Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 159 (16.6.1922)
- Date
- 1922-06-16
- Page
- Seite 189 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Oie Boientasche | Eine sonderbare Rechtfertigung. Als nach der Sünde hes goldenen Kalbes der göttliche Zorn gegen Israel unversöhnlich schien, erinnerte , Mose bei seiner Beschwörung desselben in seinem Gebete daran, daß Israel vor kurzem erst aus Aegypten gej gangen sei.') '! Mose, hatte seinen Grund dazu. x I Denke dir einen Reichen, der auf den Markt geht,; um einen Knecht zu kaufen; wie es damals in Rom Gebrauch war, auf dem einem jeden angehängten Zettel liest er die Fehler und die guten Eigenschaften eines jeden.') Er bleibt bei einem, von seinem Zettel sehr wenig Empsohlenen stehen. Der Eigentümer dieses Sklaven, ehe er ihn dem neuen Käufer abtritt, erklärt feierlich dessen Fehler. Aber der neue Käufer beteuert, daß er sich darum nicht lummere.und führt ihn nach Hause. Der arme Knecht macht durch seine Übeln Gewöhnheilen dem Herrn Verdruß und Aerger. Dieser erzürnt sich, plaht heraus, schlägt ihn blutig und droht ihm den Tod. Der Diener schreit über Ungerechtigkeit. „Ungerechtigkeit?" Sagt der Eigentümer. „Aber du hast ja das und jenes getan, und habe ich nicht recht mich zu erzürnen?" „Nein, mein Herr, als ihr mich kauftet, hat man euch von meinen Fehlern in Kenntnis gesetzt; und ihr habt erklärt, daß ich euch so wie ich war genüge. Ihr wußtet ■. also, und müßt mich ertragen." I So war Israel ein schlechter Knecht, gewöhnt an die ägyptischen Irrtümer und Götzendienereien. Als Gott' es zu seinem Volke erwählte, wußte er alles, und konnte besten Ausschreitungen erwarten. Darum erinnert Mose, daß Israel eben aus Aegypten gegangen war. Rabboth S. 158 a. ') 2. Buch Mose, Kap. 32, V. II. *) Es wurden auf einem Zettel die Eigenschaften des Sklaven angegeben. Aus französisch. Der junge Herr Salo Fisch! will zum ersten Male nach Paris reisen; er kann indes ein gewistes Bedenken nicht überwinden, da ihm der Gebrauch der Landessprache nicht sonderlich geläufig ist. Ein Bekannter beruhigt ihn über diesen Punkt: „Sie können garnicht in Verlegenheit kommen, Herr Fischl, wenn Sie nur ein paar Worte wisten, kommen Sie schon durch; die Franzosen sind ja so höflich, die geben Ihnen dann schon allen Bescheid." „Also wie soll ich zum Beispiel sagen, wenn ich nach der Rue Richelieu möchte?" „Ganz einfach. Sie fragen den ersten besten Herrn: Monsieur, oü est la Rue Richelieu? Dann weist Sie der andere sofort zurecht. Meistenteils redet er dann noch eine ganze Menge, was Sie gar nicht brauchen. Darauf hören Sie aber nicht erst hin, sondern sagen: merci, je 5ai5 oü est la Rue Richelieu." — und gehen weiter." Salo Fischl kommt nach Paris und will sich beim ersten Ausgang in den Straßen orientieren. Ihm schwebt noch immer jene Lektion vor, allein die französischen Elemente sind ihm doch in der Reihenfolge ein bißchen durcheinander geraten, und so wendet er sich an den ersten besten Herrn mit der Ansprache: „Monsieur, je sais oü est la Rue Richelieu.“ Der Pariser sieht ihn groß an, zuckt die Achseln und erwidert ebenso klar als höflich: „Nu, machen Se Schabdes davon!" * Warum? Berl: Warum stellt man sich den Engel in Gestalt einer Frau vor? S ch m e r l: Weil der Engel kein Mensch ist. Das Sabbath-Verbot. Felix Papierkragen promeniert am Echabbes mit brennender Zigarre in der Nähe des Pulverschuppens. Der Posten herrscht ihn an: „Sie dürfen nicht rauchen!" „Ich rauch' aber doch; über d i e Narischkeiten sind mer hinaus!" * Iontessohn und Feitel waren früher intime Freunde, sind aber durch geschäftliche Mißhelligkeiten Erzfeinde geworden. Am Vcrsöhnungssest treffen sie sich am Eingang des Tempels. Rasch entschlosten bietet Iontefsohn dem anderen die Hand: „Ich wünsch' dir alles das, was du mir wünscht." Feitel: „Fängst de schon wieder an?!" * Ein Schadchen führt seinen Klienten in die Familie der präsumtiven Braut ein: „Sie sehen, was das für ein vornehmes Haus ist; schauen Sie nur, wie hier gedeckt wird: alles feinstes Porzellan und echtes Silber." „Kann ich wisten, ob das den Leuten gehört? Tom mer is das alles bloß gepumpt." „Mas reden Eie da? Ooßer*) pumpt denen einer!" *) Ausgeschlossen, dasi . . . * „Was treiben Eie denn jetzt?" „Ich spekulier' an de Börse in M > n e n." „Eie mit Ihrem Dalles? Wie machen Sie das?" „Ich stell' mich auf bei de Börse, kommt einer heraus und hat ene gute Miene, schnorr ich ihn an." Milch-Kolon | einzige koschere pflanzen-Mar- : garine mit reiner Kuhmilch : " Hergesielll unfer Aussicht des Gemeinde-Rabbiners Dr. Rosenlhal^und des Rabbiners Dr. Dünner, K-ln. 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