeile». Postscheckkonto Voten »erll O.W.H.H.,««,«,. 74747. Horausgegeben von Tiabbiner Dr. Swil Lohn, Lonn. - Schrifilestung und Grschäfisstell«: Sonn, Brüdrrgasse 52. - Telefon 245». Nommtt 184 _KStrr, 8. Dezember 1982. —18 Kisl'ew 5683 | 4. Iahrgaug. Wahrheit und Wirklichkeit;Jur Frage von Schule und Haus. Unser Vater, barmherziger Vater, Allerbarmer, erbarme dich über uns und gib uns ins Herz, zu versirhcn und zu erkennen, zu höre», zu lernen und z» lehren, zu beobachten, zu üben und zu verwirklichen alle Worte deiner heiligen Lehre — in Liebe. Morgeugebet Ahawo robb». Verzweifelt steht der jüdische Lehrer vor seinen Schülern und will ihnen Jndenlüm beibringen: „Wollt ihr denn garnickt arbeiten, garnichls lernen? „Und dann sragt er, wenn er ehrlich ist, sich selbst: Liegt es vielleicht an mir, daß' ich so geringe Erfolge habe, daß die Kinder beim Hebräischen mit dreizehn Jahren noch stammeln, mit fünfzehn gerade ei» wenig übersehen können? Vielleicht ist die Stundenzahl zu gering, vielleicht ist die Methode falsch, diese Methode „schma — höre, jisrocl — Israel" grundverlehrt und veraltet? — Es handelt sich hier um nichts mehr und nicht weniger als de» ewigen Zwiespalt, oder richtiger, die Perwechslung von Wahrheit und Wirklichkeit. Wahrheit ist Erkenntnis und als solche lehrbar. Wirklichkeit ist die Wahrheit erst in dem Augenblick, wo sic gelebt tvird. Jüdische Wahrheiten könne» also wohl gelehrt oder, wie man sägt, beigebracht werden, jüdische Wirklichkeit, d. i. 'jüdisches Leben spottet allen Beibringens. Es ist also der tragische Widerspruch unseres Religionsunterrichts, daß er Wahrheiten für Wirklichkeiten ausgeben muß, als wenn die Kinder, die keine jüdische Wirklichkeit im Hause mehr kennen, auch nur um ein Titelchc» jüdischer würde», wenn sie —7 erstens, zweitens, drittens — die Glaubenssätze des Judentums aufsaqen und begründen können. Wachsen sie aber in warmer, blutvoller jüdischer Wirklichkeit ans, dann wird ihnen auch eine Unterweisung segensreich werden, die ihnen aus dem rohen Block des Lebens den tiefen Sinn dieses Lebens herauszumeißeln versteht. Es ist aber nicht nur die Qual jüdijchcr Lehrer, die wir damit bloßgelcgt haben, sondern auch jedes einzelnen Not, der sich aus dem Wege zwischen Wahrheit und Wirklichkeit, Erkenntnis und Leben, schon einmal mit seinem Judctttum abgcquält hat. Ganz wunderbar wirken da bie- Worte des morgendlichen Ayaworabbogebctes, mit ihrem inbrünstigen Anruf des göttlichen Erbarmens, wo cs gilt, das Herz in der Frühe des Tages zur heiligen Thora zu rüsten: „Unser Vater, barmherziger Vater, Allerbarmer, erbarme dich...!" Und worin soll das Erbarmen liegen? Taß er uns die Kraft ins Herz senke, von der Wahrheit zur Wirklichkeit zu dringe»! Tenn was bedeuten diese großen, sorgsam gesetzten Worte anderes: ..zu erkennen und zu verstehen, >das wäre-chie Wahrheit!, z» hören, zu lernen und zu lehren, sdas wäre die Willigkeit!, i» beobachten, zu üben und zu verwirklichen sund das erst wäre die Wirklichkeit!. All das aber, wie die Bitte schließt, „in Liebe" zu tun, all die Not und Qual, die darin liegt, daß man das Geistige verleiblichen, das Erkannte gestalten muß, liebevoll als letztlich erlösendes Lpfcr zu nehmen, bis endlich Leben wurde, was erst Wahrheit und dann williger Gehorsam war, all das durchzukämpfen ist nur möglich, wenn auch von oben Gottes erbarmungspolle Liebe hilft. Wer aber Erbarmen mit seinen Kinder» hat, der gebe ihnen in seinem jüdischen Hause jüdische Wirklichkeit inicht bloß Wahrheit!, der laste sie wachsen i» einer atmenden jüdischen Welt, er erspart ihnen viel Bitterkeit, Bruch und Haltlosigkeit und schenkt ihnen zum ziveitcnmal, was er ihnen schon einmal zeugend gab: — Das L c l>n_ Eniil Eohn. Gottesdienst Köln. Freitag, 8. Tez., abends 4,3« Uhr. Toiinabeud, 9. Tez., morgens 8,30 Uhr, Mincha 3 Uhr. Jugeudgoltesdienst 3 Uyr sRoonstraßc!. Sabbatansgang 5,14 Uhr. Wochentags: morgens 7,25 Uhr; abends Glockcngasse 4,3« Uhr; Roonstraße 7,30 Uhr. Barmizwa- 9. Dez.: Sohn von S. Fischer, Kl. Spitze 18 sSyuagoqc Glockcng.f, Sohn von S. Wolfs, Palmstraße 2« sSynagoge Glocfeng.j. 1«. Tez.: Sohn von K. David. Moltestr. 8 sSynagoge Roonstraße!, Sohn von M. Philipp, Klcingedcnkstr. 10 sSynagoge Roonstraße!. Kölner Nachrichten Am Montag, den 18. Tczember. abends ti,3» Uhr, siudel im Elilabeihsaal, Klappcrhof, eine von den Schüler» und Schülerinnen der Jawne, Realgymnasium und Lyzeum i» Entwicklung, veranstaltete Ehanukkahfeier statt. Mit dieser Veranstaltung tritt die junge, heule aus Klassen bestehende Schule erstmalig vor die breitere Leffcntlichkeit. Wir »lochten aus diesen Abend'besonders hintveisen lind aus ihn die Ausmerksamkeit und die Teilttahme all derer lenken, die einen Einblick in Art »nd Wesen der Schule z» gewinne» gesonnen sind. TaS abwechslungsreiche Programm jGcdichte »nd Vorträge in de» Sprache», die die Schule lehrt, Ehöre, Reigen. lebende Bilder und Theaierstückchen! verspricht einen genußreichen Abend. Möchte die Festlichkeit von allen »reise» und Schichten der Kölner Jkidenheii zahlreich besucht sein, damit auch der materielle Erfolg für die Schule, die schwer uni ihre Erisicnz, ihren Ausbau und ihre EniwicNung zu ringen hat, ein lohnender werde. Monlao, den 18. Tezembcr, veranstaltet im große» Saale der Bürgergesellschaft der Verein jüdischer Bürger Kölns um 3 Uhr eine Ehanukabcscherung mit Kinderfest. der am Abend ei» großer Gescllschastsball »achsölge» soll. Wir »lache» unsere Leser ans das Inserat dieser vielversprechende» Veranstaltiing ansnierksain. Am kommenden SamStag wird bei de» Poale-Zio» tsiehe Inserats Redakteur Neustadt aus Berlin über die Wahlen zum polnische» Tejm sprechen. Ter Redner war von de» dcnischeu Poale- Zion zu jene» Wahlen »ach Polen delegiert worden und ist mit reichem Material heimgckehri, das er Samstag znm erstenmal der Kölner Qessenilichkeil vorlegen tvird. Wir mache» auch ausmerksam, daß am Samstag, de» lt>. Tezember. i» den Räumen deS Kölner ArbeiterheimS Kol», Agrippastraße 3. eine Gcdenkseicr für den Begründer deS Poalc-ZionismuS Bär Bornchvw statisinden tvird. Mitteilungen des Bezirksverbandes der jüdischen Lugendvereine Westdeutschlands. L i e b e I r c n n d e! 1. Tic Anschrift deS Vereins Züspich ist jetzt: Ernst Bruch, Schumacherstrage. '' 2. Am 10. d. M. findet in Berlin eine Sitzung der Finanzkommission des Verbandes statt. Wir waren gebeten ivorden, durch eine Rundfrage bei de» Vereine» sesizustelle». welcher Beitrag für de» Verband im ersten Vierteljahr 1923 für möglich erachtet tvird. Wir habe», da das Schreiben, das wir am 2. erhielte», bis zum 4. erledigt sein mußte, erwidert, daß wir glaube», daß die Vereine einen Betrag von 15 bis 20 Mark ic Mitglied ansbringeu würden. Es kommt dann ei» Gesamtbetrag heraus, der kaum hinreicht, den lausenden Etat des Verbandes z» balanzieren. Wir mache» nun eine» weiteren Vorschlag: Wenn Ihr Ehanukkah feiert, denkt an Verband und B. V.! Benutzt die Gelegenheit und sammelt sür uns. Schickt u»S eine» augemesseuen Teil eurer Ucberschüsse! Sammelt einen Rotsonds iiir Eure» Verein »nd überweist auch davon Euren Verbänden! Es geht um Sein oder Nichtsein! Wen» Ihr andere Vorschläge habt, für den Verband z» sorgen, so teilt sie itiis mit! 3. Dringende Mahnung an die Kassenwarte: Sende« n»S nmgrhend den Beitrag f 10 M. je Mitglied, Postscheckkonto Köln Nr. 72 827, Rabb. Dr.' Klei». Tüsseldorss. 4. Jeder Verein müßte sich die „Psalmen", eilte Einführung von Tr. M. Spanier fBerli» 1922, E. VI. Schweischke n. Sohns anschasfen. 5. In Hilden sRhld.s tvurde ein Jngendderein für die Gemeinde» Hilde», Benrath, Lhligs. Laugenseld gegründet, der sich dem Verband anschließc» wird. Vorlänsigc Vldresse: Grete Steeg, Qhligs, Tüsseldorserstraße 35. Mit herzlichem Verbaydsgrnß! Rabbiner Tr. Klein-Tüsieldors, I. Vorsitzender. Hcinr. Simson-Iüsseldvrs-Gcrrcsheim, Geschäftsführer.

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