Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 11 (1.6.1938)
- Date
- 1938-06-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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168 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. tl Für den Rn- und Verkauf von Immobilien und Geschäften ferner für Hausverwaltungen empfiehlt sich die Firma S. Ackermann, Kitter von Epp-Platz 9 Telelon Nr. 12502, 12587, 13394 Erste Referenzen! Jegllcbe Bank-Garantie! sind, für den Zionismus und für unser Land in Eres- Jisrai»! 7.» —kämpfen: „Aiii 'laxe den Spaten, in der Nacht das Gewehr." Der Betari wird zur Auswanderung racli Erez Jisrael erzogen. Seine Emigration bedeutet Alija. d. Ii. Aufstieg o>us der Galuth in die Freiheit jiidisclten Landes, in dein die Ideale seines Volkstums und seiner Kultur fest verwurzelt werden sollen. Der betarische Pionier wird für alles ausgebildet, was dein Aufbau unseVes Landes nützlich sein kann. Für Landwirtschaft sorgen etliche Hachschara-Stellen. In Deutsch bar»! sorgt die Hachscharastelle Palemizwerder iür die Ausbildung der Betarim als Bauern iwid Landwirte. Auch werden Betarim als Schlosser. Tischler. Mechaniker und noch in vielen anderen Berufen ausgebildet, um dort in Erez Jisrael in ihrem Berufe unserem Lande zu ülenen. Aber alle zusammen werden iür eine disziplinierte und gesunde Jugend des jüdischen Volkes erzogen. Wir sehen also eine indische Jugend vor uns, die keine weltanschaulichen Kämpfe kennt, die stolz uiud auirecht ihren jüdischen Weg geht, geradeaus in die Freiheit. Daß es ein junges * Geschlecht unter uns luden gibt, dessen Leben von einem solchen Geist getragen wird, gibt uns das beglückende Gefühl, daß unser Kampf nicht sinnlos ist. Das Bewußtsein, solche Menschen gesund an Geist und an Körper aus dem Schutt der Jahrtausende hervorgezaubert zu haben gibt uns "das'Recht. an die Zukunft unseres Volkes als eines ewigen Volkes zu glauben. Synagoga A. D, 1519 (raefa et (undamenfo eversa - Zu den Altdorfer -Bildern der 1519 zerstörter. Regensburger Synagoge -Wer sich mit der Geschichte des Untergangs der alten berühmten Synagoge von Regensburg im Jahre 1519 als Historiker be-- laßt hat. weiß, daß dieses Ereignis von zeitgenössischen Chronisten, die Augenzeugen der Vorgänge waren, genau beschrieben worden ist. Unmittelbar 'Dach dem Tode des Kaisers Maximilians I. wurden die seit 500 Jahren in Regensburg ansässigen Juden mit W eib und Kind aufgetrieben. Erst 150 Jahre später, im Jahre 1669, durftot sie sich dort wieder ansiedeln. Kein Geringerer als der hochaivgesehene Baumeister und Maler der freien Reichsstadt Regensburg, Alb recht Altdorfer (1480—15.58). hat die Entscheidung des Rates der Stadt, dall die Juden bis zum 25. Februar 1519 die Stadt zu verlassen haben, den Juden von Regensburg als Mitglied der ratsherrlichen Abordnung überbraeht. Die;Synagoge und die Judenstadt wurden völlig zerstört, an die gleiche Stelle eine hölzerne Marienkapelle, „das hölzerne Kirchlein zur schönen Maria", und 'iO Jahre später die massive Neuptarrkirche errichtet. Die Begleiterscheinutugen der Katastrophe sind von allen Seiten wiederholt dargestellt und beurteilt worden. Über die alte mittelalterliche Regensburger Judenstadt, ihre Topographie, über den zerstörten Synagogenbau, die Regensburger Jeschiwa, ihre Rabbiner, über den Friedhof sind von mehreren Standorten ams ziem^ch^usfulrrtiche^l^TsrAtnigen und "Darstellungen erschienen. In dem kunsthistorischen Werk von Richard Krautheimer aus dem Jahr 1927 „Mittelalterliche Synagogen" ist der alte romanische Synagogenbau von Regensburg, der zwischen 1320 und 1227 errichtet worden ist, rekonstruiert; -.—j-.-;-^- Lest „Das Jüdische Volk" du Sprachrohr der St»tuilortitll«chen Organisation < Beiugspreii 80 Pfg. pro Moni! Bestellung: Buchvirirleb Bing, diesem Rekonstruktionsversuch hat der Regensburger Oberstadtbaurat Adolf Schmelzer (in der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. III. Jahrgang 1931, Seite 18 ff.) mit gewichtigen Gründen widersprochen. Von der Synagoge selbst existieren Ansichten des Innenraums mit dem Almemor und der Vorhalle in zwei weit/berühmten Radierungen von Albrecht Altdorfer aus dem Zerstörungsjahr 1519. Nach diesen oft abgebildeten Zeichnungen stammt der Hauptbau aus roimanischer Zeit, während die Spitz - bt gertgewölbe der Vorhalle ins 14. Jahrhundert weisen. Die Radierungen sind bei Krautheimer (Seite 109 und 131) in Seitengröße wiedengegeben. Man kann jetzt in dier großen Altdorfer-Ausstelluug in München die Original-Radierungen der Synagoge in einzigartigen Blättern sehen. Die beiden lapidaren lateinischen Inschriften von der Hand des Künstlers lauten: Über der Innenansicht: Anno Domini 1519 Joidaica RaJ1^4U)n-e^s4-s-S^Hhfr— goga lusto DelTudicio fundamento est eversa, über der Vorhalle: Porticus Sinagogae Judaicae Ratispouensis fracta XXI. die Febr. Anno 1519. Außer den drei prachtvollen Radierungen Altdorfers, welche die vernichtete rotnanisohe Synagoge zeigen, befinden sich in der Ausstellung noch awei große auf die Ausweisung der Juden aus Regensburg im Janre 1519 hinweisende Holzschnitte von Michael Ostendorfer, dem tüchtigsten Schüler Altdorfers. Ostendorfer kam 1519 nach Regensburg und starb 1559. Von ihm stammen die Holzschnitte, welche die an Stelle der Synagoge errichtete Kapelle der schönen Madonna in Regensburg undl die erste Wallfahrt dorthin aus dem Jahr 1523 darstellen. Beide Holzschnitte, von größter realistischer Eindringlichkeit, sind mit umfangreichen Ii.schritten in lateinischer und deutscher Sprache versehen, die chronikartig des Ereignisses gedenken, im Sinne des christlichen zeitgenössischen Chronisten Ostrofrancus: „Die Judengiassen thet man zerstören - der Hymelkünigin zu eren" Von den großen Holzschnitten befinden sich auch die beiden mächtigen hölzernen Druckstöcke im Original in der Ausstellung. Die trockene Aufzählung der sieben aui die Regensburger Judenaustreihung bezüglichen erschütternden zeitgenössischen Denkmäler aus der Altdorfer-Schau zum 400. Tcdestag des Künstlers kann auch nicht andeutungsweise spüren lassen, welche Wirkung heute von diesen Stücken nur dem Kenner in ihrer furchtbaren Bedeutung für die jüdische Geschichte jenseits alles Künstlerischen bemerkbar — auf den jüdischen, aufmerksamen Beschauer ausgeht. Es sind jedoch nicht diese Bilder und Druckstöcke allein, die unser Geschichtsbild trotz der Allbekanntheit aller Daten wesentlich abrunden und ergänzen. Auch wem Albrecht Altdorfer und die erstaunliche Reihe großartiger „Kleimmeister" wie Wolfgang Huber, die Brüder Beham, Michael Ostendorfer usw. keine Unbekannten waren, ist betroffen von dem Gesicht der Epoche, das sich in den zahllosen großartigen Stücken der Ausstellung enthüllt und nun auf einmal die ganze jüdische Katastrophe des Jahres 1519 um vieles besser verstehen lehrt, als es Urkunden und historisoher Spürsinn bisher imstande waren. Wie hier vor nichts zurückschreckende Drastik und Grausamkeit, innige Gläubigkeit und Gemütszartheit — uns eine kaum mehr nachempfindbare, unbegreifliche Einheit — einander nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig eher steigern, das tritt in diesen Physiognomien und Szenen mit einer greifbaren Deutlichkeit jedem Beschauer entgegen. Der jüdische Geschichtskenmer kann sich hier um eine sehr iinstruktive und unmittelbare Anschauung des Geistes einar Epoche bereichern. Aus der Gemeinde München Mitteilung von Todesfällen und Beerdigungszeiten Auf die Aufforderung des Gemeindevorstandes betreffend Mitteilung von Todesfällen und Beerdigungszeiten hat sich bisher nur eine ungenügende Anzahl von Gemeindemitglledem gemeldet, so daß die Durchführung gelährdet ist. Die Aufforderung des Vorstandes wird deshalb in der heutigen Nummer Seite 175 nochmals zum Abdruck gebracht. Diejenigen Gemeindemltglieder, welche nach Maßgabe der Ausschreibung von bevorstehenden Beerdigungszelten verständigt werden wollen, und die dieser Nummer nochmals beigefügte Anmeldungskarte noch nicht an den Gemeindevorstand eingeschickt haben, werden hiermit letztmals aufgefordert, dies bis 15. Juni 1938 nachzuholen.