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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-09-29 · 174 (29.9.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
174 (29.9.1922)
Date
1922-09-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE Erschein» jede» Krritag. vri»,t Preis IS M. «ouaUich. Za »ezietze« darsämtliche Postimtr» »der bant de» Vrreaarrlai t» Bonn VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt «■«tidtMrtU: 80 M die 3x80 mm breite Zeile. Die Seite »«satt 540 ZeUe». P,sische«1»»to v»t»aerrla> S.». b. H.,2Il»Nr.74747. Herausgeaebrn von Rabbiner I>r. Gtttil (lohn, Sonn. — Gchrifilelkung und Geschäftsstelle: Sonn, Lrüdergaffe »r. — Telefon 295». Kuuimrr 174 Köln. 29. September 1922. — 7 Uischri V683 4. Jahrgang. 00000003000000000000000CX30<^^ | Oie Welt des Jom Kippur Jedes Fest unseres jüdischen Jahres hat seine Stimmung, der Vcrsöhnungstag aber ist eine Welt für sich, und diese Welt hat nicht nur ihre Stimmung allein, sondern sie atmet und lebt in dieser Stimmung, die abends, morgens und wieder abends durch verschiedene Wandlungen geht. Kel nidre ist ganz etwas anderes als Ncilek, und die Awauoo in der Mitte des Tags steht wieder für sich allein, so datz es schwer ist, die Jom Kippurstimmung, dieses unnennbar Geheimnisvolle, sestzuhalten und in Worte, oder Melodien oder Berse zu bannen. Jom Kippur ist das ganze lciddurchtränlte, blutdurchleuchtete jüdische Jahr im Bannkreis eines einzigen Tages der Kasteiung und Butze. Lange suchte ich, meinen Lesern das Wort zu finden, datz es ihre Gefühle in dieser Stunde löse. Ich fand keines, das auch nur annähernd die ganze Jom Kippurstimmung so wiederzugcben vermöchte, wie die nachfolgenden, noch unbekannten Zeilen des jüdischen Dichters David Pinski, die ich mir deshalb leihe, um das zu sagen, was ich selbst empfinde und es besser zu sagen, als ich cs selbst vermöchte. Ich bin des Beifalls, vielleicht sogar der Ergriffenheit mei- -ner Leser gcwitz, die mehr ist, als aller Beifall. Alle aber, die, wenn sie die folgende Schilderung lasen, mir beipflichten, datz dies die Welt des Jom Kippur und zwar die ganze Welt in wenigen Zeilen, grütze ich heute mit dem innigen Wunsche, dieser Welt teilhast zu werden in einer G e m a r' chassimohtauwoh. EmilEohn. - Oas Kind Von David P i n s f i. Autorisierte Ucbcrsetzung aus dem Jüdischen von Hermann B l u in c n t t> a l. Die Mutter erklärte ihr am Vcrsöhnungstagc wiederholt, datz sie zum Fasten zu jung sei und bczeichnetv ihr einige Stellen im Gebetbuch, die sie hcrsagen sollte. Sic liefe ihr Weitzbrot mit Huhn, Aepfel, Weintrauben und ein Stückchen Kuchen zurück und ging in die Synagoge. Die Kleine blieb allein zurück und ihr war sehr traurig Zumute. Traurig und einsam sah cs auch in der Stube und auf der Gaste aus. Furcht und Zittern schienen in der Luft zu liegen, als halte die Welt den Atem an und warte voll banger Sorge auf den Richterspruch .... Das geöffnete Bett mit den Polstern, auf denen die Abdrücke der Köpfe deutlich zu erkennen waren, das aufgeräumte Zimmer, die müde brennende Wachskerze — zum Gedächtnis der Verstorbenen angczündct —, die von Zeit zu Zeit prastelte, als würden die Tränen, die bei ihrem Entzünden geflossen waren, auf sic nicdertropfcn, die Fensterscheiben, durch die ein trüber, bewölkter Tag hereinblickte, gleichsam die tränenden Augen der Stube — all das drückte tiefe Schwermut, verzweifeltes Warten aus und auf allem lag eine unendliche Traurigkeit. Es bedrückte ihr junges Herz und sie verspürte Lust, zu weinen. Ihr war, als'bereitete sich ein grobes Unglück vor, und es drängte sie, zu fasten, um Gott zu versöhnen, datz er alles Böse abwendc. Die Kleine öffnete das Gebetbuch dort, wo die Mutter den ersten Einbug gemacht hatte, und begann zu beten. Die unbekannte Worte blickten sic fremd und strenge an und ängstigten sie . . . Doch das sind ja dicsewen Worte, die das Herz Gottes erweichen und sie und ihre Mutter und die Brüder vor jeder Gefahr schützen können. So betete sic mit tränencrstickter Stimme und begann heftig zu weinen. Sic weinte herzzerrcitzcnd, als sei sic von einem grotzcn Unglück niedergedrückt. Die Tränen slostcn ihr in den Mund, datz sic kaum atmen konnte, aber sic betete unausgesetzt, obzwar sie mit den verweinten Augen die Buchstaben kaum unterscheiden konnte. So betete sic sleitzig, fleitzig; schon ist die erste bczeichncte Stelle hcrgesagt — die zweite und die dritte. Erst später, viel später, als sie sich durch das viele 'Beinen erleichtert fühlte, erinnerte sie sich an die guten Sachen, die die Mutter ihr zurückgclasten hatte. Da stellte sie sich zum Tisch hin, um sic in der Nähe anzusehen — nur um sic anzusehen. Mitteilungen des Bezirksverbandes J der jüdischen Iugendvereine Westdeutschlands ' Liebe Freunde! t. Neu angcmeldcl ist der J.8.V. Selters lWesterwaldl. Adr.: Siegfried Michel. , .. Bon der Porstandssitzuqg des Verbandes in Berlin am 17.' d M. wurden folgende Beschlüsse fltfdiit: a) „Die Verdandsleitung wird beaustragl, im Ifindiimi mit den Vorständen der Landesverbände diejenigen Vereine sestzustcllen, die trosz energischer und den örtlichen Verhältnisse» entsprechender Anmabnung de» ideelle» und materiellen Verpflichtungen gegenüber dem Verbände nicht Nachkommen und gegen diese Vereine das Atisschlulzvcr- (obren gemätz S l!i der Verbandssalzungcn ein»,leiten. Den Vereinen 'wird zur Pslicht gemacht, gegenüber Sinzclmitglieder» in entsprechender Weise zu verfahren." v l>) „Die Nasscnvcrwaltung des Verbandes wird zu Uurt Zacharias nach Bremen verlegt und batfolgende Adresse: Bremen, Fabrseid li!!. Nähere Mitteilungen ersolgen schnellstens. Vorläujig sind die Gelder weiter nach Berlin zu senden,"!i. Die Absendung der Rednerliste bat sich durch die Feiertage und einige notwendig gewordene Aenderungcn verzögert. Die Vereine werden sie bald in Händen baden. •t. Wir rufen allen Freunden „Gcmar chasslmo lauwo" zu. Mit berzlichcni Verbandsgrufz! Rabbiner Dr. Kleln-Düsseldorf. Oer Vereinsbotf Brühl. Hkd. Jugenbbund. Adr. Frl.'H. Kappel, Böningergasse ü. Hiermit laden wir alle Jugendbündc der Umgegend zu dem am Samstag, den 7. Oktober, staltsindendcn Cimchas-Tbora-Ball im Hotel Belvedere, direkt am Schlaf,park, ein. Beginn 7 Ubr abends, Snbe 5 Ubr morgens. Grofze Uederraschungen. Odcndalschcs Ballorchcstcr. Da die Beteiligung sebr grvf, sein wird, bitten wir um vorherige Tisch blstcllungcn an Herrn Adolf Brünell. Brühl, Wallstr. 70.

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