Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 143 (24.2.1922)
- Date
- 1922-02-24
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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[ Oie Boieuiasche Zwtstyosthtcht»., „StaatsbSrger-" «ch jousttger H»«or^. Da» «atto»alb«chch< Ghetto. Die Zeittmg „Der 3kaeltt" bringt im Anschluß an einen sachlichen Bericht über unsere Herrenhausversammlung folgenden Satz: „3st e» unbedingt nötig, die nattonaldeutsch gesinnten Juden im Ghetto eine» eigenen Verbände» abzuloiwern?" Der süße Geschmack. 8m »Berliner Tageblatt" (Familien-Nachrichten) bringt ein l^epaar der Welt zur Kenntnis, daß „fein süßes Thanuka-Mädel" da ist. Die Gerichtssprache. Szene aus einem Mordprvzeß: Eine Zeugin, ein junges Mädchen, erzählt, daß der Ange- Nagte sie und eine Freundin in einem Restaurant verlassen und ihnen nicht genug Geld zur Bezahlung der Leche zurWnklasseu hätte. Sie und ihre Freundin hätten nur noch 6 Mark bei sich gehabt so daß sie gerade hätten die Zeche begleichen, aber rein Trinkgeld geben können. Wörmcher Bericht aus der Vosiischen Zeitung: „Verteidiger X. (vor sich hin) Nebbich!" _ Beim hiesigen Schlichtungsamt wurde jüngst ein diederer Werkmeister vernommen, der folgende Aussage machte: „3ch Han janz jot gehört, was fe jesagt Han, ich weiß bloß nicht, wie ich bat deutsch sagen soll. Ee hän hebräisch jereot und ha weeß ich bat janz jot." ,Llun, so reden Sie doch, so sagen Sie's doch hebräisch!" „No jot: Von der Hauste, Hauste, Hauste haben se immer jesprochen!" Gin gelungener Ludendorst-Wttz. In einem Berliner Rauchcheater, der „Wilden Bühne , welche die politisch« Satire mit Glück pflegt, telephoniert allabenllich Wilhelm Brentvw mit Klante und d<wei sagt er: „3«, in München war ich auch. — 3a. — Göwlß. — Mit Ludendorff habe ich auch gesprochen. — Sogar sehr lange. — 3a. — Er war fefr nett zu mir. Misten Sie, was er zu mir gesagt hat? Er hat gesagt: „Die Juden sind schuld, daß wir den Krieg verloren haben." — 3a. — Da habe ich gesagt: „Herr Ludendorfs, ich wußte gar nicht, daß Sie Jude sind . . .!!"! __ Leib, der Dorfphtlosoph sah lange vor sich hin, dann sprach er: „Der Mensch i»Leglichen zu a Schuster!" „Und far wos ist der Mensch gegllchen zu a Schuster?" fragt man ihn. Worauf Leib noch tiefsinniger erwiderte: Der Mensch I» geglichen zu a Schuster: Heute lebt er, morgen sterbt er."-• > „Habt ihr gehört, Red Ehasim? Euer Schüler Leib hat kn der Sperlgaß in Wien ein groß Geschäft und hält seinen Laben am Schabbes osten!" „Was 3hr sag?', erwiderte überlegen lächelnd der Rebde, „ein Epikores maa er geworben sein, aber ein Narr ist er nt« gewesen. Wirb er so ein Narr sein, den Laden a« .Schabbes osten zu halten: — Er darf ja doch am Schabber nicht verkaufen!" Abraham Weinkäfer. (fcn ungarischer Abgeordneter hat vor einigen Tagen io der Budapest« Rational Versammlung «in für die Zustände in Horlhy- Ungarn charakteristische» Seschtwichen erzählt. Sin Dorfnotar erhielt den Luftraa. den ablehnende« Bescheid de» Ministerium» aus et» Besuch um Namensänderung de« silbischen Petenten der betreffenden Gemeind« breoi «an« zuzustellmu Darauf erhielt da» Ministerium de» Innern vom Dorfnotür «in Delegramm folgenden Inhalt»! „Vrevt manu unverständlich. Bitte um näheren Bescheid. , 1) U», dem Mttteilnngiblatt de, Berdanbe» nattvneldevtfchrr 3|Nr. Petenten Mt bi» dahin in de» BemeiNdekotter sperre» lass«." Diese eraätzliche Geschichte erinnrrt an eine ähnliche, di« van Barl Emu tt«uü«» -erziih« «mnde und allerding» tragisch au»gi»G. Gin hoher vstizter — so erzählt stranzo» — der de« Geschlecht einer der vornehmsten Fürsterchausrr de» asten Zarenreiche» angehärte, bewundert« bei Hofe «in Gemälde, da» von einer Großfürstin gemalt worden »or. Die Künstlerin erzählt«, st« arbeite «ernd» an «ine» Bilde, doch könne st« e» nicht vollenden, da ihr da» Modell z» einen Apostel fehle. Sie wäre ihm sehr dankbar, wenn er ihr ei» solche» Modell, eine» schöne», imposante» alten Man» mit eine» blendend weihe» Bar«, beschaffe» könnte. Der Fürst versprach, fich verbengend, de« Wunsche ihrer kaiserlichen Hoheit aachTnnlichkeit zu e«tlvr«hen. Nach einig«» Wochen besuchte er nnc entlegene kleine Garnisonstadt. Dort begegnete er einem Juden mit «ine» groben, wallenden, schaeeweihe» Bart und einer herrlichen Greisengestalt. vor seiner Ab-* reise bat er den Militärkommandanten, ihm diesen Mann, der Abraham Weinkäfer hieß, »ach Peter»burg zu senden. Der Befehl wurde auch prompt au»gesührt, allerdings in zaristischer Manier. Abraham Weinkäfer wurde in Fesseln unter Polizeibewachung «ach Petersburg gebracht. Seine Frau, seine Kinder - und Enkel, die weinend dinier ihm herliefen, wurden von der Polizei verjagt. In Petersburg wurde Abraham weinkäfer der Polizei übergeben, die ihn dem Fürsten zur Verfügung halten sollte. Der Fürst melde»« sich jedoch nicht und da man offenbar nicht wagte, ihn zu behelligen, wurde Abraham Weinkäser in «ine gelle der Peter-Pauls-Festung gebracht.^ Der Fürst meldet« sich auch di« - nächste» drei Jahre nicht und da» Modell für «inen Apostel zerbrach sich tn seiner Zell« im Petro-Pawlowst den Kopf darüber, , warum er eigentlich nach Petersburg gebracht und in di« Festung i ring«kerkert worden sei. Erst nach mehreren Jahren traf der fürst- : liche Offizier wieder einmal mit der künstlerisch,veranlagten Großfürstin zusammen und mußte sich den Vorwurf gefallen lassen, daß . er ihr da» versprochen« Modell nicht geliefert habe. Errötend «ntsann sich der.Fürst des Abraham weinkäfer, den er ja damal» nach Petersburg bestellt hatte, der mußte doch ganz sicher abgesandt worden sein? Bei der Polizei, wo er Nachschau hielt, fand man in den Registern, daß Abrahätn weinkäfer tatsächlich pünktlich angelangt und di» auf weitere» in dte Peter-Paul-Festung überführt Word«« war. Der Fürst begab sich eilend» dahin. Glücklich, feststellen zu können, daß Abraham weinkäfer seinerzeit pünktlich übernommen wurde, schne er nun, außer sich vor Freude: „Rasch herau» mit dem Mann au» der Zell«! Ich will ihn noch heut« zur Fürstin bringen!" Der JestungSkommandant blätterte erst verlegen in seinen Registern und sagte dann kleinlaut: „Unmöglich, Durchlaucht! wie ich da au» den Listen ersehe, ist Abraham Weinkäser vor drei Jahren bei un» gestorben." Hoffentlich ergeht e» dem armen jüdischen Patrioten in der ungarischen Dorfgemeinde bei seinem Übereifer, einen magyarischen Namen anzunehmrn, nicht wie Abraham Weinkäfer selig in der Festung von Petro-Pawlowsk... Der Herr ist kein Dieb an Adam gewesen. Der Fürst sagte zu Rabbl Gamallel: „Euer Sott sst «in Dieb; er hat Adam im Schlafe überrascht und trug . ihm eine is Mädchen der weisen gegenwärtig bei dieser Red«, flüsterte dem Bater einige Worte In, Ohr, mit welchen ste ihn um ble Erlaubnl, bat baß sie selbst aus senr» sonderbare Urteil antwortete, Der Vater wlllüte ein. Da» Mädchen Kat vor, versetzte sich ln Schmerz und Schrecken und rief: „Herr, Herr, Drrrchtlgkelt, Rache!" „Da» ist^eschrhen?" sagte der Fürst- „Eine heillos« Dieberel," versetzt« da» Mädchen. „Ein Dieb hat sich heimlich In mein Hau» geschlichen, hat mir «Ine silberne Tasse fortgettagrn und hat mir dafür «ix golden« Tasse gelassen." „welch «in rechtschaffener Dieb!" ries der Fürst. „Möchkn solche Diebstähle nur alle Tage geschehen!" „Siehe nun, mein Fürst, welch' eine Art von Dieb unser Gott ist. Er hat dem Adam ein Stück Fleisch geraubt und ihm dafür eine schöne Frau gegeben." „Gut gejagt," a«tanb der Fürst. „Ader bei alledem, dielen rechtschassen«, Diebstahl tont« er offen und nicht heimlich, wie bi« Diebe, begtptit« „Herr," versetzte da» Mädchen, erlaubt, daß ich ein Stück roh«. Fletsch hol«, lasse? „Tue ts," antwortete der andere verwundert. „Run sehet, ich hüte." Lab unterdessen wendete da» muntere Mädchen da» Fleisch um und um, zerschnitt e, und ließ e» hurtig kochen, bann retcht« sie e» dem Fürsten, daß er e» koste. „Retne Liebe, sagt« der ander« stch »urückzlthend. Ich-weiß, baß c immer s» geschieht; aber wen» ich e» selbst so tn den Händen herumgeworfen sehe, wirb «« «K »um Del." „Stehe, Herr, wa» dem Adam geschehen wäre, wenn ihm Gott offen rin Stück Fletsch genommen und vor stlne» Auge» bi« Frau darnu, gebildet hält». Talmud Sanhrbrin S. SS». Zrrserieri im Jüdischen Boten!