Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 129 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rheydt 1× ep/1045545
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Mitteilungen -es Bezirksver-an-es -er jüdischen Lugendvereine Westdeutschlands. Liebe Freunde! 1. Die Bezirlsleiter werden gebeten, möglichst bald mit den ihnen -ugelellten Vereinen Fühlung zu nehmen, ön Kürze wird eine Zusammenkunft der Bezirksleiter stattfinden, bei der Bericht erstattet werden soll über die getroffenen Einrichtungen zur Besserung des Zusammenerbeitens der Vereine. Die Anschristen gehen den Bezirksleitern in diesen Tagen zu. 2. Leiter des Be^-Gr. 3 ist Hans Fischel-Elberfeld (nicht Krefeld). Zu Bez.-Gr. 2 tritt der Verein Rheydt, der sich dem Verband angeschloffen bat. 3. Unsere Dürener Stenografen haben das grundlegende Referat von Kurt Zacharias wörtlich ausgenommen. Wir veröffentlichen es als Beginn unseres Berichts über die Tagung nachstehend und hoffen, daß es in den Vereinen ebensoviel Anlaß zu fruchtbrinegnder Aussprache geben wird, wie in Düren. Mil herzlichem Verbandsgruß! Rabbiner Dr. Klein-Düsseldorf, Paula Rußbaym-Krefeld. Unser Veg - unsere Arbeit. Referat, gebalterr bei der DelegieNenversammlung in Düren, 772 Äeii Zackarias. Liebe FreundeI Sera idh am heutigen Tage einen Rückblick auf die Vergangenheit mer^e, io erinnere ick mich vor allem der Tagung, die vor einem Jahre ac der Svnagoge in Wunstorf stattfand, wo in heißem Bemühen ringende. wahrhaft jugendlicke Menschen zu dem damals in unserm Verein jo vorherrschenden Problem der Religion Stellung nahmen. Die Meinungen, die weit auseinandergingen, sollten überbrückt werden eon dem Bogen der Liehe zum Judentum. Wenn wir uns heute nun wieder einmal über den Weg, den diese unsere Arbeit nehmen soll, unterhalte», dann ist die Frage berechtigt, ob es denn immer nötig sei, nach Ziel rnd Weg zu ftagen, um Begriffe zu streiten, ob es nicht herechligler fei. praktisch zu arbeiten. Man mutz von den Vereinen die Arbeit nach Paul Auffeesscrs Programm verlangen. Ob der Weg, den man gegangen ist, für jeden einzelnen oder für die Gesamtheit der richtige ist, ist eine Frage, die nicht allein den Westdeutschen Bezirksverband anLedt. die uns alle auf das Brennendste interessieren muh. Mit Absicht ist im besaigtn Programm nichts vom Ziel geschriebcn worden. Man bat sich darüber unterhalten, ob es nicht das Vorrecht der Tugend ist, fiedes as fein, ob nicht die Jugend zu Ende sei, wenn sie ihr Ziel erreicht bat. oh unsere Arbeit gerade über einen bestimmten Weg gehen atifc, der uns zu irgend etwas hinführt. Ein sicherer planvoller Weg ks& gegangen werden. Diesen Weg wollen wir zu zeichnen versuchen, äesen Weg, den der neuttale Iugendverbcnd gefunden bat in ferner Neutralität. Wir wollen erkennen, datz diese Neutralität wirklich und wahrhaftig die Idee unseres Verbandes ist. Neutralität! Viel umstrittenes Wort! Liner der wichtigsten Punkte unseres Verbandes ist, datz er den Menschen zur Entscheidung bringen soll, daß er aber niemals wa jemandem diese Entscheidung früher verlangt, als er sie aus feinem Gefndl heraus zu fällen imstande ist. Neuttalität ist uns schon geworden: das Gefühl und das Wissen um das Verdundensein mit dem 3*he«am. Neutralität ist die immer wieder ausgestreckte Bruderhand jedes jüdischen Menschen, immer wieder ausgeschlagen,Innrer wieder h-ngereicht; trotzdem wird unser jüdischer Bruder eines Tages dw Hand, die wir ihm hinreichen, nehmen. Neutralität ist das Wisse» darum. datz all diese Menschen hineingehören in die jüdische Gefamcheit in Dench^ond und in der Dell. Neutralität ist, wenn ein jedermeitz, datz einer für den andern einsteht. Sie ist die Sicherung des Indische», der Träger jüdischer Zukunft. Sie ist die tragende Idee unseres Verbandes, der alle Juden, jung und alt, zu gemeinsamer Arbeit anftnst. Das ist der Ruf, den wir der Jugend immer und immer wieder trafai Weile», datz die Einheit kommen muh, datz wir uns in der heutige» Zeit nicht da» £ufus einer Zersplitterung erlauben dürfen, ^nrnammtam für iäxfte Zukunft, das ist das Leitwort, die »echude, die W60jbäk der Arbeit mit de» Menschen, die wir in ujen» Verbünde fcubex. — Wir habe» eia offenes Bekenntnis adgBeM» »nd «■ fapst, datz die Voraussetzungen, die wir für unsere Arbeit «eftelt frtifeu, nicht richtig waren, datz wir einen Weg gegangen find, der nicht btt Richtige war, und dies erkennend, nun einen anderen »e, »he» wolle«. Wir haben versucht. eine große Anzahl Menschen. zusammengesetzt aus den verschiedensten Berufsschichten, Milieus und Wer. Menschen mit so verschiedener Substanz, zusammenzrfassen »nd sie unter einen Hut zu bringen, den Hut „Jugendbewegung". Wir haben »ersucht, die grotze Zahl der Menschen in unseren Vereinen jugendlich bewegt zu machen. Dir haben geglaubt, von ihnen verlangen zu feinen, daß sie aus der wirtschaftlichen Not heraus fick umstellen, daß sie die Unterschiebe, die da sind, abstreifen und daß fie die jugendliche» Idee« erfüllen sollen. Dir baden erkannt, datz das, was wir als Raffe bezeichnen, diesen Anforderungen nicht gewachsen ist und sein kann. Dir haben deutlich erkannt, datz diese Masse jndsscher Menschen dazu da ist, Werte zu schaffen. Wir brauche» jeden Wert, auch den Menschen, der nicht jugendlich fühlt. Der Iagendverei» ist dazu da, diese Menschen, die nicht sehen, nicht fühlen nah nichts spüren, heranszureitzen und ihnen zu sagen, daß wir Verantwortung für jüdische Dinge haben, daß jeder Mensch hier in unsere« streife Mitarbeiten mutz auf Grund der Verpflichtung, die sei» Iubesei» auf sich hat. Jude sein heitztBerantwortung habe»: und dies alles zu sagen, ist Aufgabe des Iuaendvereins. Hier heißt es Kleinarbeit leisten. In unermüdlicher Arbeit in den Iugendvereiuen. in Arbeitsgemeinschaften, müssen diese! Menschen gewonnen werden. I» jedem Menschen ist ein Funke da, : den wir zur Flamme entfachen müssen. Wichtiger aber ist es, daß der l Mensch genügend Luagenkrast hat, immer wieder zu blasen und anzu-; fachen, bis die Flamme da ist. die kommen wird. Das Wichtigste ist, daß der da ist, der den Blasehalb führt. So kommen wir zur Ausgäbe der Arbeit in den Vereinen und zur Arbeit der Summe unserer Vereine, unseres Verbandes. Das leidige Won Politik! Ick will Ihnen sagen, ob das, w ts die Politik des Verbandes während der leUen Zeit gewesen, richtig oder falsch war und ob das. was Dr. Apf^ hier führend in letzter Zeit getan hat. nötig war und richtig hinein gehört hat. Denn wir die Masse gewinnen wollen, die leb», glüht, heiß glüht, heißt es vor allen Dingen fie hineinzustellen in die jüdische Gegenwart. Politik treiben heißt nicht eingreifen in den Parteizank und das Treiben unserer Tage. Politik treiben heißt Hingabe an den jüdischen Menschen. Hilfe in der ungeheuren Not, die die jüdischen Menschen hoben. Wir sehen die Leidem im Osten, wir sehen, wie nötig der Aufbau Palästinas ist. Wir sehen, daß der Wille zu der Einheit, zu der wir unfreien, in dem größten Teil der deutschen Juden nicht ist. wir gehen mit hinein in diese Politik, da wir sehen, daß hier jeder Mann gebrauch: wirb. Dir dürfen uns nicht abschließen von der Außenwest, nicht nnr jÄisches Wissen treiben, nicht nur Kurse hallen, wir müssen wissen, daß im Osten Tausende täglich umkommen; zuerst Herzen auf, Augen aus. Taschen auf! Opfern und immer wieder opfern! Wir müssen aufrusen zur Einheit und Hinweisen auf die jüdischen Gegenwart- - und Zukunftsaufgaben. Die Tagung vom 23. Januar ist nichts, wenn nicht die praktischen Auswirkungen kommen und man nicht die Gegenwartsaufgaben der deutschen Jugend erkennt. Wenn wir diese Aufgabe in den Händen von Führern wissen, die wir verstehen, dann haben wir die Berpfiichtimg, ihnen zu sagen, daß hinter ihnen Menschen stehen, die das gleiche Gefühl wie fie hoben. Hier kommt bas heiße Ringen, dem der Tag der Kasseler Tagung gewidmet wor, wo wir uns bemühten, einen Weg zu finden, der uns der richtige schien. Wir find jüdisch-religiöse Menschen. Ich denke an das Wort Tolstois: »Solle nur glauben und alles ist gut!" Mit dem heiligen Respekt vor jüdischen Dingen geben wir an die Arbest heran, dir sich gruppiert um das Dissen von der jüdischen Religio» und der Lehre unserer Geschichte. Wenn wir wissen, wck^ in unlerer heiligen Thora steht, wenn wir die jüdische Geschickte wieder!eirn c-.b uns vertraut machen mü dem langen Leidensweg, der mit dem Auszug aus Aegypten beginnt, der auch letzten Endes eine Folge des Autssenmismus war, bis auf den heutigen Tag, dann erkennen wir aus ihr heraus, was die jüdische Gegenwart bedeutet. Aus diesem Zusammenhang heraus wird man auch begreifen, datz alle Richtungen in unserem Judentum Bedeutung haben, daß jede bas beste will »nd in jeder ein Körnchen Wahrheit liegt. Dann wissen wir auch, daß wir nicht das Recht haben, den, der eine andere Richtung bat. z» bekämpfen. — Große Borträge, Arbeitsgemeinschaften find nötig. Wir habe« oder auch das Recht zu froher Geselligkeit nach getaner Arbeit. — Dies ist das Fundament, auf das wir unsere Arbeit aufrichten wollen, dies ist der Dille der jndgche» Jugend. Wir dürfen uns nicht länger emlulleu in Worte »nd Tate», die nicht hineingehören in unseren Kreis. Wir «alle» erkenne», daß wir im Verein nicht bte Jugendbewegung find, sondern daß das fich^-rnppieren soll mit de» I. I. W. B. Wir mulle» «kenne», datz ttilet» Vrbeit aufgrbaxt ist ans de» W De», 3Mb» und Dränge» der jitzchche» Eöchmt.' Mir fÄll eia B«rt e» uns der ErMhiumg mb An»zn« an» ten: „Mit chren Jungen u»d wM ihre. Wen mollen wn liegt ein tiefer Sin» darin, datz znerft die Iungen^genanut feb. Wir Jungen wolle» zeigen, datz ans gemeinsamer Arbest der Jungen und Wen die jüdische Zukunft beranswachse» «ird.