Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 169 (25.8.1922)
- Date
- 1922-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHER BOTE «rtiftttat tOta Frei tag. v»,»,« Preis 15 W. m»»«Uich. Z» ltgttl)ta 5bk» kimilich« Pistdmrr rtci d»e« de» BDtcasertai U V»n» VOM RHEIN JüdisolieB Voiksbiatt Auzeigruverto:15 M ktc3*30 mm breite Zeile. Dt« Seite »«faßt 510 Zette». Pvftfcheckkv»»» v»»e»- »eri«, G.m.v.H.,Löl«Rr. 74747 Herausgegeden von Rabbiner 1»r. tfrail Lohn, Sonn. — Echristleltung und Geschäftsstelle: Sonn, Srüdercaffe zr. — Telefon 295«. itammer IG‘.) ^ÖL'n. 25. August 1922. J Glut 6682 4. FayrglMA. Llkraine-Hilfswerk! 10. Ependenauswei». Lachen: Paul Stiel 250. Beuel: Hermann Herz 200. Brühl: Anläßlich des Festmahls bei Paul Ingber, Brühl gesammelt , durch Hugo Bernstein 680. Cleve: Henriette Jonas 50. Crescld: M. Herbst 50. Düsselbors: I. Mahler IVO, Miedzwinski 50. Elberfeld: Dr. Bernstein 560, Herzberg 75. Emmerich: Lilienscld 50. Gr. Boslar: Jakob Hertz 100. Köln: Cappel 200, Dannenberg 100, Groonheim 200, Horn 1000, L. Kurz 150, Echesier 500, Verein Lew-Tow 2500, Alb. Mols 50, H. Wolsf 400. Mayen: I. Hirsch 100. Meckenheim: N. N. 400. M.-Gladdach: Carl Hamburger 5Ü0. Pirmasens: Carl Beer 100, Sammlung Freund: Bär 500, Dreifuß 200, Eigner 200, Heymann 100, Mohr 100, N. N. 200, Seligmonn 100, Skatk ub 100. Schlangen: Mai Levy 100. Schweich: Fatz 100, Cmmy, Leo u. Solomon Kahn 300. Wirtlich: Jos. Dublon-100, N. E. 100. Insgesamt ringegangen M 10 515.— 1.—9. Spendenausweir M. 140 965.—_ Insgesamt ringegangen M. 151 480.— Oie Sammlung wird fortgesetzt! Geldspenden sind, zu richten aal da» Postscheck-Konto „Boten Verlag S. m b. H. in Köln", Amt Köln Re. 74 747, mit dem Vermerk: „Ukraine-Silfewtrk" TauuciDQaoGDnooonacxiDDQ^ \J Oer jüdische Advent! Bon Rabbiner Dr. Samuel (Esten). Der Monat Elul bringt gar manches Abschiednehmen, aber ein Signal höherer Botschast tönt in ihn hinein. Abschied nehmen wir von den wunderbaren Ossenbarungen Gottes draußen in der Natur. Noch webt und slimmert es um uns her, die Sonne lätzt ihre Kinder in ernsteren, maltgetönten Farben erglühen, und dustlos verhauchen sie ihr Dasein in den länger werdenden Abend hinein. Es will Herbst werden: „die Blume verblüht, die Frucht mutz treiben." Und Abschied nehmen wir von den geistigen Ossenbarungen desselben Gottes, die er uns Sabbat für Sabbat in seiner Thora spendet. Das fünfte und letzte Buch Moses liegt vor uns aufgeschlagen. Wir verlosten es zwar nur, um sogleich mit gesteigertem Intereste zu ihm zurückzukehren. Aber wer könnte Moses Abschiedrreden ohne Ergrtsscnheit vernehmen, da seine Stimme so herzondringend weich geworden, die einst so herb und herrisch klang. Mose weih, datz dir junge, vorwärtsstürmende Nation in eine Welt von Gefahren sich stürzt, und nur mit äußerster Krastanstrengung mitten in einer fremdartigen Umgebung ihr Eigene» behaupten und entwickeln wird. Nie ist seine Rede schmuckloser und zugleich wirkungsvoller: er nimmt immer neue Anläufe, als wollte er sich vergewistern, daß er das Ohr leine» Volke» besitzt: Höre Israel! Hier geschieht es auch, daß er öfters, wie ungewollt, seine Kernlorderungen mit fast denselben Worten wiederholt: „Den Ewigen sollt ihr fürchten, in seinen Wegen wandeln, bei seinem Namen schwören: ihm sollt ihr dienen, ihm allein anhangen!" Dienen und anhangrn! Da» ist die höhere Botschast de, Monat» Elul, desselben,, der uns zu den ehrfurchtgebietrnden Tagen hinüberleitel. Gott sollen wir dienen. Müsten wir nicht vor allem der Welt dienen? Müsten wir uns nicht an die Forderungen des Tages, ja der Stunde hingeben, an das Dasein verlieren, wenn wir es behaupten wollen? Wer kann denn heute noch bestehen, wo die Anforderungen an uns sich so rasend vermehrt haben: wer kann mit seiner Energie sparen, wenn er dem Leben gewachsen sein will? Der sich rastlos tummelt, glaubt Lob zu verdienen, will pf.ichteisrig, tüchtig, slcißig benannt werden. Haben wir auch bedacht, ob wir dies alles freiwillig tun, ohne Zwang, ohne Frondienst? Läßt uns der Treiber, das Wellleben, überhaupt zur Besinnung kommen? Und wir nennen uns fleißig? Wenn man erst an die Kette gewöhnt ist. läuft man in immer flotterem Trab seinen Kreis ad. Aber zum Atemholen kommt man nicht, höchstens zu Seufzern, wie das Brot sich verteuert, ein Anzug unerschwinglich geworben. E i n g a n z ungewohnter, edlerer Fleiß aber wäre es, mit Macht die Trägheit des Herzens zu brechen, die Stumpfheit der höheren Empfindungen zu überwinden. Wir sollten gerade einmal stillehaiten, wieder seiern und uns aufzuschwingen lernen, um nicht ganz dem andern- Menschendasein verloren zu gehen, sür das wir doch auch befähigt, ja vorzüglich bestimmt sind. Gott dienen — wer versteht bas heute noch? Wir haben cs vorlresslich verstanden, und ohne die leiseste Spur einer Organisation erreicht, gegen das Gotteshaus zu streiten, ja ihm sörmlich Obstruktion zu machen. Wer nimmt den Gegenstreik aus und zeigt, daß er nicht nur die kalte Stundenzeit seines Büros," seines Komptors , seines Bahnhofs kennt sondern den warmen Stundenruf: Gekommen ist die Zeit, das Schma zu beten: Höre Israel! Doch wie? Sollte vielleicht die Tochterrcligivn des Judentums Recht behalten mit ihrem Pointen Satze. Niemand kann zwei Herren dienen, Gott und dem Mammon? Sogar sehr Recht: wenn nämlich dieser Mammon unser 2. und das heißt unser 1. Gott ist. Das Judentum glaubt nicht, daß dem so sein müsse. Der Welt dienen, heißt ihm noch lange nicht, ihr untertan werden, und den schnöden Mammon sich zum Herrn sehen. Unsere Religion ruft uns zu freudiger Dienstleistung an Weib und Kind, an Haus und Vermögen; sie nennt auch dieses Dienen „owod", ebenso wie den Dienst Gottes. Aber sie liefert uns nicht dem Wellleben aus, sondern sordert, daß wir auch durch unsern Fleiß Gottdienen lernen, mit vollem, klaren Bewußtsein. Dazu hält sie sür nötig, uns immer wieder zu Gott zu rusen, seine Weisungen zu vernehmen und so den einen Dienst durch den andern zu adeln. Nur solche Arbeit bringt Hochgewinn, die aus göttlichem Auftrag stießt: und der Gottesdienst bringt Frucht, der hinaus ins tägliche Leben wirkt. Wenn wir Gott von unferm Weltleben nur jene Spende weihen, die er bescheidentlich sordert. wenn wir auch nur den Ucberschuß an Zeit und Kraft dem Gemeinsinn, an Geld und Gut der Mildtätigkeit weihen, dann dü^cn wir uns getrösten, Gott zu dienen. (Schluß folgt.» Kötner Nachrichten -litt r'.rgangene» SanUrvg fand int ^nrKiiMk-ii’t K5 lHabn,, Nies,'.-Vereins die geiisiii»icr»ng eines Waad -^lm ui 'ii'ln fm. Ter Waad-Ibri macht sich zitr Ausgabe, alle Schrine zu nnieineh nren, die zur Förderung nnd Verbreitung der lebendigen liebräiich.-» Sprache dienen. T.n^n gehört in erst.r :>!eihe die 2 .liim'liiiia derer, die ler.iiS die hebräische Sprache in Wort ittid Schritt beherrsche». — Allwöchentlich stnde» Fusainiiientnniie im Fiige»dheun ein SrntSiagalend stau, wobei Vorlesiingen ans der allen unp modernen hebräischen ititeratnr gehalten wcrd.». — Es ist deabsichngi, die hebräische Presse z» bestellen, lim deren Erkläre alle» zugänglich z» »tache». —Auch an die Griindiing einer hebräischen Bücherei ist gedacht. — Tesiveileren iollen »nrse jür Fortgeschrittene cingerichlei werde», »in den greis der Hebräisch-Sprechetiden zit verniehren. Eine hebräische Sprachschitlc sür »linder soll aitch das Heranwachsende Grschechl mit dem Gebrauch nuserer Sprache bekannt machen. F» d.n vorlänsigc» Waad wurden gewählt: Herr S. Nürnberg als Vorsitzender und dessen Bruder als Siellocrireier, attßerdcm Fräulein OJlnn sowie die Herren Tr. srcilcheiu'eld, Apsil und Abr. Reinhardt. Zur »lüiidlichcn nnd schriftlichen Auskunft ist Herr Abr. Reinharhi. Tasielstraße ti7 gern bcr.ii.