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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-08-13 · 63 (13.8.1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
63 (13.8.1920)
Date
1920-08-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint jrkea Areitag v j»,« yreiS1 .iiO 9t. nta<(1. Fakezirhra »»ich finKi^c. Paßk»trr iktt karch ‘km vatraarrlai <a 8»»». VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt ■ajtitcakrtif: 1.50 K. fit kitattc« |t(k. Prtitzeil«. (■■}( Lrltr Umfaßt ISO Zette». Pastschrckkaata vatraaerl», «oaa, «»la «r. 74747. tzeraurgegeben von Rabbiner vr. girnik Kohn, Bonn? Schristleituug und Geschäftsstelle: Bonn, Brüdergasse 52. Kummer 63 ZSonn, 13. Dugust 1920. — 29 Flw 5680 \ 2. Jahrgang. für die Mener Rinder. Sprudrnringaug. Bochum. Siegst. Neubeck 20 M. >. (Kornelimünster. H. Andre 100 M.. Aug. Erne 10 Mark, Arth. Gottschalk 10 M., Geschlv. Äaufniaml 100 M.,- Isaak Kaufmann 10 M., Jonas Kaufmann 50 M., Jos. .Kaufmann sen. 20 M., Leopold Kaufmann 20 M. Dortmund. Gust. Roscnthal 20 M. Geilenkirchen. Frau Lichtenstein 20 M., Frau M. Meier 15 M. , Heppenheim. Isaak Tryfuß 10 M. M. Gladbach. Sollst Spier 50 M. Neuwied. Jakob Levh 50 M., Frl. Julie Lcstser 25 Mark. Insgesamt eingegangen 2430 Mark. Weitere Spenden erbitten wir auf unser Postscheckkonto Köln Nr. 74 747 Botenverlag Bonn mit dem Vermerk „Wstn".. „Jüdischer Bote vom Rhein", Bonn, Brüdcrgasse 52. aaaaaDapaoaouaaaDiaaoanaaoaaaDDaaaaaDaaa □ D g Mochenabschnitt ™n g D □ a a aaDannaaaaaaaDaaaiaDaaaaaanaoaaaDDaD^oaa Die unsterbliche Armut. — Weben sollst du ihm und laß nicht leid kein in deinem Herzen, daß du ihm gibst. Ten» darum allein wird dich segnen det l5wige, dein Wott, in all deinem Tun und in Mallem Werke deiner Hand. Tenn der Arme wird nicht schwinden inmitten deines Landes; darum gebiete ich dir also: Tu deine Hand auf deinem Bruder, deinem Türftigen, deinem Arme» in deinem Lande! 5. Mose, 15, lf^—11.' Es war kein.Land des Kapitalismus, keine tfeit sozialer Gegensätze, kein absteigendes Volk, dem diese Worte galten, sondern ein Land und Volk.ldem der soziale Ausgleich eine heilige Angelegenheit war, düs in. Sabbat- und Jnbcljahr Jahre der Befreiung, der Heimkehr und des elvigen Rechtes an Land und Leben bcjflfc. Und diesem Volke lvird gesagt, gar nicht trübe, gar nicht mit Betonung, aber mit einer eigenartigen Selbstverständlichkeit gesagt: „Der Arme lvird nicht .schwinden aus deinem Lande." Es'wird nicinals aufhören, Arme zu geben. Web so was sagtf stellt ein Gesetz auf, gibt eine Erfahrung, die ans Menschenaltern, aus Weltaltern stämmt. Das unterstl-eidet Mose von allen sozialen Theoretikern nach ihm. Er lvar der erste Sozialist. Auch deshalb einer, iwil er Theorien \ utib Doktrinen aufstellte, auf denen er wieder sein sozialwirtschaftliches und sozialethisches Gebäude aufbaute. Seine Lehre vom Volke Gottes, das unterm Joche Gottes gehend nicht Menschenjoch tragen dürfe, nicht sich selbst verkaufen, sondern nur seinen Arm vermieten dürfe: vom Laude- Gottes, das nicht selbst, sondern dessen Ertrag nur verkäuflich sei, das nicht Eigcittümer, sondern nur Pächter habe, — begründete sein (besetz vom Sabbat- und Julvljahr, in dem sein Sozialismus Ansduick und Wirklichkeit fand. 'Aber während alle sozialistiscl-en und kommunistijchen Weltt>erbessercr von heute von dem Grundsatz au» gche», daß Armut durchaus keine Naturnotwendigkeit sei. macht cs dem großen Sohne Amrams bei all seiner glülwi» den Liebe zur Menschheit nichts aus, zu l>ekennen: „Arme wirds immer geben." Wenn da» heute einer sagen lvollte, man lvürde ihn einen erzrcakliviiären Schuft ode?>Nmikii nennen. Mose hatK gesagk und der (yegcnbeioeis ist noch nicht erbracht. Die früheren Proletarier sind zlvar, heule keine Proletarier mehr, aber andere Stände sind gesluikc», und schließlich sind wir alle arm. Nun al»er — wie menschlich, schön sind die Schlüsie, die Mose zieht: „Tu alsw deine Hand auf deinem Bruder, deinem Armen, deinem Dürftigen!" Wie dem Menschen sein Schatten folgt, so folgt dem Juden sein Armv. Er braucht den Armen, >r>eil er ohne den Al men kein Mensch ist. Hat er ihn nicht, so muß er ihn suchen. damit das Gesetz erfüllt Ulcrdc: „Tu deine Hand auf deinem Bruder!" Non hier nahm jene geschichtliche Entwicklung ihren Ausgang, die-so l>eze1ch»end für die jüdisckte Seele wurde: Vom Schporrcr an, der am Freitagabend aus der Schul' mit nach Hause gebracht und an den Tisch gesetzt tvurde, bis zum „Täg"-Essee, der von Familie zu Familie wanderie. vom armen Sedergast bis zum Ehalukajuden in Jerusalem, von der reinen Mizwoh am Armen bis zur entarteten Schitorrcrzüchtnng, — ein Olesetz galt in jedem Falle: Es gibt keine theoretische, sondern nur eine praktische Mizwoh. eine Mizwoh ohne den Olegcnsland, an dem sie etfülli werdet? soll, ist ein Unsinn, ja. mehr als das. ein Unglück. Weh uns, wenn uns die Menschen fehlen jur Menschenliebe, die Armen zum Handauftun! Du mustl sorgen, das; du deine» Armen, deine» Dürsiigen hast, sonst kommst du um die Mizwoh, und ein größeres Unglück kann dir. I >nn deiner Ceeelc nicht widerfahren.^ Sollen wir deshalb jubeln und Gottlob sagen, daß es immer noch Arme gibt? Nur ei» Narr könnte da» schließen. Aber fcei allem Kampf für sozialen Ausgleich, für Gerechlig-. keit und Freiheit, den wir ivahrlich fühlen trollen mit Hingabe. Leidenschaft und Sehnsucht nach einer lwssere» Welt, in, bei allem Vorwärtswnchlcn der Welt duich Neugestaltung ihrer sozialen Gliederung und Arbeit, eins darf nicht vergessen norden: Die wahre Menschenliebe ist kein Deusen an die Plenschl-eit und kein noch jo tönendes Reden von Menschlichkeiten, sondcrw ein Ube» unter vier Auge», und lecim es. rein geübt lvird, sogar ein Gcheiiuni»;nviei Seelen, ei» stilles Abkommen und Erledigen izwische» dir und „deinem Armen", dir und „deinem Dürsiige»". die nie schwinden werden in deinem Lande. Wie Israel zu Gott und Gott zu Israel gehört, so gehörst d»;» deinem Almen und dein Armer zu'dir. Dies ist die irdische Spiegelung des göttlickw» Bundes vom Sinai. ' ' EmilEohn.

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