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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-05-15 · 10 (15.5.1938) · p. Seite 149

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
10 (15.5.1938)
Date
1938-05-15
Page
Seite 149 (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches . Gemeindeblalt für den Verband der Kultnsgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg,, Bamberg, Würzburg AlMg&be A: Allgemeine Ausgabe, Bezugspreis RM. -.60 im Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr AnNgabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im Vierteljahr) RM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73665, Postscheck München 3987 / Anzeigen nach Tarif. XIV. Jahrgang-—--München, 15. Mai 1038 Mr.lO Inhalt: Kolonisierungs- und Auswanderungsbemühungen der Juden bund in Bayern, Ortsverein München — Bekanntmachungen des aus Deutschland — Aus der Gemeinde München — Aus der Ge- Verbandes Bayer, lsr. Gemeinden — Personalia — Kalendarium meinde Augsburg — Aus bayerischen Gemeinden — Geschäftliches und Gebetszeiten. — Mitteilungen des jüd. Lehrervereins für Bayern — Jüd. Kultur- Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. Kolonisierungs- und Auswanderungsbemühungen der Juden aus Deutschland 1. Jugendausbildung in Palästina Die Möglichkeiten, die sich aus den neuen Einwanderungsbestimmungen für -Palästina hinsichtlich der Auswanderung von Jugendlichen ergeben, bedürfen einer genaueren Darstellung. Nachdem grundsätzlich zahlenmäßige Beschrankungen nicht bestehen und die Ziffer der Zertifikate allein von der Zahl der verfügbaren Ausbildungsplätze abhängt, wendet sich das allgemeine Interesse vornehmlich den Institutionen des Landes zu, inKdenen solche Ausbildungsplätze bestehen. Vorab muß hier die Jugend-Alijah erwähnt werden, die in den fünf Jahren ihres Bestehens schon mehr als 2000 Jugendliche in landwirtschaftliche Siedlungen und andere Ausbildungsstätten gebracht und dort ausgebildet hat. Für Mädchen von über 18 Jahren bietet die W i z o vorzügliche land- und hauswirtschaftliche Ausbildungsmöglichkeiten in ihren zahlreichen Schulen und Lehrfarr men. Das Technikum in Haifa und die Hebräische Universität in Jerusalem sind in der Lage für Studenten Zertifikate zu erwirken. Eihe ganze Reihe weiterer Schulen im Lande, die allen Zweigen der allgemeinen und Fach-Ausbildung dienen, haben das gleiche Recht. Die Einzelauswanderung von Schülern und Schülerinnen kann somit einen beträchtlichen. Unifang erreichen und sollte ernsthaft erwogen werden, zumal transfermäßjge Hindernisse nicht bestehen. Die großen Vorzüge einer solchen Auswanderung liegen klar zutage. Die Durchführung der Schulausbildung in einem Lande, dessen Wirtschafts- und Berufsleben die Schulentlassenen sofort aufnehmen kann; die Orientierung dieser Ausbildung auf die besonderen Erfordernisse der künftigen Berufstätigkeit, die hier ganz leicht und selbstverständlich erfolgen kann und keine spätere Umschichtung mehr erforderlich macht; die Tatsache, daß die Einreise zu Ausbildungszwecken mit dem vollen Einwanderungsrecht verknüpft ist; endlich die unproblematische Einfügung der Schüler in den jüdischen Kulturkreis, der in Palästina der Kreis des jüdischen Lebens selber ist: das alles sind Faktoren, die den Eltern den schweren Entschluß, ihre Kinder zur Ausbildung ins Ausland zu senden, sehr erleichtern können. Und selbst Eltern, die nicht Palästina als persönliches Auswanderungsziel vor Augen haben, sollten es begrüßen, wenn ihre Kinder wenigstens ein^ gewisse Zeit in Palästina leben und arbeiten können; diese Jahre werden ihnen moralisch und kulturell einen jüdischen Rückhalt 'geben, der für alle spätere Lebenszeit in jedem Lande von höchstem Werte sein wird. Die näheren Einzelheiten sind aus einem Merkblatt zu ersehen, das unter dem Titel ..Schüler und Studenten" vom Palästina-Amt ■»-1-!-~r--1-_i_ - "_*■ ' . ' ~ 4 l —7———^ . . - , '; '.- Berlin herausgegeben worden ist und vom Palästina-Amt direkt (Berlin W 15. Meinekestr. 10) oder von seinen "Zweigstellen hezogen werden kann. , Die Jüdische Jugendhilfe E. V.. Berlin-Charlottenhurg 2. Kantstraße 153, hat einen Prospekt „Der Weg zur Jugenda I i j a h" herausgegeben, der bei ihr erhältlich ist. 2. Eine mustergültige jüdische Kolonie In Brasilien In der großen Tageszeitung von Rio de Janeiro „Correio üa Manha" vom 6. April 1938 befindet sich ein Bericht über eine jüngst gegründete jüdische Kolonie in Brasilien. Hin jüdischer Auswanderer aus Deutschland übersendet uns liebenswürdiger Weise die Nummer, in welcher der Bericht enthalten ist. In wörtlicher Ubersetzung lautet der Aufsatz: Der Gouverneur des Staates Rio de Janeiro, Herr Amaral Peixoto, stattete gestern der jüdischen Kolonie itr Rezeude einen Besuch ab und bekam dort einen sehr angenehmen Eindruck* Du- Kolonie ist für 30 Familien gescliatteu. jedoch im Augenblick nur , von 15 Familien bewohnt. Die restlichen 15 Wohnhäuser sind bereits mit allen notwendigen Ausrüstungen fertiggestellt, so daß jederzeit Neu-Ankömmlinge aufgenommen werden können. Die brasilianische Regierung hat für die Kolonie keinen Heller ausgegeben. Alle Unkosten, die zur Errichtung derselben entstanden, wurden von einem jüdischen Komitee mit Sitz in Paris getragen. So wurden von diesem Ländereien gekauft. Brücken gebaut, die Zone saniert usw. Bei Ankunft erhält jeder Kolonist, außer der zur landwirtschaftlichen Arbeit nötigen Geräte. Samen. Hühner und fünfzehn Milchkühe. Alles ist mathematisch berechnet. Im ersten Jahre bringt die Kolonie Defizit, im zweiten, ist dieses bereits geringer. Im dritten Jahr decken die Hinnahmen die Ausgaben und im vierten und fünften Jahr ist bereits ein dem investierten Kapital entsprechender Gewinn zu verzeichnen. Iis handelt sich um einen Fünfjahrespia* dessen Durchführung in anderen Land von Erfolg gekrönt wurde. Nach fünf Jahren werden neue Kolonien eingerichtet.' Alles in Übereinstimmung mit dem vom Komitee vorentworfenen Plan. In der Kolonie existiert eine Scliule. in der nur portugiesisch gelehrt wird. Geleitet ist sie. von einem deutschjüdischen Ingenieur. Wer Gouverneur Amaral Peixoto stellte fest, daß die Arbeit dort wunderbar diszipliniert ist (..admiravclmente diseiplinado") und daß die Kolonisten über alle Bequemlichkeiten verfügen. Da er gerade zur Frühstückstunde erschien, konnte er die Ernährung der Leute sehen und er rühmte die Sauberkeit, die er auf der ganzen Kolonie antraf. Beim Abschied versprach er, sich beim Außenminister dafür zu verwenden, daß weiteren 15 Fa-

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