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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-10-01 · 19 (1.10.1938) · p. Seite 294

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
19 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
Seite 294 (sequence 8)
Language
German
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294 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 19 M. & J. AMBRUNN München, Theetinertirefje 17/1 Telefon 12046 Elegante Herrenichnoiderei und Tudihandlung Anfertigung mitgebrachter Stoffe iu livilen Preisen. Loewenthal Ludwig und Frau. Schwanthalerstraße 91 Schwarz Bernhard, Matlüldenstraße 8 Künstler Stefan mit Familie, Widenmayerstraße 6 Spaeth Albert, Kaulbaclistraße 65 Würzweiler Julius. Direktor. Arcisstraße 11 Haimarin Ciarisse, Martiusstraße 8 Haimann Faul und Familie, Maximiliansplatz 12 (.iiiiii.um Heinrich und Frau, Widenmayerstraße 36 Ettlinger Willi, und Frau. Pettenkoferstraße 26 Reichenberger Heinrich. Landweurstraße 51/111 Mosbacher .1. und Frau. Herzosstraße 60 Wild. Frau Rosa. Reitmorstraße 12 ' Emanuel Kirschner Am 28. September entschlief Emanuel K i r s c h n e r, der Jahrzehnte in der jüdischen Gemeinde München als 1. Kantor und Religionslehrer teewirkt hat. Mit ihm sinkt ein Zeitalter ins Grab. Emanuel Kirschner hat als Vorbeter und Lehrer die Gemeinde fast zwei Menschenalter bereitet. Seine Kunst und seine feine Menschlichkeit standen bei den Mitgliedern unserer Gemeinde in gleicher Weise die fast sechs Jahrzehnte seines Wirkens hindurch in hohem Ansehen. EF hat dein ersten und dem letzten Gottesdienst in der Kroßen. Synagoge durch sein Gebet die Weihe gegeben. Trauernd steht die jüdische Gemeinde Mühchen an dem Grabe ihres Lehrers und Schliaeh-Zippur. Seiner Kunst auf dem Gebiet der Synagogen- Musik und seiner besonderen vorbildlichen jüdischen Wirksamkeit in München über ein halbes Jahrhundert soll ein eigener Beitrag in einer der späteren Nummern dieses Blattes dienen. Aus der Pfalz Bemerkungen zur Jahresrechnung 1937/38 des Verbandes der Israel. Kultusgemeinden der Pfalz Von Synagogenvorstand Ludwig Strauß (Reallehrer i. R.), Bad Dürkheim Vor wenigen Tagen hat die Leitung unseres Verbandes ihre Jahresrechnung 1937/38 den Gemeinden hinausgegeben und zur Mitgliederversammlung am 20. September 1938 zu Landau (Pfalz) eingeladen: Den nackten Zahlen der Rechnung seien einige-Bemerkungen beigegeben. Gleich dem Vorjahre 1936/37 war auch im abgelaufenen Jahre der Geldverkehr des Verbandes durch die beiden Zahlstellen: Bezirks- und Stadtsparkasse Landau, Bayerische Staatsbank Ludwigshafen a. Rh., ein reger. 412 Einnahmeposten stehen 670 Ausgabeposten gegenüber, ein Beweis, daß der Verband, insbesondere seine W o Ii I f a h r t s s t e 11 e es an Beihilfen und Unterstützungen nicht fehlen ließ. Dazu war der Verband im Berichtsjahre noch in der Lage. Denn die mit 150 000 RM. veranschlagten Kirchensteuern erbrachten 172460 RM. Die bedeutendste Ausgabe des Verbandes waren .-die den Gemeinden hinausgegebenen Kirchensteuern mit 126827 RM. — also rund K der Verbandseiimahnien. Die zweitgrößte Ausgabe war die Subvention derWnhlfahrtsstelle in Ludwigshafen a. Rh. mit 27 450 RM.. eine Überschreitung des Voranschlags .um nahezu 10 000 RM. — ein deutlicher Beleg, wieviele Hilfesuchende, Bedürftige und Arme die Wolilfahrtsstelle im abgelaufenen Notjahre zu betreuen hatte. Für unsere schulpflichtige Jugend sorgte der Verband nicht nur durch regelmäßige Erteilung des R e 1 i g i o n s u n t e r - richtes — kein jüdisches Kind auch im entlegensten Dörfchen' sollte ohne Religionsunterricht,'ohne Unterricht im Hebräischen, der Sprache unseres Gotteshauses, sein — auch neusprach- MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII Stedtflllele HochbrOckenrtr. 14. Ecke Herrnstr. I ic he r und K u rz sch rj f t - Unterricht wurde in den größeren Gemeinden den Knaben und Mädchen gegeben, denn das erste Gebot für jetzige und künftige Auswanderer lautet: Sprachen lernen! Für den Religionsunterricht, den fremdsprachlichen Unterricht und für Schülerfahrkarten hatte der Verband über 9000 RM. gegen 7500 RM. im Jahre 1936/37 aufzuwenden. Unser Pfalzverband wind' in den nächsten Jahren um seinen Fortbestand schwerzn rangen haben. Er wird das Schicksal unserer Gemeinden teilen. Denn auch die Auflösung des Judentums der Pfalz ist in den letzten Monaten mit Riesenschritten weiter gegangen. Versaguitg und Trennung ist unser Los geworden. Aus dem Reiche \ Fortbildungstagung für Lehrer des Englischen Die Schulabteilung der Reichsvertretung teilt Snit: Es ist in Aussicht genommen, in der Zeit vom 23. Dezember'1938 bis 2. Januar 1939 eine Fortbildungstagung für Lehrer des Englischen zu veranstalten. Vorgesehen sind: Grammatik, schriftliche Übungen, Konversation und Vorträge durch einen englischen Lektor. Voranmeldungen sind zu richten an die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, SchuTabteilung, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158. Jüdische Sozialarbeiter-Tagung Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat am 9. und 10. September 1938 in den Räumen der Lessler-Schule in Berlin- Grunewald unter Leitung von Dr. Paul Eppstein und Dr. Georg Lubinski eine xSozialarbeiter-Tagung veranstaltet, an der melir als 100 Mitarbeiter der jüdischen Körperschaften und Organisationen teilnahmen. Die Tagung galt dem Versuch, Richtlinien für die jüdische Sozialarbeit der nächsten Zukunft zu gewinnen. Den Rahmen dafür zeichnete Dr. Otto.Hirsch in einem Vortrag über den Einsatz der organisatorischen und finanziellen Kräfte. Er Wies nach, daß nur mit stärkster Konzentration der Kräfte eine ständig wachsende Aufgabe von einer dauernd sich vermindernden, und an Leistungsfähigkeit verlierenden Gemeinschaft geleistet werden könne. In der Organisation, die, auf den Gemeinden aufbauend, Schritt für Schritt zentral ausgebaut worden und nun durch die Schaffung des Reichsverbandes zu einem gewissen Abschluß gekommen sei, müßten auch die noch gebliebenen Lücken durch interne Zusammenfassung von Verwaltungsstellen und durch engere Verbindung mit den jüdischen Organisationen ausgefüllt werden. Die finanzielle Grundlage müssen wie bisher die Gemeindebeiträge und freiwillige Abgaben, insbesondere auch von Auswanderern bilden, neben den Zuschußleistungen der ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen. Um die erforderliche Leistungssteigerung zu ermöglichen, wird daher zu einem Notopfer aufgerufen werden müssen. Das zweite Verhandlungstliema galt der Auswanderung in de"r Planung der jüdischen Sozialarbeit. Dr. Paul Eppstein berichtete über die trotz aller Schwierigkeiten noch erzielte Steigerung der Auswanderung in diesem Jahre, die hauptsächlich auf den Altreu-Transfer und duT-durch den Altreufonds bewilligten Darlehen an Minderbemittelte zurückzuführen ist. Die Konferenz von Evian scheine sich als eine Zäsur zwischen zwei Auswanderungsphasen darzustellen, deren Zweite auf noch stärkerer Lenkung der Auswanderung beruhen dürfte. Es_ wurden dann die Voraussetzungen gekennzeichnet, unter denen durch eine Einwirkung auf die Einwanderuugsländer die Auswanderung der Juden aus Deutschland im nächsten Jahre noch weiter gesteigert werden könne. In der Aussprache wurde insbesondere die Amerikawanderung, "die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen, die Frage der GriippenWanderung sowie die Zusammenarbeit der Fürsorgestellen mit den Wanderungsorganisationen erörtert. Dann behandelte Dr. Georg Lubinski die Einbeziehung der berufslos werdenden Personengruppen in die jüdische Sozialarbeit. Er gab einen Überblick über die zum 1. Oktober zu erwartenden Auswirkungen des Gewerbeverbots und des Berufsverbots für die Ärzte. Er erläuterte die Möglichkeiten einer Berufsumschichtung in kurzfristig erlernbare Berufe, um auch die Älteren auswanderungsfähig zu/wachen, legte aber dar, daß für eine erhebliche Anzahl der berufslos werdenden Personen und ihre Familien die soziale Fürsorge werde eintreten müssen. Für Jugendliche muß versucht werden, Ausbildungsplätze irrt Ausland zu-gewinneti. In (Fortsetzung Seite 297)

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