Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 116 (19.8.1921)
- Date
- 1921-08-19
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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258 Todesrnhe ist. nur einen Ruf: Zurück zur Thora. Es gibt nur eine einzige Jvrape: Können wir nicht gesetzestreu werden. oder doch wenigstens gesetzestreuer als wir es heute find? Berfuchen wir es. versuchen wir. immer näher zu kommen jenem Endziele. Gon wohlgefällig zu sein durch die Tat. Es wird mir der eine andere sagen: Das können wir nicht. Das wäre rür uns eine Lüge, eine innere Unwahrhaftigkeir. Aber da kann ich ihm antworten mit einem Worte, das. der leide.rve und sterbende Tolstoj zu Gorki gesprochen har. Als die Frage der Religion aufgeworfen wurde und Gorki erklärte, er iei Atheist und glaube nickt an Gott, da erwiderte ibm Tolstoj mir dem großen Vorn „Du irrst. mein Freund. man muß sich nur sagen: Ich glaube, und alles wird gut." Dieses riefe, weife Worr. Viests Dori der Zuwistckr. dieies Dort, das den Dckwacken und Dankenden ermutigt, endlich einmal fich den Ruck zu geben und anzufangen, das den Juden, dessen Kind beranwäckir. und ihm die Frage nabelegt, wie er es zum Judentum erziehen soll, veranlaßt, trotz eigenem, wie ick glaube, eingeredcien Unglaubens veranlaßt, die Schabbeslickier anzuAnden. euvas auszusprechen, das er selbst vielleicht — o des Irrtums! — für eine Lüge halt, nur damit das Kind vereinst im Innersten wahrer tverde als er selbst es ist: — das ist der Dea. der einzige, den ick für meinen Teil kenne. Meine Freunde, das mag Ihnen armselig erscheinen. Aber glauben Tie. es ist kein Zurück, es ift ein Vorwärts, zu bem :ck auirufe. Ich persönlich weiß nickt, wie 2 k zu bkk~ "Süzktl stehen, die ick gesprochen habe. Ich habe gerede:. w'e :ck reden mußte. Auch unter der zionistischen Jugend stedcnd. babe ick sa oft das Gefühl gehabt, .zwanzig Iabre zu ftüb geboren zu sein. Vielleicht bin ick auch hier heute zu ftüü gekommen mit dem. was ich gesagt habe: Aber, meine lieben Freunde, mit einem will ick schließen: Erkennen 2k erst einmal mir klaren, leidenschaftlich klaren Blicken, me die Tacke steht, erkennen Sie. daß eine Zeit am Dämmern m, auch für'uns Juden. Erkennen Tie, um fick blickend in Ihrer jüdischen Umgebung und hinausblickenv in die weite Dell, daß wir in einer Abenddämmerung der Meaickbeir leben, und fasten Tie ernstlich, mit erster utzd letzter Nackt, wie nur die Jugend sie hat, den Entschluß: Zurück zur Tbora l Dann mag das alte Geschlecht,, das alternde Europa in seinen verblastenden Abend dämmern und hftrabstnken in die tödliche Finsternis, wir aber wollen Mewcken der Morgendämmerung sein: Vor uns der Tag und hinter uns die Rackt! E m i l (5 o b n. Deutschland. Wochenschau T«tsachea tmb Ergebnisse 3.0.CAQ.0.3.CQ a_o_o.o_o_o.c_o^.o.o.Q.o.o,o:o.<Ao:o.o,o:o.oTo;o:o;oTo:o:o; 0.0 0000000000.0000000000 000000 .0.0.0. 2.2.0 O 0 Berlin. Der Hilfsverein der deutschen Juden, der nun ebenfalls eine Äkrion für die ukrainischen Juden eingeleirer hat, har stck an die Aguda mir der Anftage gewendet, in welcher Wette eine gewisse Gemeinsamkeit erzielt werden köunre Beide Organsfationen haben das Uebereinkommeu gnroftea. daß der Kriegswaisenfonds der Aguda fich ausschließlich mir der Fürsorge für die Waisen beschäftigt und seitens des Hilfsveräns die Garantie gegeben ist, daß der Kriegswaiienfonds den maßgebenden Einfluß auf die religiöse Erziehung der Waisen ausübt. Der Kriegswaisenfonds der Rauda beträgt schon in den ersten Bocken 6 000000 Mark. Mk»»iuM». 6. Slug. Am Samstag abend kam es hier, dem .Memmiüger BolKblatt^ zufolge, zu stürmischen Szenen. Eine SM&nengr zog vor dos Haus des Käfehändlers Dklheb» Rosackaum mrd verlangte von ihm. daß er die Milch billig für die Stadt liefern soll. Rosenbamn erLärte, i daß er die Milch täglich nach Nürnberg sende, und daher nicht! m der La« iei. nach Memmingen zu liefern. Es müßte chm erst von der Landesfetistelle eine Einwilligung hiezu verscharn werden. Rosenbaum versprach, seinen Einfluß bei den Käfern geltend zu machen, um billige Mflch m die Sradr zu liefern. Die Demonstranten sandten hierauf eine < neuerliche Deputation zu Rosenbamn, die von ihm die Zah- I lung einer halben Million Mark für die Armenkasse ver- I langte. Wabrend vieler Verhandlungen hatte fich die Marge vor die Villa Roienbamns auf mehrere hundert Pasonen \ erhöbt, aus deren Mine Rufe laut wurden wie .Heraus mit , dem Schieber!" .Heraus mit dem Juden!" „An den Galgen!" Die Deputation kehrte unverrichteter Dinge zurück und nickte die Menge zu beschwichtigen; es war aber umsonst. Die Laue schrien: „Alle JrckKn gehören an den iZalgen!“ Damm begab fich eine Deputation zum ersten Sraar-anwalr und verlangte die Verhaftung Rosenbaums. Vor der Billa erschien Bürgermeister Braun, um die Demonstranten zu beruhigen, was jedoch auch ihm nicht gelang. Die Situation wurde immer bedvohkcher und. Äs dann der Haftbefehl des Staatsanwalts eftttraf, forderte die Menge, daß Rosenbamn herauskomme. In großem Zuge wurde Rrfienbaum durch die ganze Stadt geführt, hiebei angefpucki. «prügelt und mit großen Kuhglocken angehängt und ausgelmue: unrer fortwährendem Anfchreien wie Lump, Schieber. Wucherer, Mörder ufw. Vom Marktpbch, wo dft Demonstrant Rosenbaum als warnendes Beispuck hingesteür darren, wurde er alsdann, schrecklich zugerichtet, ins l^ränanrs gebracht. Die 'r-chutzleute mußten alles aufbieren. daß Roienbamn nicht erschlagen wurde. Nach vieler Demonstration begaben fich die Lebens- I mrwelsemonstramen zma Pferdehändler Mar Guggeni feirner und pm Hadernhändler David Sommer, um auch I öorr Radau zu machen, ttotzdem die Letztgenannten mit dem I Handel von Lebensnürteln nichts zu tun haben. Die Demon-1 srranonen scheinen von langer Hand vorbereitet zu sein. Wie I ftsrstehr, soll die treibende Kraft ein gewisser Dr. Sirius, ein I in Memmingen ansäfliger Arzt, sein, der versuchte, die I Mafien auf die Juden zu Hetzen. Am gestrigen Sonntag I herrsch« in Memmingen wieder Rtche; trotzdem ist die I Stimmung in der Stockt erregt, so daß weftere Ausschvei-1 langen zu befürchten find, lieber die Ausschreitungen soll I bereits eine strenge Untersuchung eingeleitet sem. I Berk». Hier w«rbe a« 31. Juli die erste Beltkonferenz » Äefelichaft zur Ordern»g des Handwerks und der Laad-» rvirTschast »nier de» ^g&en ^Ort" eröffnet. Die Konferenz hat» a'.i loichnaste» Zweck die A»sgabe, eine zentrale Organisatwa I 'ür alle Dnfteb»»-e» der „Ort* zu schaffen, die bisher n*r von I einzelne» Komitees ^^eitet wurden. Unter den Delegierten I bennden nch viele Persönlichkeiten, die als leitende Männer I des jüdischen ö^entlichev Lebens in E»ropa und als prominente I Tivbiit brr rab ökmunoische» Arbeit bekannt find. sZiko). I SnnrbrLke». Herr Dr. Siegfried Alexander aus Lobfenz I in Po'en, z-Ietz: in Eöchen in Anhalt, wurde einstimmig zuml Rabbiner 7er Tyimgogeugemeinde des Kreises Saarbrücken» gewÄir. Herr Dr. Ä. wird das Amt am 1. September d. J.,I ab'o nrck rer den baden Feiertagen, antteten. I P»§L>. I Wurscha», 11. Äug. (JCB.) Swnislaw Neyman, Mit-I glied des Völkerbundes, hat fich währerch seines Besuches m» Polen dem bienge» Verrverer des „ftnqer LwowM" gegen-» über geäußerr. daß das Sekretariat des Völkerbundes auf» Imervennon der polnischen Regierung beschlossen habe, diel beim Völkerbünde eintanfenden Klagen m»-Beschwerden» jüdischer Orgamstmomen über die Lage der Juden m Polens» erst 2 Monate »uh deren Ueberreichnng, unter die MitgKe-» der des Völkerbundes zirkulieren zu laffer^ dmnit der podü-D scheu Regierung Getegeuheft geboleu werde, fich zu den» Beschwerde» zu «chern. Die Mitglieder des Bölke^uudes» erhalten daher die jüdischen Beschwerden zustmnnen mit der» awHvu oer ywiiyyi Ivegiemng. ■