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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-09-12 · 16 (12.9.1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
16 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. :? i 9m erscheint jr»en Freitag : »«,«,«preiö: »0 Pf. monatlich: »rtnkttonaschluß: Mont«, -den»: P,ftsche«°nt, »»ln Rr. 74747. - vom Rhein Jüdisches WolKsblatt! Anzrlgenprrt»: 8b Pf, di« vier» 1! gesp.Prtitzeile - »l. An-rlg. bvPf. j j Bet Wiederhol, rntspr. Ra». - Ln-1 : zetzenannahmr Vi» Montag mittag g heraurgegeben von Rabbiner Or. Lsh», Bonn. Schrifileiiun- und Geschäftsstelle: Bonn, Tempelstrahe j2. Pvmnter 1V Wenn» IS. September ISIS — 24 KÜ'rrl.' 5679 1. Jahrgang. InhaU: Zur griSlltften Beachtung! — Einfach! von Evitl iiohn. — Wochenschau. — D!« Juden in Sorra. — Dir Ergeh niste der Sammritütigfeil de« gadischro Rationalsoad» im ersten Helbjahre 1919. — Jüdische Jugenderziehung — Sonserrnr de« rheinischwestfälischen Rabbmervrrbandet. >— Bon Berg und Tai. — Der Sarsunkei von L. »ompen. — And der Bolrntasche gefallen usw. Freunde des Boten, werbt dm Boten neue Freunde! Zur gefälligen Beachtung! Mit dem 1. Oktober 1919 beginnt ein neucS Biertcljahr. Wir bitten unsere geehrten Abonnenten um baldigste Erneuerung des Abonnement«, damit in der Lieferung keine Stockung «jntritt. Das Abonnenient fstr das letzte Bierteljahr 1919 in Höhe von M. 1.65 einschl. 15 Pf. Bestellgelb bitten wir. uns auf unser Postscheckkonto Köln dir. 7474? Botenverlag Bonn einzüzaHken. Dl« €k»cb9m$l«ll«. Wochenakschaitt d^x:. einfadil Denn diese» Gebot, da» ich dir heute befehle, ist nicht zu wunderbar für dich und nicht zu fern. $» ist nicht im Himmel, daß du sagest: „Der steigt für un» in den Himmel hinauf und holt es un», daß er es un» verkünde, und wir e» tun?" E» ist auch nicht jenseit» de» Meere», daß dp sagest: „wer fährt für un» über» Meer und holt «» un», daß er es un» verkünde und wir e» tun?" Sondern sehr nah ist dir da» Wort, in deinem Munde, in deinem Herzen, daß du e» tuest. 5. Mose 80, 11—14. Alles Große ist einfach! Nicht zu hoch und nicht zu fern. Nicht oben im Himmel, daß man's erst herunterholen muß, sondem irdisch und menschlich. Nicht jenseits des Meeres, sondern hier bei dir, ganz nah bei dir, mit Händen zu greifen, iw deinem Munde,, deinem Herzen, deiner Tat. v - So einfach wie unsere Thora. Als Unser Lehrer und Meister Moses am Rande des Grabes stand, sein Leben erfüllt, sein Werk vollendet sah, da sprach er dieses letzte, weise Wort, "das nicht nur besagen wollte, wie innerlich befriedigt er sich fand, sondern auch lvieder einen ewigen Maßstab aufstellen wollte für alle menschliche Größe auf Erden. Das Wunderbare, Feme, Verstiegene, Hergeholte ist niemals das tziroße. Alles Große ist einfach wie das göttliche Gesetz. Hört den Redner dort! Lest doch diesen Dichter! Schaut euch bas Bild jenes Künstleran! .Auch sie geben euch so etwas wie eine Lehre, die Thora ihres irdischen Mundes, ihrer gereimten Lippen, ihrer schaffenden Kunst. lerhand. Aber alles, was fie reden, dichten, schaffen» wird wirksam und dauemd erst dann sein, wenn es dem Maßstabe ewiger Schlichtheit standhält, den Moses, Einser Lehrer, hier aufgestellt. Eins ist schade: Daß die tausendköpfige Menge fich nur zu gerne blenden läßt. Unter hundert einer, der den Diamanten vom Kiesel zu scheiden, den metallenen Klang der Echtheit zu vemehnien weiß. Ter Ungebildete fühlt fich nur zu oft überwunden, wenn er nicht versteht, der Halbgebildete geschmeichelt, daß man ihm das Verständnis des Unverständlichen zutraut. „Das versteh ich, also kanN's nicht taugen", schließt der eine; „das ist einfach, also ist es banal", achselzuckt der andere. Und der gewissenlose Windhund, der die Witterung des Wildes hat, dessen Beifall er fich erjagen will, der Redner, der nichts als das Händeklatschen hören will, der Dichter und Künstler, dem es nur. um das Bravo der Menge, nicht aber um die Wahrheit seines Herzenzu tun ist, sie hüllen sich nur zu oft in den Nebel der Unverständlichkeit und umgeben fich mit dem Nimbus orakelhafter Tiefsinnigkeit, die der Menge inuner schmeichelt. Es ist immer so gewesen, dgß die wirklich großen und begnadeten Redner und Künstler all ihre Menschenliebe aufbieten mußten, um nicht zur Verachtung der Menschen zu kommen, die sie den Helden der hohlen Phrase und des tönenden Schwulstes mindestens ebenso laut, wenn nicht noch lauter zujubeln hörten als dem echten Ausdruck ihres-reinen und überzeugten Herzens. Und ein anderes ist dapvelt schade und jedem, der sich noch seinen geraden Verstand bewahrt hat, wahrhaft beängstigend: Daß der Krieg und sein Grauen alle menschlichen Gefühle erschüttert und aus dem Gleise gehoben hat. Aumal die Jugend, die ja das Recht hat, ihren Gefühlen freieren Lauf zu lasten, ist heute in ihren Gedanken, Gefühlen, Strebungen exaltiert und hemmungslos lvie nie. Sie schwört auf eine Kunst, die fie modem nennt, die aber nichts ist als der Ausdruck letzter Wildheit, letzten Taumels imd letzter Brunst. Sie schwört auf Richtungen, die dqs Gebot der Unbedingtheit an sie stellen, und flucht jedem Tun, das nicht durch äußerste Opfer geweiht ist. Und sie hat alles überrannt, was vorher dagewesen ist und gegolten hat. Da ruft uns unsere alte Thora zur Besinnung zurück: Der Maßstab wahrer Größe ist die Einfachheit. Hab Vertrauen zu deinen fünf Sinnen und zu deinem gesunden Verstände!-. Was der. nicht begreift, das taugt nichts, mein Lieber, eS fei denn, daß es sich um wirklich gelehrte Dinge handelt, zu deren Verständnis nun freilich eine Fachbildung gehört. Was aber der Redner redet, der Dichter dichtet,

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