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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1938-11-01 · 9 (1.11.1938) · p. Seite 17

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1938
Issue
9 (1.11.1938)
Date
1938-11-01
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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Mitteilungen Des üüöifrfjen fedreroereins für flapern 1938 Schriftleitung: Max Adler, München München, 1. November 1938 Nr. 9 Gibt es eine Urgemeinschaft der Sprache? (Fortsetzung) Der andere Einwand, solche Übereinstimmungen als Schallwerte zu erklären, versagt bei der Fülle der Gleichungen, die die neueren Forschungen über den Parallelismus der gleichen Sprachwurzeln zutage gefördert haben. Man könnte schon glauben, daß zufällig ein Wort, gebildet nach der Lautmalerei, in 2 oder mehreren Idiomen auf Grund der Onomatöpoien dieselbe Bezeichnung hat, so etwa wenn im Griechischen das Wort Klang-e, das lateinische Klang-or, das mandschurische Kalang, das chinesische Kialang soviel bedeuten wie das deutsche Wort Klang. Aber nicht erklären lfiBt sich mit dem Hinweis auf Lautmalerei die Ubereinstimmung ^wiwhejl (km pngli«rhi»n galL--(Sammy)? Ami griechischenKal^CO (rufen) und dem hebräischen Kol. (Deutsch: gellen, Nachtigall, niedersächsisch kollsen reden). Die Vereinung der Urverwandtschaft mit dem Hinweis auf Schall- oder Lallworte versagt auch, wenn wir beispielsweise gegenüberstellen das griechische Pallak-is (Kebsweib) mit dem Hebräischen Pileg-es (Kebsweib), das griechische Bom-os (Altar) dem hebräischen Bam-a (Opferhöhe), das griechische Chit-on (Tunika) dem hebräischen Chiton-es (Tunika). Die Unzulänglichkeit des Einwandes vom Zufall läßt sich beweisen, wenn ganze Wortreihen in mehreren Sprachen miteinander übereinstimmen, wie in den im Vorausgegangenen aufgeführten Tabellen, die übrigens nur einen kleinen Bruchteil des parallelen Wortschatzes enthalten,' bereits aufgezeigt ist. Jedenfalls versagt dieser Einwand gegenüber ganzen Wortketten, die in verschiedenen Idiomen parallel laufen. Das hebräische Keren (Horn) heißt im Aßyrischen Karnu, im Lateinischen Cornu, und das ähnlich klingende hebräische Goren (Tenne) heißt im Arabischen Garana, im Lateinischen Gran-un. Der gleiche Klang der Worte Keren und Goren im Lateinischen wie im Hebräischen weist auch noch auf eine geheimnisvolle Verbindung der beiden Worte hin, läßt vermuten, daß beide Worte in allen diesen Sprachen auf eine gemeinsame Urform zurückgehen, daß Horn eigentlich das Stoßende und Korn das Zerstoßene bedeutet. Zufall können wir hier mit Spinoza mit Recht die Ausflucht der Ignoranz nennen. Wer jemals 2 Sprachfamilien wie die indoeuropäische und die semitische gründlich verglichen und auf Grund von H. Möllers ethymologischem Wörterbuch erkannt hat, wie zahlreich und'wesentlich die Gleichungen sind, wie exakt die meisten, kann nur lächeln, wenn "angesichts solcher Tatsachen noch von Zufall geredet wird. Schon Friedr. Delitsch, der nur 100 Wortstämme in den beiden Sprachfamilien verglichen hatte, kam zum Ergebnis, daß die Möglichkeit eines Zufalls völlig ausgeschlossen ist. Auf Grund der neuerlichen Forschungen darf ohne Übertreibung behauptet werden, daß heute im Indogermanischen und Semitischen mehr als die Hälfte des gesamten Wortschatzes als urverwandt beweisbar ists—:—;—-: ' Gewiß spielt in der Wortbildung in den verschiedensten Idiomen auch der Zufall einmal eine Rolle. Ein solcher Zufall liegt vor, wenn etwa das deutsche Wort „Nachlaß" gleich klingt mit dem hebräischen „Nachlath", was in beiden Fällen die Erbschaft bedeutet. Daß hier wirklich nur ein Zufall, keinerlei sprachliche Übereinstimmung vorliegt, ist für jeden Kenner sofort ersichtlich, wenn man bedenkt, daß das deutsche Wort von dem Stamm lassen, das hebräische Wort vom Stamm nochmal abzuleiten ist. Auch um Wanderworte (Lehensworte) kann es sich bei der Fülle dieser Gleichungen nicht handeln; wie hätten solche Wanderwortc ins vorcolumbische Amerika oder zu den Bewohnern der Südscc gelangen können? Folgende Wortgleichungen können doch gewiß nicht auf bloßem Zufall beruhen: Samoanisch PENIN-a (Perle) AIL-a (Hirsch) TUM-u (voll) TAP-u (verboten) ■ V. -: - Hebräisch PENIN-a (Perle) u AI. (Harsch) TOM (vollendet) TA'AB (Greuel). Wenn auch manche der Gleichungen auf Wanderworte zurückzuführen sind, wie z. B. für das Wort Kamel (hebr. Gamal) oder Sack naheliegt, so kann unmöglich die Üebereinstimraung durch Wanderworte erklärt werden, wenn in den Indianersprachen des voreolJmbischen Amerika das Grenzgebiet (deutsch Mark) im Indinanischen Marka heißt, oder wenn für Gott und Gotteshaus bei den Azteken dieselben Bezeichnungen gebraucht werden, wie in den germanischen Sprachen: Altmexiko: TEO-tl, Griechisch: THEO-os Gott. Dies nur einige Beispiele aus vielen.' Kenner des altägyptischen (hieroglyphischen) Wortschatzes waren der Überzeugung, daß das Altägyptischc die Mutter der Negersprachen sei. Indogermanisten kamen zur Überzeugung, daß das Altgriechische und Lateinische mit dem Ägyptischen verwandt sein müssen. Als gegen Ende des vorigen Jahrhunderts das Sumerische entziffert wurde, glaubten die Assyrologen hier die Ursprache 'der Menschheit gefunden zu haben. Schon aus dieser VerschiedenhgjiS* der Auffassung ist man berechtigt den Schluß zu ziehen: wenn verschiedenen Größen je 2 beliebige einander als sich gleich ol ähnlich erkannt werden, so ist damit die Gleichheit oder Verwand J schaff der sämtlichen Idiome erwiesen. ...... » Die Indogermanistik hat sich bisher auf das Dogma beschränkt, daß nur die indogermanischen Sprachen miteinander verwandt, voneinander ableitbar sind. Zu welchen verfehlten Entschlüssen sie dadurch kommt, weist Wadlcr treffend an einigen Beispielen nach: Die Indogermanisten wußten den Namen „Gau" nicht zu erklären und versuchten ihn in Zusammenhang zu bringen mit dem Lateinischen aqua (Landschaft am Wasser). Diese Ableitung ist ein treffender Beweis, wie die Indogermanistik irrt in der Ethymologic ihrer Stämme, wenn sie nicht hinüberschnut in den verwandten Sprachschatz anderer Idiome, auch flexionsfrcmder. Liegt nicht die Beziehung zu dem Semitischen Gai (Tal) viel näher? — In der neuesten AufInge des ethymologischen Wörterbuches der deutschen Sprache von Kluge wird das Wort Schraube (engl, screw) untersucht. Woher wird es abgeleitet? vom lateinischen Sus SCROFA (Mutterschwein)- denn das Schraubengewind ist „geringelt wie ein Sauschwanz". Solch gewundene Erklärung ist garnicht notwendig, wie brauchen nur die Synonyme in flexjonsfrcmden Sprachen suchen: klingt das Wort Schraube nicht an an lateinisch Serp-cns, an das hebräische sarnp (Schlange)? ist es nicht die Serpentine, die Schlangenwindung? (Fortsetzung fo!gtt)i Bekanntmachungen Bck. d. Staatsrain. f. Unt. u. Kult. v. 7. 9. 38 Nr. VIII 51147 Uber den Schulunterricht an Feiertagen 1 1. Künftig sind an den bayrischen Schulen nur mehr die Sönn-' tage und die im Rcichsgcsctz über die Feiertage vom 27. Februar 1934 (RGBl. I. S. 129) erschöpfend festgelegten Feiertage unterrichtsfrei. Diese Feiertage sind: t, der l_Mai (Nationalfeiertag des Deutschen Volkes), 2. der Neujahrstag, 3. der Karfreitag,

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