Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 57 (2.7.1920)
- Date
- 1920-07-02
- Page
- Seite 280 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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_ «Salka, meine einzige Schwester, kann ich dir jemals I dafür danken", rief sie unter Tränen lächelnd; „woher ist dir nur diese Eingebung gekommen? Gewiß, es ist eine himmlische Erleuchtung! Ich würde ersucht haben, an irgend etwas Gutes bei meinem Tun zu denken, und «nrmer wieder zu denken, ohne auf das wirklich Gute zu kommen. Salka, so wahr ich dich liebe, laß mich Heute kein Wort lvciter hören. Ich möchte cs mir cinprägen, tief und fest, ich möchte meine Sinne vollsaugen lassen von dem, was du soeben gesagt — unsere Feinde lehren, ztvingen, uns zu lieben! Welche Ausgabe hast du mir da vor Augen geführt! Wert, tausendfach das eigen«! Leben hinzugeben! Salka, über eines kannst du sicher sein — ich tverde dieser Aufgabe treu bleiben. Ich »vcrdc die Lol>gesänge des einzigen Gottes in fremden Landen singen, wie sic vor mir noch keiner gesungen. Glaube miv, mein Leben wird kein vergebliches getvcsen sein! Weiß ich es denn nicht? Ich werde manches Opfer bringen, manche Träne vom Antlitze rursevcs leidenden Volkes trocknen müssen, manches Heil- Pflaster aus seine brennenden Wunden legen, ehe ich hoffen darf. Versöhnung zu erlangen für die Wunde, die ich denen geschlagen, die mir das Leben gegeben." Sie brach ab uird lauschte hinaus; ein Reiter kam in wildem Galopp die Straße hergestürmt. „Das ist er", mul<meltc sie. den Zeigefinger an die Lippen gelegt; „höre nur. wie die Unruhe ihn hermntreibt. Komin, Salka; nenn die Mutter aufwacht, dann Nmndert sic sich, lvas wir hier so lange tun, freust du dich nicht? Rur noch lrenige Tage, uird du wirst es nicht mehr nötig haben, die Liebe der Mutter mit einer anderen zu teilen." Als Jankele a,n nächsten Morgen die Küche betrat, Nmrr er vor Schreck fast auf den Rücken gefallen; auf der Erde, dicht in naher Berührung mit der ganz-gemeinen Feuerzange, lag der wertvolle silberne Schöpflöffel, traurig, verbogen und ganz und gar reruachlässigt. lJortsetzung folgt.) imnrimm mirn immm rrmmn ri e; Don Kerg und Tal. - C cm i« ».i.rrm mTTim»i oTTTm'i i n rm - Kreuznach. Am 25. Mai hatten sich Kölner Damen und Herren des Vereins Jüdische Kinderheilstätte Bad Kreuznach und eine große Anzahl von Mitgliei^rn der Krerrznacl-er jüdischeir (tzemeinde in dein herrlich gelegenen Canatoriunr zusammengefunden, um mit einer schlichten Eröffnungsfeier die Heilstätte in Besitz zu nehmen. Tank der Opfcrwilligkeit der Kölner und Kreuznachev'Gemeinden und dank vor allem auch der eifrigen Mitarbeit der Damen und Herren des Kreuznachen Ortsausschusses war alles zur Aufnahme der ersten Gruppe von Schützlingen bereit. Dieses erste Mal waren nur ganz besonders erholungsbedürftige Kirider aus Köln selbst ausgetvählt worden. In der Begrüßungs- und Eröffnungsrede des Vorsitzenden des Vereins,' Justizrat Ludwig Cahen aus Köln, kamen die zwiespältigen Gefühle zum Ausdruck, die das Herz jedes Freundes des Unternehmens an diesem bedeutungsvollen Tage erfüllten, einmal die Sorge wegen der Beschaffung der notwendigsten Mittel, gerade in der Zeit schtverer Rot und einschneidenden wirtschaftlicheni Niedevdrucks, zum andern die Genugtuung über die schon erzielten Cuifolge, die dem Israelitischen Fraucnvcrcin in Köln und b<Vi nerktätigen Helfern sowohl in Köln wie in Kreuznach, in erster Linie dein leider kurz vorl>cr verstorbenen ersten Vorsitzenden Justizmt Du.Apfel aus Köln zu danken sind. An die Rede schloß sich ein wänner religiöser Weihespruch des Rabbiners Dr. Taivrogi aus Kreuznach, ferner eine Awsprvcke des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Kreuznach, Herrn Adolf Marr. Dann sprach der Vorsitzende des Ortsausschusses Kreuznach. Herr Albert Matter, ferner Frau Herz aus Bingen namens der Nachbargemeinde. Für die Genreiird« Mainz sprach Herr Kormnechienrat Kronenberger. Ten Schluß bildete eine Ansprache des Herrn Geheimen SanitätsratsDr. Suachach <ws Köln,.der «f die ärztliche Notwendigkeit des Kindecheilstätte hinwies und betonte, daß sie allen jüdischen Kindern ohne Unterschied offenstehen müsse pnd tverde. An die Feier schloß sich ein Rundgang durch die Anstalt. Schon am 23. d. M. traf die zweite Gruppe von Kindern ein, diesmal 60 Kinder, aus den verschiedensten Teilen der Rheinprovinz zusammengesxtzt. Meldungen aus dein ganzen Deutschen Reiche liegen vor, die alle, soweit eS eben möglich ist, berücksichtigt werden,sollen. Die Kistderheilstätte Bad Kreuznach wird sich,'das ist mit Bestimmtheit zu erwarten, bald zu einer der gesuchtesten Erholungsanstaltcn nicht nur etwa für arme Kinder, sondern auch für Kinder der mittleren und wohlhabenden Klassen entwickeln. Die Möglichkeit, den Genuß der heilkräftigen Quellen Kreuznachs im Heime selbst unter sachkundiger Aufsicht den Kindern zu verschaffen, die Lage der Anstalt, die Unterstützung der nigßgcbenden Behörden und vor allem auch der Kreuznacher Herren des Vorstandes, gesicherte kräftige Nahrung, die Leitung durch mehrere, in der Kinderpflege seit Jahren betvährte Schwestern und Kindergärtnerinnen, die Hilfe eines gewissenhaften Arztes, Gelegenheit zu Liegekuren, Sonnenbäder im Freien innerhalb der tveiten Anlagen der Anstalt, alle diese Umstände müssen die Aufmerksamkeit aller derjenigen auf die jbreuznacher Anstalt richten, die für das Wohl kränkliiher, blutarmer, unterernährter Kinder veranttvortlich sind. Es besteht die Absicht, die Kinderheilstätte das ganze Jahr hindurch offenzuhalten. Bottrop. Sonntag den 13. d. M. sprach hier Chawer Berggrün über die Lage der jüdischen Arbeiter in Deutschland. Mit großer Freude hörten alle jüdischen Arbeiter (meistens Bergleute) von der Nachricht, daß der Landesverband der jüdischen Arbeiterkulturvereinr in Duisburg überall Vereine gründet, um den jüdischen Arbeitem die Möglichkeit zos geben, sich zu gemeinsamer kultureller und sozialer Arbeit zusamnieirzuschließen. In der anschließenden Diskussion sprachen alle jüdischen Arbeiter ihr Bedauern aus. daß bis jetzt in dieser Hinsicht von keiner jüdisck)en Arbeiterpartei etwas unternommen worden ist. Es wurde sofort ein Verein gegründet, der öfters tagen wird. Die Aussichten für den Verein sind ganz günstige, da alle Mitglieder großes Interesse dafür zeigen. Köln. Am letzten Sabbat verabschiedete sich Herr Rabbiner Dr. Hanover von seiner Gemeinde, um nach Würzburg zu gehen. Seiner Abschiedspredigt in der Synagoge Glockcngasse folgten wanne Worte des Dankes durch Rabbiner Dr. Rosenthal. Am Nachmittag versammelten sich die zahlreichen Freunde des Scheidenden im großen Saale der Rheinlandloge zu einer schönen und herzlichen Feier, bei der ihm eine kunstvolle Adresse überreicht wurde. Butzbach. Hier starb der hochverdiente Lehrer Herr Spiro und wurde unter allgemeiner Trauer zu Grabe getragen. Rabbiner Du Hirschfeld aus Gießen widmete ihm am Grabe ergreifende Worte des Nachrufs. 8 8 Die Koteotasche. Herr Dr. med. L. in Berlin, der sich iiiuner auf sein ' „gutes Judentum" etwas zugute tat. gab zum Entsetzen -seiner Freunde seinem Neugeborenen die drei Bornamen Günther Heinz Wolsgang. Der als sehr witzig bekannte Rechtsanwalt G. stellte ihn darob zur Rede: „Wie kommen Sie als erklärter Jude dazu, Ihren Sohn Günther zu nennen?" — j.Ach, wissen Sie, tvenn so 'ne Frau so ckrliegt und einen Wunsch äußert —> —I" — „ScAm'gut, Günther, aber wenn schon Günther, warum noch Heinz?" — „Ja, «nein Bester, Sie scheinen nicht zu wissen, daß mein Vater Heinrich hieß!" — „Und Wolfgang? Warum, zum Donnernetter, warum noch Wolfgang?" — „Ich bitze sehr.