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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-04-28 · 152 (28.4.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
152 (28.4.1922)
Date
1922-04-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE Grscheiat jede» Daeitai »aach st»«ltcha 'faltada* «in tat< laa Baaaaaatiaa (a Baas. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt ■a|rt«caat(il: «Bl. (Ir llt Ixlämra »reite Zeile. Di» Bette a»fatzt V60 ZeUea. Baßscheckkaata Baaa» ama, « ». ».H.,C«aNa.747Lr HararKgagadair da« Rabtlnar vr. Sack Satz«» Sonn. - Schriftleitun« an» Saschöstsfialla: Sann, Drüber gafle 5a. - Telefon J93*. Iinialflanoartratar für Min: Sgibtna BlLler, llbln. Hohen,»Narnrlng Sil - Laiefon B «im. gUnotr 152 KStn. 28. April 1022. — 1 Izar 5682 4. Aahrgaug. Das angeknipste Judentum Kürzlich besichtigte ich in einer westdeutschen Stadt, m der ich zum ersten Male war. die Synagoge. Ter Schamines, der mich herumsiihrte, wies mir die Schönheiten des Baus, so gut er konnte, als wir aber am Thoraschrein angclairgt waren, griff er an die Seitenivand und drehte knipsend den elektrischen Schalter und siehe da, hinter kostlürrem Rubinglas strahlte plötzlich in schönem Lichte das „Rer tomid", die „ewige Lampe". Aus mein, wie ich annehme, ziemlich dummes Gesicht, flüsterte er mir zu, daß man in der ölarmen Zeit des Krieges sich gezivungcn gesehen habe, elekttisches Licht in die Lampe zu legen. Jetzt habe man zwar wieder Oel, aber es sei doch bequemer so, ..und so knipse er heute immer uor dem Gottesdienst die ewige Lampe an und nach der» Gottesdienste aus. Auch vertraute er mir an, das; hier im Westen heut ziemlich allgemein dieser „Minhag" geübt würde. , Anfangs war ich erschlagen, allmählich aber wurde ich nachdenklich und lernte die Sache bald als ein echtes Zeichen der Zeit zu deuten. Was kann man für ihre schreckliche Kulturlosigkeit Bezeichnenderes anführcn als diese moderne ewige Lampe. deren Ewigkeit immer nur eine Stunde Orgelspiel währt. Welch köstlich naiver Wagemut unserer jüdisckjen Zeitkinder, l>edenkenlos die Eiviqkeit an- und auszuknipsen. Und keinem Schamines verdorrt die Hand dabei, keinem Raw und Parnes bleibt das Herz bnbci stehen! ' Wahrlich, Mut haben sie alle miteiimndcr. Ihr Mut besteht darin, dasi sie glaulren, alles „machen" zu können. Es gibt für sie überhaupt nichts, was sich nicht „machen" lägt. vSie wissen nicht, daß in religiösen Dingen nur das Gewachsene gilt und haben für dieses Gewachsene rvie überall im Leben so auch hier das Gemachte gesetzt. Ist diese Elektrizität nicht eine herrliche Sache? Warum soll man den Fortschritt nicht benutzen und sich alles so praktisch machen, wie cs nur geht? Ja. irvnn nur nicht das Praktische der Feind des Seelisctwn wäre! Alles Gemachte ist seelenlos. Scelerrlos ist unser ganzes rvestliches Judentum geworden. Tie Maschine funktionierl zn>ar. Bvrstand und Repräsentanz treten pünktlich zusammen, der Etat tvird beraten. die Wohlfahrtspflege ist organisiert, alles geht wie am Schnürche». Rur eins spottet all dieser glückhaften Belriebsamkeit: das Judentum selbst. Gott schütze uns vor einer am Schnürchen gehenden Religiosität, vor einem angeknipstcn vr auch nur anknipsbaren Judentum. Auf das Leben kommt es an: Ich bin nicht für die Schlagworte, aber dasWort vom lebendigen Judentum, das vor 20 Jahren unsere studierende Jugend aus ihre Fahne schrieb, war wirklich einmal ein Schlagwort von echtem Gehalt und Wert. Leben aber tut nicht eine Maschine, und Nwun sie noch so glatt unlerenr Treibriemen sich dreht und noch so mächtig stampft. Leben irrt nicht die künstliche Rachtigall aus Andersens Märckjcn, auch wenn der Kunstmeister, der ihr beigegelwir war, noch so sein ihr Uhrnwrk zn erklären ivusile. Leben tut nur der atmende, durchblutete, warnw Leib, die Maschine ist nicht nur tot. sondern vertreibt auch das Lelxm, genau wie auch bei Andersen die tünstliche Rachtigall die wahre vertrieb. Glauben wir nicht, dag unser Judentum gut twrwaliet, geleitet, vor allem aber gelebt sei, wenn man betriebsam seine Geschäfte besorgt, lim jüdisches Leben zrr schaffen, »ins; man das luir, was der Bauer lut. den Acker der Seele pflügen, das Samen körn ausiverfen, den jungM Keim hüten, mit einem Worte, das Wachstum pflegen. Unseren Wcstjuden liegt nur am Lrganijatorijchen und im Rahmen dieses Lrganijalorisckwn wieder zumeist an der Repräsentation.^ > Repräsentation rtbn° ist eine schöne bleste und n-ciler nichts. Ewig brenne die ewige Lampe und jeder dränge sich zu der Ehre, ein Diener an dem Licht der Seele zu sein, das sich nicht ein- und ausschalten lägt, sondern in seinem Leuchten eivig ist! E in i l E v h ». Wochenschau Deutschland. Berlin. Ta Eeiuralverein denricher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat der „Arbeilsge» einschafr jüdisäwr Lehrer", Frankfurt a. M.. die die Lehrer aller religiösen Richtungen vertritt, die Summe von looooo Mark überwiesen, damit der nngeheuren Rot. in der sich weite Teile der jüdischen Lehrerschaft bcsinden. gesteuert nerden kann. Ter Eeniralverein war, ivie uns mitgeleilt tvird, sich lwi der Bewilligung dieser Ehrengabe bewrigr. dag die Erhaltung des jüdischen Lehrerstandes für den Bestarrd des deutschen Judentums einen irwsenilichen, wenn nicht den ivesent lichswn Faktor bildet. Wenn es auch bei der ungeheuren Geldentwertung nicht möglich ist. durch die ><»»>»»> Mark der grogcir Rot unter den Lchreru Einhalt zu tu», so tvird doch dadurch in vielen Fällen die Roilage gemildert werden können. Diese Spende kommt allen in Frage tonune» den Lelrrer» zugute, gleichgültig, ob sie Mitglieder des Eeniralvereins sind oder nicht. Es wäre freudig;» begriige», wenn dieses Beispiel Rachahmung fände. Berlin. l J. E. B.t^ Eine Grtzppe Reichsiagsabge ordneier der äugerslen Rechte» unierbrcilelen der Reichs ngicrnng die folgende t'lufrage: „Unter den bekanrugege denen Personen der Delegation und den Sachverständigen für die Konferenz in Genua lwsiirden sich zum inindesten >2 Heuen jüdischer Rasse. Das Zablenverhalinis der der» schcn Staatsbürger iridisäier Rasse zu denen arische» Ge bliüs beträgt wenig mehr als l Prozent, nach der vfljüdrjchen Zuivanderung mag es vielleicht an 2 Prozent, herankoinrnen. Da die Zahl der Delegierw» und Sachveistän

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