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Jüdischer Bote vom Rhein · 1920-01-23 · 34 (23.1.1920) · p. Seite 42

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
2 (1920)
Issue
34 (23.1.1920)
Date
1920-01-23
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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— 42 — Erde, daß jede- Unrecht fortan den Mund verschließen, jede Bosheit wie Rauch von der Erde abziehe, und dt« Herrschaft de» Frevel» «stürzt wird; sondern umgekehrt ist der Gang der Entwicttung. Zuerst muß Gott durch die sieghafte Macht de» von ihm gewirkten Guten die Herzen aller Geschöpfe bezwungen haben; sie müssen sich wenigsten» im Willen und in der Sehnsucht nach dem Gottesreich vereinigt haben, so fest und entschieden, daß der Widerspruch auch der Letzten — verstummen muß. über da» Israel dieser-Endzeit regiert dann^ein Davidssproß. sein« Leuchte sttahlt durch die Welt, uno sein Land Palästina frohlockt. Aber über Israel und der ganzen Welt thront ein Höherer, der Heilige Gott, „der^heiltgt wird durch Gerechtigkeit". Eine merkwürdige Gedankenreihe, Kette und Einschlag nicht von gleicharttger Beschaffenheit, teil» universale ML national. Gott erhöht seinen Gesalbten, nicht damit dieser Gotte» Werk Vollfuhre, sondern das langwierige. erst in Jahrtausenden zu erhoffende Werk im geistigen Zentrum der Erde verwalte. Geheimnisvoll der Weg. fernliegend das Ziel, im Dämrnerschein die hochthronende Zionsburg. - Am Neujahr und Versöhnungsfest sieht der Jude durch die wallenden Schleier der Zukunft, versetzt fick mit kühnem Geistrsflug, der Sehnsucht de» Herzens folgend, an ein herrliches Ende, da die Waffen gefinkt find, die irgendwo Völker, Rasten, Bekenntniste. Klassen, oder Einzeme gegeneinander erheben. Kann es einen besteren Vortrupp für den vielgenannten Völkerbund geben, als die Gemeinde Israel mit solchen Idealen? -- In dem nicht minder berührten Olenu l'schabbeach, dem später die Ehre zuteil wurde, jeden Gottesdienst zu beschließen, ist der letzte nattonale Einschlag verloren gegangen; da ist kein Davidssproß mehr und nicht einmal ein Zion. - Die ganze Welt soll ein Zion sein, und Gott ihr allgewaltiger Herr und König. Noch dient Israel allein mit stolzer Demut dem Einig „Einzigen, trägt geduldig fein Joch, trotz Schmähung und Hohn. Folterqual und Tod; aber es weiß, daß fiinem Weltengott sich einmal-die ganze Welt zu Füßen legen wird. Darum hofft es unermüdlich und mit rührendem Optimismus, kindlich tteu. daß der Tag der Tage anbrechen werde, da Greuel und Götzen zertrümmert am Boden liegen, und das Reich des Allmächtigen aufgerichtet ist. Es ist die Zeit, da „jede Zunge Gott allein schwört, jedes Knie nur vor ihm sich beugt". Ist ein schönerer Glaubensfriede denkbar, eine schönere Einheit im Heiligsten, was der Mensch besitzt, in fiiner Sehnsucht nach dem Göttlichen?! Fast zu schön, um mehr als Traum zu fiin, und doch schon allein durch die Macht des Gebets in den heiligsten Stunden des Jahres von unenneßlicher Wirksamkeit. * Still und demütig kehrt der Betende am Versöhnungstage in den fünf Gebctszeiten von solch hohem Fluge zu sich filber zurück; er nennt sich Staub und Asche, und ein Gefäß voller Scham und Reue.. Und mit stilleren Lippen bittet er zuletzt, daß selbst die Zunge sich nie mehr versündig«. und die höchste Selbstverleugnung übe, zu Beleidigungen zu schweigen, gegen Frechheit sich nicht mehr zu empören, ja gegen alle aus Demut der Seele dem Staube gleich zu werden. Nicht Feindesliebe, aber Feind«-Überwindung, Sieg über sich filbst, damit der Friede triumphiere. — Durch solche Gebete fürs Leben immer neu geweiht, ist es dem Juden tief in» Herz ge-, prägt, da» Panier der Menschenliebe zu entfalten; und flir alle befreundeten Fragen über fiin unbegriffines Dasein. Leiden und Wirken die rechte Antwort zu besitzen: mipne darke scholaum. „Wegen der Wege des Friedens." -M» ®tl. Reuenahr. Am 1. Chanuka-Abend sah man nach vielen Jahren wieder die jüdischen Gemeinden der Ahr zu einer schönen Feier versammelt. Nach einem kurzen Prolog eröffnet« «in sinnige» Chanuka-Festspiel mit Lichtzünden den Abend. In bunter Folge reihten sich musikalische, humoristische und dellamatorische Vorträge, die allgemeinen Beifall fanden. Max und Moritz riefen als die alten, böfin, lustigen Buben größt« Heiterkeit hervor. Ein entzückender Reigen „Eine Tanzlektion von anno dazumal" erinnerte un» au die guten alten Zetten, die Zeiten de» Menuett» und der Gavotte, die schöner und bester waren al» di« de» »Fox-Trott". Ein fihr flott gespielte» mus.-humoristische» Theaterstück beschloß da» gut zusammengefiellte Programm. Eine reichhaltige Tombola, sowie amerikanische Versteigerungen sorgten dafür, daß auch der gute Zweck der Veranstaltung erreicht wurde. Ein gemütlicher Ball beschloß den Abend, von dem sämtliche Teilnehmer befriedigt nach Haufi gingen. Do» Komitee konnte eine bettächtliche Summ« zu wohltätigen Zwecken überweisen. Krefeld. Welch hervorragenden Platz ein Jugendverein im jüdischen Gemeindeleben einzunehmen vermag, bewies aufs schönste der Verlauf de» zehnjährigen Stiftungsfestes des Krefelder JugendveretnS „Moses Mendelssohn". Der Besuch von nahezu 1000 Personen zeugte für das rege \ Interesse und die herzliche Sympathie, die dem Verein von jedermann «ntgegengebracht werden. Eröffnet wurde der Festakt, der erst« Teil des Programms, durch Vorträge zweier jüdischer Künstler, des Konzertmeisters Herrn Darius Strauß wie des Oprensängers von Stadtheater Krefeld, Herrn Woog. Es folgte ein, das Wirken des Verein» würdigender Prolog, gedichtet von Alfied Levi, gesprochen von Frl. Ella Levi. Er bildete die Einleitung zu der Begrüßungsansprache der überaus verdienstvollen und rührigen Vorsitzenden, Frl. Paula Nußbaum. die in höchster Anerkennung der Verdienste des Vereinsgründers, des Ehrenvorsitzenden Herrn Oberrabbinrr vr. Levi. sowie des den Heldentod gestorbenen ehem. Leiters, R.-A. 0r. Rath samt der zahlreichen gefallenen Mitglieder gedachte. AuS den Antworten der zur Beglückwünschung erschienenen Vertreter der Gemeinde, der Loge, deS Frauen- und des Zentralvereins Nang immer wieder die Freude über die Leistungen des Vereins innerhalb der Gemeinde hervor, daß er in harmonischer Verbindung von ernsten und flohen Stunden seine Mitglieder eint, sie mit den reichen Schätzen des Judentums vertraut macht und ihnen das Bewußtsein der Zugehörigkeit zu unfirer Gemeinschaft hebt und stärkt. Diesen von weihevoller Stimmung erfüllten ersten Teil löste ein bunter Teil ob, mit Geschick und Geist geleitet von den Herren Lion und Barsdorf. Tanzaufführungen von hohen ästhetischen Reizen, sowie muntere Rezitationen und Szenen schufen die rechte Laune zu dem anschließenden Tanzvergnügen, das die große Menge der Teilnehmer bei romantischer Kerzenbeleuchtung — mangels anderer — noch lange zusammenhielt. Sie alle überzeugte die Veranstaltung von n«u!cm von der Lebenskraft des Vereins und dem von bester Zuversicht getragenen Willen seiner Leitung. Ein herzliches Glückauf zum Heile des Judentums! 'Wiesbaden. Unter Leitung des Herrn Rechtsanwalt vr Landsberg hat sich Anfangs Dezember hier ein Ort»- ausschuß des Hilfswerks für Palästina gebildet. Diefir Ausschuß veranstaltete in der Zeit vöm 14.—18. Dezember eine Aufbauwoche. Im Kunstsalon Aktuaryus wurde eine Ausstellung veranstaltet, in der Palästina im Bilde gezeigt. Palästina-Literatur auSgelegt und vor allem Werke jüdischer Künstler wie Jofif Israels, 'Hermann Struck, Jofif Budko, Melly Joseph, Käte Baer-Freyer ausgestellt waren. Die Ausstellung war mit vielem Geschmack und Kunstverständnis arrangiett und wohl von allen für jüdische Dinge und jüdischer Kunst interessierten Juden unfirer Stabt besucht. Am 14. Dezember fasid «in jüdischer Kunstabenv statt, den 'Rechtsanwalt vr. Landsberg mit einer Ansprache eröffnet«. Frl. Henny Weil-Mainz rezitierte aus Werken jüdischer Dichter. Herr Oberfantor Nutzbaum trüg jüdische Volkslieder vor, und die Herren Adolf Meyer und Robert Sulzberger brachten jüdisch« Musikstücke zu Gehör. Al» letzte Veranstaltung fand am 16. Dezember «in Lichtbildervortrag über Palästina statt, in dem Herr vr Prager-Kassel an Hand einer großen Zabl schöner Lichtbilder einen Wer« . blick über'da» neuerstanvene'iüdische Leben im alten Land«

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