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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-10-20 · 177 (20.10.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
177 (20.10.1922)
Date
1922-10-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE «rschri»t Jckea gfttitaf. V»eiS SV M. «,„Uich. ZaHrztetze» k»rch stMltch« Psptmtre itn k»rch bea BaicmcrUg t» Bstn. VOM RHEIN Jüdisohes Volksblatt B»z«igr»pr«iO: 30 Bi. bitSxSO mm tttitc Zeile. Die Sette »»faßt 540 Zelle». Papschrckkaata Bataaaerlüg G.m. 74747 Herausgegeben von Rabbiner Dr. Smil Sohn, Bonn. - Schrifilellung und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergaffe SL. — Telefon 2958. Ksmvirr 177 Körn. SO. Oktober 1928. — 28 Gifchri 5688 4. Aahrgaag. OQO<XXDOOO<XXDOOGOOOe)OOOOOOOOOOOCDO<X)<XXX^ | Pate Amerika 1 8 Q:ne Anregung für den D. 3- G. B 8 Datz die Nol der Zeit nachgerade zum Himmel schreit, weih jeder, dag auch die jüdischen Gemeinden von dieser Not getroffen worden sind, ist denen nicht unbekannt, die durch ihre Beteiligung an der Gemeindeverwaltung einen Einblick in das Finanzwesen der Synagvgengememden gewonnen haben. Wenn man gar hört, datz die Logen einen „Kulturfonds" gegründet haben, dessen Erlrägnisse dem notleidenden jüdischen Lehrstande zuslieben sollen, so entnimmt man daraus mit Genugtuung, dast den geistig beweglicheren Kreisen des deutschen Judentums doch allmählich zu dämmern begann, wie nah und grost die Gefahr geworden ist. Können die Gemeinden nicht mehr ihre Lehrer bezahlen, verzichtet die Mittelgemeinbe auf ihren Rabbiner, die Kicingemeinde aus ihren Lehrer, so bedeutet das einen Niedergang de» deutschen Judentums, wie er durch Mischehe und Taufe nicht im entferntesten erreicht worden ist: den g e i st i g e n Untergang. Dabei mutz man wissen, daß das deutsche Judentum bis vor kurzem noch eine Art geistiger Vormachtstellung in der jüdischen Welt inne hatte. Das lag vor allem an zwei Dingen: erstens seiner unmittelbaren Nachbarschaft mit dem groben Reservoir des jüdischen Ostens, aus dem ihm in Gestalt seiner begabtesten Söhne ununterbrochen neue und urwüchsige jüdische Lebenskräfte zuflosfen. Deutschland war die Brücke zwischen Ost und West. Daneben aber besab es zweitens — im Gegensatz zu Polen-Rubland und noch mehr zu Amerika — uralte jüdische Traditionen, die es zur sprachlichen und also zur geistigen Heimat (Jiddisch ist Deutsch) der jüdischen Masse machten. Noch heute gilt die nicht wegzuleugnende Tatsache, datz neun Zehntel aller Juden deutsch sprechen. Diese Vormachtstellung ist heute beinahe gebrochen: wird sie ganz vollzogen sein, so ist das ein Stotz, von dem sich die Iudenheit der Welt nur schwer erholen wird. So hoffnungsreich die junge jüdische Millionenwelt Amerikas auch emporzublühcn beginnt, so fruchtbar die Keime des erwachenden Palästinas sich auch zur Sonne drängen, weder Palästina, noch Amerika, noch auch das völlig zerschlagene Ostjudentum können heule den Boden abgeben, von dem aus die grobe Saat des jüdischen Geistes befruchtend in die Welt geworfen wird. Palästina quält sich noch zu sehr mit sich selbst, Amerika hat zu junge und zu kapitalistische Traditionen, der zerschmetterte Osten scheidet vollends aus, in Deutschland allein vollzogen und vollziehen sich bi» heute in den jüdischeu Seelen die groben Kämpfe der Zeit in ihrer tiefsten Intensität. Das deutsche Judentum ist bedroht, weil seine materiellen Kräfte erlahmen. Hier ergeht der Vorschlag, für die gefährdeten deutschen Gemeinden, die Grobgemeinden mit ihren segensreichen Institutionen ebenso wie die Kleingemeinden mit den Besoldungssorgen ihrer Lehrer, die Patenschaft des jüdischen Amerikas anzurusen. Wie wir deutschen Gemeinden ukrainische Waisen als Patenkinder angenommen haben, sollen, fall« man drüben Verständnis für unsere verzweifelte Lage findet, über dar reiche Judentum überm Ozean deutsche Synagogengemeinden als Patenkinder ausgeteilt werben, dergestalt, dotz die Grotzgemeinde drüben der Prvbgemeinde hüben, und di» Kleingemeinde drüben der Kleingemeinde hüben über den schweren Augenblick, der unsere Kranken- und Waisenhäuser, unsere Schulen und Lehrer bedroht, hinweghelfen. E, ist zwar keine ukrainische Hungcrsnol, die es zu beheben gilt, aber eine Not ist es immerhin und es ist zum guten Teile eine geistige Not, bekifft also nicht nur Juden, sondern auch Judentum. Die heilige Thora ist in Gefahr, bei uns zu verwaisen, wer erbarmt sich in der Welt dieses Waisenkindes? Die Sache ist einfach, aber sie mübte organisiert werden. Der Deulschisraelilische Gemeindedund ist die gegebene Stelle, hier zu vermitteln. E, handelt sich nicht um einen Bettelgriff nach dem Dollar ober einen Schmeichelbrief an den lieben Onkel in Amerika, der bezahlen soll, wo» wir nicht bezahlen wollen. Die Landgemeinden, die sich, zumal hier im Westen, vielfach in unverantwortlicher Weise um , ihre simpelsten materiellen Pflichten dem Lehrer gegenüber drücken, sollen nicht meinen, all ihre Sorgen nunmehr auf ander» abschieben zu können. Ein solche» Werk, soll e» grvbzügig in die Wege geleitet werden, bedarf in allerersler Linie der — Würde. 8» müssen der deutschen und durch sie der amerikanischen Zentralstelle die Beweis« geliefert werden, datz das äuberste an Mitteln diesseits ausgebracht wurde, ehe man rin Anrecht aus eine Patenschaft drüben erwirbt. Das ganze Hllfswert aber sei zunächst aus ein Jahr gedacht. Es erscheint mir aussichtsreich, weil die erforderlichen Mittel im Verhältnis zu dem Werke des Joint z. B. nur sehr geringfügig sein würden. Vielleicht findet sich in Berlin oder sonstwo der zielbewubte Kopf, der das, was hier ein zwar geschäftsunkundiger, aber durchaus nicht lebensfremder Idealist sich ausgeheckt hat, zur Tat und Wirtlichkeit macht. Unsere Pflicht ist mit diesen Zeilen erfüllt, die nichts als eine Anregung sein sollen und ihre Begründung in dem diesmal recht wörtlich zu nehmenden Wahlspruch des weisen Königs finden: „Sende dein Brot übers Wasier, vielleicht kommt dirs nach vielen Tagen wieder" (Prediger 11, 1). Emil Lohn. Mitteilungen des Bezirlsverbandes der jüdischen Zugendvereine Westdeutschlands. Liebe Freunde! 1. Wir erinnern die Vorstandsmitglieder des B. V, an die Borstandssitzung am 22. Oftober, nachm. 3 Uhr, im Jugendheim zu Diisieldorf. Es ist die letzte Sitzung vor der Dclegiertentagung! - -2. Zur Dclegiertentagung: Am 23. d. M. ist der Termin für di« Anmeldung der Delegierten und Gäste abgelaufen. Wir müsien diesmal unbedingt aus pünftliche Einsendung bestehen. — Unsre Aachener Freunde können bei den heutigen Verhältnissen unmöglich alle Kosten der Tagung bestreiten. Wir bitten deshalb die Vereine und Freunde um Beiträgt, die wir recht bald an den Unterzeichneten einzusenden ersuchen. 3. Reu angemeldet ist der Verein Sötern-Bosen (Adr. Lehrer I. Simon, Sötern sHunsrückj). 4. Der Landesverband Pfalz ladet uns zu seiner 4. ord. Delegiertentagung am 22. d. M., 9.30 Uhr, im Brauhauskellcr zu Frankenthal Den Bericht erstattet der Vorsitzende Paul Eppstein: es sprechen outzerdem Siegm. Stahl-Saarbrücken (Winterarbeit), Dr. Kurt Neu-Berlin und Dr. Gust. Lösslcr-Frankfurt a. M. Anmeldung von Gästen an Frau Alice Horwitz, Frankenthal, Schnurgasse 22. Mit herzlichem Verbandsgrub! Rabbiner Dr. Klein-Düsieldorf. Oer Vereinsbote Aachen. Verein der jüdischen Jugend. Anschr.: stud. ing. Paul Kaufmann, Eilfschornsteinstr. 27. Dienstag den 24. Oktober, abends 8.30 Uhr, im Gemeindezimmcr neben der Synagoge: Vorkag der Herrn Kantor Stiebel: „Lewandowski und Sulzer, zwei Meister der synagogalen Musik. Vorher Wahlen zur Dclegiertentagung, die am 3.. 4. und 5. November hier stattsinden wird. — Dienstag den 31. Oktober im Burtscheider Kurhau», abends 8 Uhr: Simchas-Tauroh-B-ll unter Mitwirkung namhafter Solisten. Düsseldorf. | Jüdischer Iugendverem Ade.: Wända Fia'iiken. Hrrzegstraße 50 I Freilag den 20. Oft., abends 8.30 Uhr: Freitag-Abendseier mit Bewirtung. — Dienstag den 24. Oft., abends 8.30 Uhr: Heimabend. Besprechung über die Dclegiertentagung in Aachen, Wohl der Delegierten. — Freitag den 27. Oft.: Freitag-Abendseier mit Bewirtung. — Samstag den 28. Oft., abends 8 Uhr, in der Aula der Mädchen- Mittelschule, Oststrabe 47: Rezitationsabcnd des Schauspielers Willy Buchdoff vom Staaistheater Wiesbaden (früher Schauspielhaus Düsseldorf). Programme, welche zum Eintritt berechtigen, sind im Heim am Freitag abend und Dienstag abend, sowie bei Frl. Plaat, Hllttenstrabe 52, und Frl. Eilberstein, Bunscnslratzc 4. zum Preise von 40 M. erhältlich.

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