Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 2 (1920)
- Issue
- 48 (30.2.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- Seite 200 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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rung bezüglich der Gründung einer jüdischen Heimstätte in Palästina, die durch die britische Deklaration und die Zustiinmung der alliierten Mächte bcftntifli wurde, vollständig einig. Diese Einigkeit wurde von den verschiedenen jüdischen Depulationc», die letztes Jahr von der amerikanischen >to»»niisio» empfangen wurden, deutlich dokumentiert. Der Präsident des MunizipalrateS halte als Vertreter der Einwolmer Jerusalems, deren Mehrheit aus Juden besteht, kein moralisches Recht, an einer Demonstration, die gegen die Mehrheit der Einwohner gerichtet war, tcilzunchincn. Deshalb erklärt der jüdische Stadtrat, dass er vom 27. Februar li>2<> an den Munizipalrat nicht mehr als Vertreter der Fuden Jerusalems betrachte. Eine Mopic dieses Briefes n urde den englischen Behörden überreicht. Jerusalem. Tie Wahlkommission zu der jüdischen Delcgicrtenversamnilung gibt bekannt, daß das aktive Wahlrecht allen Juden zusteht. die-.in Palästina mehr als sechs Monate niedergelassen sind, und das pajsit'c denjenigen, die nicht weniger als ein Fahr in Palästina ansässig sind. lUdilcbe CSchtcr. Von Samuel Gordon. ttbcrlragung auS dem Enql. von M. Pulvermann. Berech lJortfetzung.) „Es ist eine eigene Sache mit den Frauen", sprach Anjchel. als er Aron in dessen Zimmer geleitete: „wie geidtirft die Frauen doch einer Sache aus dem Wege gehen lönnen. obieohl man genau weiß, daß sie sich unausgesetzt damit beschäftigen, lind doch — diese schüchterne Zurückhaltung. verleiht sie ihnest nicht einen eigenen, duftigen Reiz':"' „Fa. wirklich", war Arons Antwort, der nux halb hingehört Hane. Salka war behilflich, die Mutter ins Bett zu bringen, die aus Ihrem Halbschlummer erwacht war. „Fühlst du dich jetzt ganz behaglich, kleine Mutter?" fragte sie. „Fa, mein Kind. ich danke dir!" „Wünschest du noch etwas?" „Rein, außer Schlaf." „Dann darf wohl Zillah mit mir gehen, um mir zu Helsen, die Sachen iwder Küche wegzuräumen? Willst du, Zillah?" ..Gewiß — habe ich mich denn jemals geu>eigert, dir zu helfen?" Schweigend begaben sich beide Schivestern nach unten. Als sie die Gliche betraten, entfuhr Zillahs Lippen ein Ruf der Überraschung und des Staunens. „Du hast ja schon alles blitz und blank gemacht! Was ist denn hier noch zu tun?" Salka lächelte verschmitzt über die ihr gelungene List: dann aber sprach sie mit hollem Ernst: .„Oben konnte ich cs!dir nicht sagen, ohne die Mutter zu stören." „WaS hast du mir denn zu sagen?" „So viel, daß ich wohl schließlich nichts sagen werde, da ich nicht weiß, >vo ich beginnen soll. Doch zuerst sage mir. was ist denn gestern mit dir passiert?" Zillahs .Herz pochte ängstlich. Wurde sie etwa gesehen? Hat jemand sic Kobachtet? > „Wann denn? Wieso? Was meinst du eigentlich»?" stotterte sie verlegen, um Zeit zu gewinnen.! „(Gestern alwnd!" , ' ' „Ach so-—" sie atmete erleichtert auf. „Ich sagte dir doch schon, daß ich Kopfschmerzen hatte und glaube nicht, daß dieses noch weiterer Erörterungen bedarf." „Höre, Zillah". sprach Salka. ihre Schwester fest anblickeird,. „als ich gestern abend in unser Zimmer kam, beugte ich mich zu dir, um dich im Schlafe zu küssen; doch um deinen Mund war solch ein fremder, gehässiger, ja grausamer Zug. daß ich entsetzt zurückprallte. Ich hatte Furcht, du würdest mich beißen." „Fm Schlaf!" lachte Zillah mit beklommenem Herzen. „Zillah, wie kommt ein solcher Zug um deinen Mund?" fuhr Salka traurig fort, ohn^nur Zillahs gezwungenen Scherz weiter zu beachten. /Bis gestern hättest du vielleicht Beranlasiung gehabt, dich vernachlässigt oder zurückgesetzt zu fühlen, doch jetzt. . ." „Warum nur bis gestern?" unterbrach sie Zillah, mit gleicher Aufregung. „Weil ich bis dahin »deine Angst vor dem Manne, mit dem du dein yanzes Leben verbringen solltest, geteilt habe. -Es hätte ja ein Buckliger oder mit irgendeinem Gebrechen Behafteter sein könitcn, dder abstoßend im Aussehen oder Benehmen — seines Baters Berühmtheit war noch keine sichere Bürgschaft für die Tüchtigkeit des Sohnes, da wir aber init eigenen Augen gesehen, daß er schön ist, wie der Erzengel, daß er. . ." „Ftz er denn wirklich so schön?" fragte Zillah mit eisiger Kälte. , „Du darfst wohl so'fragen", antwortete ihre Schwester empört; „denn seit seiner Ankunft hast du ihn noch keines Blickes gewürdigt, und darum hast du auch noch nicht.bemerken können, tvie hungrig seine Blicke beständig auf dich gerichtet sind, und seine stumme Qual über deine^grenzenlose Gleichgiltigkeit, obwohl seine Stimmeso fest klingt und seine Reden so viel Ruhr und Selbstbeherrschung zeigen, du aber sitzest beständig da, in deinem dummen Buche vertieft, — als wolltest du dich zu Tode lesen." „Versucht habe ich es schon, Salka; aber es geht nicht." „Aber es erfüllt einen andern Zweck", redete sich Salka inehr und mehr in Zorn hinein; „es hält dich davon ab. den stillen Vorwurf,in den Augen der Mutter und die peinliche Verlegenheit aust dem Gesichte des Vaters zu bemerken. Und wenn ich auch noch Arons geduldiges, mitleiderregendes Lächeln.sehe, dann springen mir die Tränen in die Augen." lForlsetzung folgt.) Krnner Nachrichten. Bonn. Die zionistische Ortsgruppe Bonn beging am Dienstag abend im internen Kbeise^die Feier des zionistischcil Sieges auf der Konferenz zu San Remo. Zu Beginn verlas der Vorsitzende, Herr Goldreich, ein Telegramm der zionist. Vereinigung für Deutschland, in dem von dem Beschluß der Konferenz zu San Remo, Palästina zur nationnlen Heimstätte des jüdischen Volkes zu machen, Kenntnis gegeben wurde. Hierauf nahm Herr Rabbiner Dr. Cohn das Wort und feierte die Bedeutung dieses Beschlusses für das jüdische Volk, das «inen Wendepunkt ohne Gleichen in diesen Tagen erleb«. In dem Nietzschewort: Ruhe, Größe, Sonnenlicht sei das Sehnen des jüd. Menschen selten tief zum Ausdruck gekommen. Die Erfüllung dieser Sehnsucht nach ruhigem Schaffen, nach dein Geborgensein in einer Gemeinschaft menschlicher Größe und nach einem Leben heiteren Glückes crtvarte er von der Heimkehr des jüdischen Volkes. Die Ortsgruppe sandte ein Glückwunschtelegramm an die zionist. Leitung. — Am Samstag abend 8 Uhr spricht in der Fortbildungsschule in der Bornheinierstraße Herr Prof. Dr. Loewe-Berlin über das Thema: „Vor der Verwirklichung des-Zionismus." Bonn. Der Zcntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat zu S a m s t a g d e n 8. M a i Herrsi Dr. Eduard Strauß-Frankfurt a. Main für ciuen Vortrag über das Thema .^Jüdische Bildungsfragen der Gegenwart' getvonnen. Wegei« des Wertes und der Bedeutung dieser Fragen ivird s ch o n j e tz t aüf den am übernächsten Samstag in der Fortbildungsschule, Bonihcimerstraßc, stattfindendcn Vortrag aufmerksam gemacht. -t