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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-06-02 · 157 (2.6.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
157 (2.6.1922)
Date
1922-06-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE Erscheint jede» Freit»-, vez,,«- Prei»7M. »»»»tlich. Z» teztetzr» »lisch similtche P,ftt»trr »tzer > tz»rch tze» v,re»oerl», i» >»»,. VOM RHEIN Jüdisohes Volksblatt «»zt«-e»pret»:HD?. fiirtzir 3x46 mm breite Zeile. Dir Seit» »»setzt 360 Zeile». P,pschtckr»»t, B»tta> •mai « ». tz.H,L»l»«r. 74747 " Herautzgegeben von Rabbiner vr. Lmil Lohn, Lonn. — Gchrifileitung und GrschüftssteNe: Aonn, Lrüdergaffr rr — Telefon 2456. Anzeigenvertreler für Köln: «gidiu« Müller, Köln, Hohenzollernring rr>. - Teefon 6 9,86. . Kummer 157 Köln. 2. Juni 1882. — 0 Kirvcrn 6682 4. Jahrgang. ##» »»«»»«»«»*»»»»»»»»»»»«»«»»»«««»»«»«»4««»«««»*««»«»«»», Gchowuaus 5662 > Der Bund und die Zugend Wenn unser Wochenfest, der Tag des Gottesbundes und des Erntedanks, das liebliche und erhabene Fest, verklingen wird, werden sich im schönen Bonn die Vertreter der neutralen jüdischen Jugend Deutschlands versammeln, um zu beraten, wie die Bewegung künftig sich gestalten soll, vor allem aber, um den Bund zu erneuern, den Iugendbund. Wiedersehen und Aussprache sind die Quellen, ^aus denen alljährlich allen Teilnehmern dieses Tages die ersehnte Erneuerung^ftrömt. Wer fürchtet vor der Erfrischung des labenden Wiedersehens die mögliche Heftigkeit der Aussprache unter einander? So regt der Schwimmer die Glieder, wenn er ins Master springt, und schlägt lebendig die frische^Flut. Erquickt entsteigt er danach dem Jungbrunnen und beginnt als ein Neuer den neuen Tag. Wenn man vom Iugendbunde, vom Bunde und der Jugend spricht, dann denkt man sich etwas ganz Heiteres und Frohes dabei, und vor dem sinnenden Auge ersteht das Bild wandernder Jünglinge uni> Mädchen, die armverschlungen und singend über die Strotze ziehen. Es gibi vielleicht keine Verbundenheit, die der des reifenden Alters gleicht, und es ist beinahe ein Sinnbild, datz man für diesen Bund und diese Jugend zum jährlichen Wiedersehen jene mailichen Tage wählt, an denen die schöne Ruth dereinst in den Aehren ging und in stummer Scham um Boas Liebe . warb. Wie schön und golden ist der Himmel in dieser Zeit und wie wunderbar das bewegte Alter um die zwanzig herum. Armverschlungen und die Sterne stürmend wandern sie zusammen im Bunde ihrer Jugend. Aber sie sollen am Tag ihres Wiedersehens und Sichwiederhörens nicht nur den goldenen Schein der grünen Welt auf sich wirken lasten, sondern auch jenes anderen Bundes gedenken, den sie heute am Wochenfest feiern, des Bundes vom Sinai, der viel machtvoller noch vor uns als Sinnbild ersteht als die reifende Natur. Aber ein Sinnbild, das von uns verlangt, datz wir ferne stehen: Ehrfurcht! — „Und es stand das ganze Volk von fern." Ehrfurcht vor den zuckenden Blitzen der göttlichen Offenbarung, überrollt vom Donner des göttlichen „Du sollst!" Also kein Bund der Armverschlungenheiten und des Auginaugesehns, ein Bund nicht nur der Verbundenheiten, sondern auch und ganz besonders der Bindungen einer. Das aber, gerade das soll die Jugend wissen und beherzigen heute. Von Bindungen will unsere Jugend aber nicht viel wisten; was ist auch köstsicher, als in so rauschender Ungebundenheit verbunden zu sein? Wie sütz ist es, immer suchend, wandernd, sehnend, bewegt zu sein und alles mit Leidenschaft. Aber der Bund vom Sinai verlangt mehr von der jüdischen Jugend: Die Freiheit der jüdischen Seele in ihrer Bindung. Nur eine einzige jüdische Frage besteht heute in der Welt: Es geht umdieErneuerungder jüdischen Lebensform, die wir suchen. Grobe programmatische Worte helfen dabei nichts, das schlichte T u n ist viel wichtiger als die grotzc T a t, A r b e i t mehr als Begeisterung für das Ziel. Wir wünschen der Iugcnd von Herzen, datz sic diesmal weit über Ruf und Rede hinaus die Tür aufstotze zu einem neuen Jahr der Arbeit, die sich nicht mit her „Tat" zu drapieren braucht, sondern nichts verlangt als ein klares Programm und die jungen Menschen, die jungen Juden, die gewillt sind, es zu verwirklichen von Tag zu Tage nach dem Gesetze der Pflicht, das nachhallend vom Sinai tönt und noch heute die jüdischen Herzen füllt. Mit diesen Gedanken grützen wir die Jugend von nah und fern und hcitzcn sic hoffen! > E m i l E o h n. Wochenschau Deutschland. Berlin. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, die.ihr iDjähriges Jubiläum feiert, hat folgende Persönlichkeiten zu Ehrenmitgliedern ernannt: Dön berühmten Kliniker Prosestor Dr. August von Wassermann, der seit dem Tode Professor Dr. Leopold Landaus das Präsidium der Akademie für die Wistenschaft des Judentums innehat, den glotzen hebräischen Dichter Eh. N. Bialik, Dr. Liebermann von der Universität Berlin, Oberrabbiner Dr. Imanuel Löw in Szcgedin, einen der älteften. Schüler der Hochschule, bekannt durch seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten, insbesondere auf dem Gebiete biblischer und talmudischcr Botanik. Autzerdem wurden > noch zu Ehrenmitgliedern ernannt: Frau Brünn-Berlin und Fabrikbesitzer Garbaty-Rosenthal, die der Hoschschule grotze Mittel zur Verfügung gestellt haben. Nutzland. Riga. Im Zusammenhang mit der Beschlagnahme der Synagogenschätze fanden in M inst Zusammenstötze zwischen jüdischen Kommunisten und orthodoxen Juden statt. Eine Gruppe jüdischer Kommunisten betrat die Synagoge während des Gottesdienstes und begann, die Wertgegenstände kortzuschaffen. Es kam zu Zusammenstötzcn, in deren Verlause zwei von den in der Synagoge anwesenden Juden getötet und vier Komnnnsistcn verwundet wurden.^ (I- E. B.) \ Persien. Berlin. Aus' der pcrsifchcn> Stadt Massud wurde kürzlich berichtet, datz die dort wohnenden Juden durch Sondergesetze so arg bedrängt werden, datz zahlreiche Familien sich zur Auswanderung genötigt sehen. Nach einer Londoner Meldung hat die britische Negierung nunmehr ihren Vertreter in Teheran beauftragt, geeignete Schrille zum Schutze der jüdischen Bevölkerung zu unternehmen.

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