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Jüdischer Bote vom Rhein · 1919-07-18 · 6 (18.7.1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
1 (1919)
Issue
6 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheint mit Erlaubnis der britischen Militärbehörden. Der „Bote* erscheint jeten Freitag Bezugspreis: 60 Pf. monatlich RedattionSschluß: Montag abend Postscheckkonto Köln Nr. 74747. vom Wischer Doltsblatt m Anzeigenprii»: 86 Pf. die vier» i geip. Petitzeile - Kl. Anjkig. 60Pf. r Bet Wiederhol, kntspr. Rab. - An.» zrigmannahme biS Montag mittag r für die Rbeintfcben Lande, Bonner Gemeindeblatt für das Rbeintal* Siegtal, Hbrtal ulw. herauLgegeben von Rabbiner Or. E»il Lsh«, Bonn. Lchriftleitung und Versand: Bonn, Tempelstraße s2. Kummer 6 ^_Norm, 11. Juki 1919 — LS Tammus 5679_j 1. Iahrguug. Lnhalk: Wochenabschnttt. — Wochenschau. — Dir Sprachen frage der Juden III von Georg Landauer. — Litern und Sinder von Dr. Wiener. — Kriegerisches Prophetentum von Emil Loh». — Bon Berg und Dal. — Der Bote erzählt: Di» Antipoden. — AnS der votrntasche gefallen. — Der Bonner «rmrinde^otr. — Bücherschau. — Der BerrinSbotr. — Freie Lrhrrrstellen. — Sakrnprr der Woche. — LottrSdienst in Bonn und Beuel. — Jahrzettrn. Zreunde der Voten, werbt dem Voten nene Keunde! / i An unsere KrMer und Inserenten. Bei allen Einzahlungen bitten wir, sich unsere- Postscherükonlos Köln Nr. 74747 , »Votrnvrrlag -Bonn, Or. EmU Lohn Jüdischer Bote vom Ltzrin" zu bedienen. Bei den schwierigen Postverhältnissen ist der Bezug deS „Boten" au« sichersten durch Bestellung direkt beim Postamt gewährleistet. Sollte, was möglich ist, da- Blatt doppelt geliefert werden, so bitten wir um sofrrtige Kochricht. 1 MOcheaadfchAitt pdu. Balak, der , Sohn HippvrS, aber sah alle-, wai Israel den Lmoriten getan hatte. Da fürchtete sich Moab sehr vor dem Bolle, «veil eS so groß war, und eS graute Moab vor den Kindern Israel--Und er sandte Boten 0an Bileam, den Sohn Beor», nach Pethor am - Strome, wo daS Land feines BölleS loar, um ' ° ihn zu berufen, und sprach zu ihm: „Siehe, ein Volk ist auS Ägypten gezogen, eS bedeckt die ganze Oberfläche deS Lande- und liegt mir gegenüber. Run komm', verfluche mir diese- Soll, denn e» ist mir zu mächtig, vielleicht kachi ich eS dann schlagen und auS dem Lande «reiben. Denn ich «veiß: wen du segnest, der ist ' <J gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht.' _4^Mose» 22, 2-6. Ein alter Bcduinenhäuvtling von vor 3000 Jahren steht auf einer Bergziyne an der Grenze seines Landes und blickt in die Wüste hinab, wo er unübersehbar weiße Zelte schirmnern steht. Da kommt ihn ein Grauen an vor der ameWtzleichen Menge dieses fremden Volkes, und er sendet zu dem großen Zauberer im Norden: „Komm', verfluche mir Israeli" —^Und Mleam kommt und segnet, statt zu fluchen. Da führt ihn der entsetzte Häuptling von Hügel zu Hügel, von Ausblick zu Ausblick, aber wohin immer Bileam kommt, überall wandelt sich ihm im Munde der Fluch zum Segen: „Wie soll ich fluchen, wo Gott nicht flucht? Wie soll ich zürnen, wo der Ewige nicht zürnt?" Ein gewaltiger Glmrbe ist in Balak, dem Sohne Zippors, dem Häuptling von Moab, zum bohrenden Aber, glauben geworden: Der Glaube an die Macht des Segens und des Fluches. Dieser Glaube hat Israels VoMlebe» durch alle Zeiten mit einer tiefen Treue begleitet: Beim EH?«den und Meiden des Lebens und des Todegaben die Väter, gaben Abraham, Jsak, Jakob, Moses, David, Saloino und alle Helden und Führer ihren Kindem oder ihrem Volke den Segen. Dieser Segen war nichts als eine Mitgabe, durch diese Mitgabe Rieb der Abschiednehmende gegenwärtig und der Sterbende am Leben. Eine Hand legte stch aufs Haupt oder breitete sich über die Häupter, sie nahm durch, die einfache und schlichte Handlung der Auflegung Besch von einer Zukunft, die nicht ihre Zukunft, und von einem Leben, das nicht ihr Leben war. Nicht durch die Handlung, die geschah, war dieser Besitz verbürgt, sondern allein durch den Glauben, der sich mit ihr verknüpfte. Und dieser Glaube war lebendig, stark und unzerstörbar durch alle Geschlechter. Entschwunden der Glaube, entschwunden der Brauch Wie viele benschen noch ihre Kinder? Wie viele glauben noch an den Segen von Vater und Mutter? Und doch ist das einer der schönsten und adligsten Bräuche, die es^ibt. Seine Form schon ist vollkommen, denn waS gibt es Schöneres zu sehen, als die Hände eines Vaters auf seine- Ätn« des Scheitel? Aber noch vollkommener ist seine Macht. Er zwingt das Kind, Kind zu bleiben, so lange es gebenlchch wird. So lange der Sohn sich der segnenden Hanh des Vaters nicht entzieht, so lange bewahrt er sich die Reinheit seiner kindlichen Gefühle. Wer von Kindesbeinen an vom Vater gebenscht worden ist, der kann sich dem gar nicht entziehen. der bleibt dem Vater, der Mutter, dem Elternhause erhalten, auch wenn seine Füße ihn bis an- Ende der Erde tragen. Deristiicher. Der wird auch nicht abtrünnig loschen. Ja, die segnende Hand des VaterS hält eiserner und unverbrüchlich« am Judentume fest, als irgend eine noch so leidenschaftliche Überzeugung. Und zuletzt verbürgt diele selbe Hand eine Sauberkeit deS Familienlebens, wie nichts sonst sie verbürgen kann. Freilich, ein Maube muß dabei sein, und du glaubst es nicht mehr. Du kämest dir lächerlich vor, solltest du auf einmal wieder mit dem Benschen deiner Kinder anfangen.

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