Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 133 (16.12.1921)
- Date
- 1921-12-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Und wie oft ru'en wir die Verhältnisse an, daß sie für uns zeugen, jene berühmten „Verhältnisse, die siageändert haben", die ..heutigen Verhältnisse, unter denen das nicht mehr geht". Das wird alles so mit dem Stöhnen des Zeitscufzers gesprochen. Schade, daß man nicht mehr den Sabbath basten, seine Geschäfte nicht schließen, ja nicht einmal am höchsten Feier tage wehr ruhen kann. Es wäre so schön, aber es gebt, es geht nicht: Die „Verhältnisse" sind einmal so! Ich will nicht bösartig sein, nicht untersuchen, ob es ihnen denn wirklich so leid ist, wie sie tun, so arg ieid wie dem Prosetcn Jona unter dem Wunderbaum. Aber eines leugne ich nicht: Diese Verhältnisse habe ich schon lang aufs Korn genommen. Und je näher ich an sie herantrai. je öfter ich um sie herumging, umso mehr ging es mir mu den Verhältnissen, wie den Leuten mit des Kallers ne-en Kleidern in Andersens Märchen: Wir glauben, sic zu reden, aber sie existieren nicht. Sic sind nicht da wir reden sie u_ns ein. Irgend ein seltsamer, vielleicht schwindelhafter, vielleicht aber auch sehr weiser Schneidermeister hat diese „Verhältnisse" geschaffen, um die Welt in ihrer Schlechtigkeit und Gemeinheit, sei es zu narren, fei es zu prüfen. Und jeder von uns schreitet wie der Kaiser in Unterhosen durch das Narrenmärchen unserer Zeit und trägt den Faltenwurf seiner Verhältnisie um die Schuster geschlagen, und jedermann macht auch pflichtschuldigst die gehörige .Reverenz davor. Nein, die Verhältnisse eristieren nicht, und wenn hundert Geschäftsleute mich vor iorcn Laden fuhren und mit dem Finger auf den Konkurrenten drüben zeigen und mit beschwörender Hand vom Daseinskämpfe reden, sie stehen vor jedem klaren Kopf doch nur — in den Unterhosen ihrer Erbärmlichkeit da: Es gibt keine Verbältnifse und „es geht alles", wenn man nur will. Ich könnte nun Beispiele anführen, etwa das Beispiel eines mir bekannten hochangesehenen Geschäftsmannes, der — diesmal durch wirkliche Verhätmige — gezwungen war, einen Sozius zu nehmen, welcher als unerläßliche Bedingung seines Eintritts das Schließe» des Geschäfts am Sabbath verlangte. Ich erjzmere mich mit Vergnügen noch heute des höchst verdutzten Gesichtes, mit dem der alles befürchtende Inhaber feststellte, daß «it dem Sabdathschluß nicht die geringste Aenhernng i» seinem Geschäfte zu verzeichnen war. Jahrzehnte lang dfo hatte dieser Mann sich von den vermeinttkhen BerhÄtntsieu an der Nase herumziehen lassen. Aber nicht darauf kommt es au: Cs kommt auf de» Versuch an, sein Leben so einzurichten, als ob es gar kpine „Verdälmffst" gäbe. Damit würde, glaube ich, überhaupt erst ein unabhängiges Leben möglich werben. Bor allem aber würbe damit zum ersten MÄe wieder etwas in imstr! Leven bincinkommen, was uns fest Geschlechtern abhanden . kam: Männlichkeit und Adel. Rur Kinder schrestn, - wenn sie zur Rede gestellt werden: „Fritz hat das auch getan!" Rur Knechte berufen sich zu ihrer Entfchuldigmrg auf andere Knechte. Immer auf den Nachbarn und immer , aus den Konkurrenten schauen, chm abschauen. was er tut, - ::r, r.acblaufcn, wo er lauft, chm nachfprechen, was er spricht, heißt, sich abhängig machen vom fremden Villen, : beißi, keinen Glaubenmehr au sich selber haben und au - den eigenen Wert. Ich für mein Teil möchte mich um alle Güter der Welt nicht am fremden Werte mesien, weil ich weiß und mehr noch, weil ich fühle, daß der Glaube an den; eigenen Wert, bas Urteil in der Brust, die Liebe im Her- ' -cn bei einzige Adel des Mannes ist. Das aber sind nun die — „Verhaltnisie"? Und wenn die ganze West der Juden aufsteht und schreit, daß es . ..beute nicht mehr geht", wenn der Händler mit scheelem! Auge die Kunden zählt, die in Nachbars Laben laust», der : Nechrsanwalt über die Konkurrenz, der Arzt über die Kol- . legen jammert, wenn sie die Augen verdrehen Ä>er Jbie\e , Zeit", die nicht mehr „so ist", und alle, alle, alle die Beri bälinisic entsagen, daß sie nicht mehr so Juden sein tonni ren. wie sie — o wie beklagenswert — gerne möchten, — es soll ihnen doch gesagt sein, ihnen allen und jed«n einzelnen und immer wieder und überall und so, daß chueu < die Obren klingen: Die Verhältnisse, mein - F r e i: n b , b a s i ft — deineEchuld. Emil Cohn.! - 26. Zahreskonfereuz! des Rhein.-westf. Rabbiner verh«w-es Die Konferenz war besucht von den Rabbiner» Carv-! Köln, Davib-Boch«m, Dünner-Köln, Hchelbacher-DWel I borf, Feilchenseld-Köln, Gallmer-Gelstnkrrchen, Iacoib-? Dortmund, Levi-Krefeld, Klein-DWeLorf, Kober-Kol»,; Krouheim-Dortomad, Remnark-Dmsdurg, Rörde»-EKeri selb, Somuel-Esien, Steinchal-Mnnfter .^chestesowitz- ' Köln. Den Jahresbericht erstattete der Borgende Dr. Efchelbacher. Der Bericht weitete sich zu einer (t”Wge» Darstellung der geistigen Stronmngen, der ftjtfjni Fragen und wirtschaftlichen Röte des gegenmarHste» Znhirfiinw und die daraus dem RobbWer es» walyyenoen rmjgaven. veyr z» yeme» üUMMWi yd Mqn selbst in wirtschapiche Kämpst ttebernnstinnnend mit dem a^aBdm erhebe er die Forbervngen: Csnorb»>g i» (XIL®nw) Kw vwkuHKMJKJHd(QOIWB. d