Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 13 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 13 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgem£inden in Bayern 199 Sprengung der geschlossenen jüdischen Lebensordnung gleichzeitig mit der Emanzipation bedeutete in der jüdischen GeistSsgeschichte die größte innere Spaltung und Umwälzung seit dem Untergang des jüdischen Staates. Das alte jüdische „Lernen" und „Wissen" war das nie endende Aufsuchen und Finden eines schon vorhandenen unverrückbaren Ergebnisses überirdischer Herkunft. Das kritische „voraussetzungslose" Denken und die moderne Wissenschaftsauffassung nehmen im Gegensatz zu jener alten Wissenserlernung keinen Gegenstand (im weitesten Sinn) autoritativ hin; die Aufgabe des Gelehrten von heute auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften i$t es nicht, für eine dogmatische Ansicht von Welt und Gott die Begründung herbeizuschaffen, sondern nach Prüfung kritische Aussagen über den objektiven Befund des Untersuchungsstoffes zu machen und zu einer unabhängigen Sinndeutung zu gelangen. Dem Verfasser der neuen Schrift über Zunz ist dieser Unterschied vollkommen klar. Er trübt aber die Klarheit der beiden sich ausschließenden Wissenschaftsäuffassungen, die vor allein anläßlich der Bemühungen um die mittelalterlich-scholastische WiSsenschaftsidee in ihrer scharfen Gegensätzlichkeit scharf erkannt worden sind, dadurch, daß er für die Wissenschaft des Judentunis zwar kein anderes Prinzip des Herangehens an den Stoff kennt als das der modernen voraussetzungslosen Wissenschaft (im Sinne Sprangers), aber ihr doch eine eigene zweifache Aufgabe aufbürdet: „Die .Wissenschaft des Judentums müsse einmal den ganzen jüdischen Lebens- und historischen Erfahrungskomplex nach seinem eigenen, gewesenen Sinngehalt messen und werten, dem alsdann die Bezugnahme dieser Erkenntnis und Wertung auf das im Augenblick jeweils zu formende Kulturideal zu folgen habe." Dazu ist zu sagen: Jeder Wissensstoff, aiich „das Jüdische" kann nur nach seiner Eigengesetzlichkeit und nach seinen zeitlichen Bedingungen geordnet und verstanden werden; beim „Verstehen" und der Deutung muß aber auch das eigene „Kulturideal" des Deutenden bewußt gemacht werden. So wird Subjektives vom Objektiven auseinandergehalten und kenntlich. Es fehlt bis zum heutigen Tag ein wissenschaftliches Werk, das auch nur von Ferne den Anspruch einer jüdischen Uttiversal-Geschichte erheben kann. Es ist nicht zu sehen, daß der ausgezeichnet modern geschulte Verfasser der vorliegenden Schrift über das hinausgekommen ist. was namentlich Elbogen, Ucko, Max Wiener über den Begriff einer Wissenschaft des Judentums ausgesagt haben. Gegen den phänomenologisch verbrämten Journalismus einer modischen neueren jüdischen „Theologie" (an der Spitze Schoeps, Maybaum u. a.) wendet sich der Verfasser mit Recht, ohne allerdings von dem unverbindlich erörternden „Einerseits—andererseits" loszukommen, wovon es nur in der eigenen entsagungsvollen strengen wissenschaftlichen Arbeit eine Befreiung gibt. F. Die liturgischen Dichtungen Jannajs. Aus Genisa-Handschriften und anderen Quellen gesammelt und herausgegeben von Menachem Zulay. (Schriften des Forschungsinstituts für hebräische Dichtung, Reihe III, Band 2.) XXII und 439 Oktavseiten. Leinen RM. 20.—. Berlin (Schocken-Verl.) 1938. Von Jannaj, dem berühmten „Vater der hebräischen synagogalen Poesie", der im 6. oder 7. Jahrhundert in Palästina lebte, war bis vor einigen Jahrzehnten nur eine einzige Dichtung bekannt geworden: die ,Krowa' für den Sabbat vor Pessach, der das durch die Pessach-Haggada allgemein bekannte Lied „As _row nissim hifleta ba-lajla" entstammt. ,Krowa' ist die älteste Gattung der aus mehreren Dichtungen zusammengesetzten synagogalen Poesien; sie dient zur Erweiterung des Hauptgebets (Tefilla) an Festtagen und anderen ausgezeichneten Tagen des jüdischen Jahres, und so auch an Sabbaten, wo sie an den jeweils verlesenen Tora- Abschnitt angelehnt ist. Von Jannaj berichtet eine Tradition aus dem 10. Jahrhundert (Rabbenu Gerschom), er habe für alle Sabbate des palästinensischen (dreijährigen) Zyklus der Tora-Vorlesung je eine solche Krowa verfaßt. Man hat dieser Nachricht, derzufolge Jannaj über 150 Krowot allein für die Sabbate verfaßt haben müßte, keine Beachtung geschenkt, zumal Jannaj der erste bekannte Verfasser einer Krowa, und zwar eben nur einer, war. Die Skepsis war unbegründet. In den vierzig Jahren seit Auffindung der Genisa (Ablagerungsstätte für unbrauchbar gewordene Schriften) in Kairo mit ihren unübersehbaren Handschriftenresten, sind da und dort neue Dichtungen Jannajs zum Vorschein gekommen und publiziert worden. Schließlich hat das Forschungsinstitut für hebräische Dichtung in Jerusalem die in vielen Sammlungen verstreuten Genisa-Handsdirtften mit Dichtungen Jannajs systematisch gesammelt. Die Frucht einer gründlichen Bearbeitung des gesammelten Materials ist die vorliegende Gesamtausgabe aller erhaltenen Dichtungen Jannajs von der Hand Zulays, die einen überraschen- Stets HeüUeileu iß w rvvFrvv'WV im Fachgeschäft für Damenbekleidung LEO OPPENHEIMER« SSäSSÄJ Levinger Zigarren haben ihre Stammkunden! S. LEVINGER, Bayerstr. 21 imHolel RheinistJier Hol Gegr. 1886 Fernsprecher 54897 .den Reichtum enthält und die alte Tradition von der großen Anzahl Jannajscher Dichtungen durchaus bestätigt. Die Ausgabe enthält über 800 bisher nur zum kleinsten Teil bekanntgewordene Dichtungen, die 176 mehr oder weniger vollständig erhaltenen Krowot Jannajs angehören. Nicht nur der hebräischen Literatur ist hier ein hochbedeutender Schatz zurückgewonnen, sondern es ist auch ein unschätzbares Material für die jüdische Literatur- und Glaubensgeschichte und für die Kenntnisse der hebräischen Sprache erschlossen, mit dein die Forschung sich noch lange zu beschäftigen haben wird. Wie hei allen Publikationen des Forschungsinstituts entspricht die philologische Gestaltung der Texte den höchsten Anforderungen. Der Konsonanteilbestand der Handschriften ist zur Erleichterung der Lektüre mit der Vokalisation nach den Regeln der klassischen Grammatik versehen. Ein umfangreicher textkritischer Apparat ist beigegeben, ferner eine ausführliche Einleitung und zahlreiche Register. Der Kenner der jüdischen Liturgie wird manche bekannten Stücke aus dein Machsor der Jamba Noraim, deren Autorschaft bisher nicht bekannt war. hier in ihrer alten Gestalt wiederfinden. Die Grundsätze seiner Ausgabe und die Probleme der Jannaj- Forschung hat Zulay in seinen — hebräisch veröffentlichten — „Mechkere Jeunaj" (Mitteilungen des Forschungsinstituts für hebräische Dichtung, Bd. II, S. 213—391) ausführlich dargelegt. Geschäftliches Herr Dlpl.-Ing. M. E. Fulda, Heizungsanlagen, Nibelungenstr. 14. empfiehlt sich für die Ausführung von Heizungsanlagen aller Systeme, sowie für Reparaturarbeiten. Siehe Inserat! Ihre llriicknrbeiteii durch Hr. Heller BUCHDRUCKEREI HELLER GMBH« MÜNCHEN 25 PLINGANSERSTRASSE 64 FERNRUF 73664 5amt; Seid£ u. Wolle geschmackvoll, haltbar u. preiswert bei ....."HAIMANN am Schillerdenkmal Tafelgerät und Schmuck Vornehme Geschenke Jl. T. Wetzlar, München Maximilianstraße 2 .