Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 152 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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182 in uub mutt bcm Kriege": slav; Meifjn referiert über ben ).W.B. - J :c Berstininilnnit wirb piinkitich Uhr eröffnet. Anträge niiificn z» Beginn bei Berlcniimlniig beim t. Vorsipenben eingcrcichl w>rb,n. , Zülpich. SId. S»««»d»»rtl». A»r.: Lehrer Her», Müklenberq. Freiing, ben April. Heuueibenb bei L'irx. Sommer, >tvl.tiiraße. ve wirb tvieberholi betraut mitmerfjmn gemacht, bah die niisgelirlienen Biblwihekbbücher ziiriidgegeben werben müssen. Im „\ittaiiie bei Allgeineiiiheii werben bie 2 ä n in i g e n um milbige Riidgabe der Bi»t>er gebcleu. Oie Boientasche ttm» rill! »TTTTTTTrmt lTtnrTTTnnriTTTnnriTr Ein unveröffentlichter Brief Tolstois über den > Kischinewer Pogrom. e)n der soeben erschienenen 91. 12 des Petrograd» Journals „Wjestnik Literaturij" wurden einige bisher unveröffentlichte Briefe L. N. Tolstois abgedruckt. Einer davon ist vom 27. April 1903 datiert, an E. G. Linezkij gerichtet und ist die Antwort auf die Anfrage des letzteren, welche Ansicht Tolstoi über den Kischinewer Pogrom babc. „Emanuel Grigorewitsch"! — heißt es in dem Briefe - „Ich bestätige den Erhalt ihres Briefes. Solcher Briefe habe ich bereits mehrere bekommen. Alle Schreibcr verlangen ebenso wie Sie von mir meine Meinung über die Kischinewer Ereignisse zu äußern. Ich glaube, datz hierin ein Mitzverständnis unterläuft. Man nimmt * an, datz meine Stimme ausschlaggebend fei und verlangt deshalb, datz ich meine Ansicht über ein so ernstes und hinsichtlich feiner Ursachen derart kompliziertes Ereignis äutzere, wie cs die in Kifchenew verübte Greueltat darftcllt. Das Mitzverständnis besteht darin, datz man meine publizistische Tätigkeit anruft, während ich doch ein Mensch bin, der sich blotz tiv einer scharfumrissenen Frage beschäftigt, die mit den jüngsten Ereignissen nichts gemein hat, nämlich mit der ^ligiöscn Frage und ihrer Anwendung aus das Leben. Mas meine Stellung zu den Juden und den schrecklichen Kischinewer Begebenheiten anbelangt, so mützte sie wohl allen jenen klar sein, die sich für meine Weltanschauung interessieren. Meine Stellung zu den Juden kann nicht anders sein, als die zu den Brüdern, die ich liebe, nicht etwa, weil sie Juden sind, sondern weil sie wie wir und wie alle Menschen Söhne unseres Gottvaters sind. Diese Liebe kostet mich leine Ueberwindung, da ich persönlich sehr gute Menschen unter den Juden kenne. Mas aber meine Stellungnahme zu dem Kischinewer Verbrechen anbelangt, so wird sie von selbst durch meine religiöse Weltanschauung bestimmt. Obgleich ich noch nicht alle furchtbaren Einzelheiten kenne, die erst nach den ersten Zeitungsnachrichten bekannt wurden, empfand ich doch die volle Bedeutung des Grätzlichen und ein drückendes Gefühl des Mitleids mit all den unschuldigen Opfern der vertierten Masse. Zweifel angesichts der tierischen Roheit dieser Menschen, die vorgebcn, Christen zu sein, das Gefühl des Ekels und Widerwillens vor allen, die sich gebildete Menschen nennen, die Masie aufreizen, mit ihren Taten sympathisierten, vor allem aber graute mir vor den wirklichen Schuldigen an all den Geschehnissen, vor unserer Regierung mit ihrer die Leute verdummenden und sanatisierendcn Geistlichkeit und mit ihrer Räuberbande von Beamten. Die Greueltat von Kischincw ist nur eine unmittelbare Folge der Politik, der Lüge und Gewalttätigleit, die mit solchem Eifer und solcher Ausdauer seitens der Regierung geführt wird. Die Stellungnahme der Regierung zu diesen Begebenheiten ist nur ein neuer Beweis für ihren rücksichtslosen Egoismus, der vor keiner Unmenschlichkeit zurückscheut, wenn es sich darum handelt, eine ihr gefährllch scheinende Bewegung zu unterdrücken und zugleich ein Beweis für ihre völlige Gleichgültigkeit, die jener der türkischen Regierung gegenüber der Riedermehelung der Armenier gleicht." Ein wenig angenehmer Glückwunsch. Es war einmal ein Mann, dessen ganzer Reichtum in einem großen Acker bestand, den er mit größter Liebe und Fleiß baute. Getreu der Vorschrift des göttlichen Gesetzes sonderte er jedes Jahr pünktlich den Zehnten für das Priestertum ab; und Gott goß immer seine Segnungen über jenen Acker aus, der jedes Jahr tausend Maß Getreide trug, sehr viel für seine Größe, und der Eigentümer weihete immer hundert Maß davon für den Priester. Als sich der Eigentümer dem Tode nahe fühlte, rief er seinen Sohn zu sich und sagte zu ihm: „Als einzige Erbschaft laste ich dir meinen Äcker; aber er ist viel, wenn du mein Verfahren fortsetzest; gib acht, daß du den Zehnten nicht verfehlst und du wirst die reichen Ernten daraus ziehen, die ich immer daraus gezogen habe." Im ersten Jahre entrichtete der Junge genau den Zehnten und wie gewöhnlich zog er aus dem Acker tausend Maß. Aber dem neuen Eigentümer wollte es gar nicht bei, andern ein Teil von dem Seinigen zu geben und er beschlotz, weniger zu geben; aber in jedem Jahre trug ihm der Acker nur in dem Verhältnis des Zehnten, den er gegeben hatte. Verdrießlich über diesen Verlust, beschloß er noch weniger zu geben; und der Acker trug weniger. Und so, je mehr er abzog, desto geringer wurde die Ernte, bis der Acker nur die hundert Matz ertrug, die in glücklicheren Zeiten gerade den Zehnten des ganzen Ertrags bildeten. Die Nachbarn des neuen Eigentümers, die seine Filzigkeit sehr ungerne sahen, kleideten sich eines Tages alle festlich und begaben sich vereinigt in das Haus, wie wenn sie sich irgend eines frohen Ereignistes freuen wollten. Als der Eigentümer jenen sonderbaren Aufzug wahrnahm, gerät er in Wut und schreit: „Was? Ihr kommt, um euer» Spott mit mir zu treiben!" Sie antworteten: „Behüte Gott, wir kommen vielmehr, dir zu einer großen Ehre, die dir widerfahren ist. Glück zu wünschen. Wir wissen, datz dir dein Äcker den zehnten Teil der alten Ernte trägt; so ists in der Ordnung; früher warst du der Eigentümer und Gott der Priester; jetzt ist Gott der Eigentümer und du selbst der Priester. Rabbvth S. 150 a. Eine Schiller-Reminiscenz. Als Schiller im Jahre 1783 auf dem der Frau von Wolzogen gehörigen Gute Bauerbach in Meiningen Gast war, pflegte er, so erzählt der Meininger Archidiakonus Müller in Meiningen in seiner Skizze „Aus Schillers Asylzeit in Bauerbach" sin dem soeben erschienenen Geschästsbericht des Schwäbischen Schiller-Vereins veröffentlicht), den Dorfjuden Mattich als Begleiter mihunehmen. Abends spielte er mit dem Verwalter Voigt Schach: noch häufiger aber mit Mattich, den er wegen seiner braven | Gesinnung, ziemlichen Bildung und besonders wegen feii nes gesunden Mutterwitzes wohl leiden mochte, in den Wintermonaten „Sechs Männchen", ein hier noch bei' siebtes Kartenspiel und in den Sommermonaten Kegel. Ost war Mattich von seinen Geschäststouren abends sehr ermüdet, dennoch folgte er stets dem Rufe des Dichters. Aus den Spaziergängen mutz es auch zu ernsten Gespräi chcn gekommen fein; der Archidiakonus berichtet nämlich, i Mattich habe erzählt, daß Schiller auf diesen Spazier-! gängen heftig mit ihm disputiert habe, namentlich über Religionssachen, über Judentum und Christentum, das letztere verteidigend.