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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-04-15 · 8 (15.4.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
8 (15.4.1938)
Date
1938-04-15
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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V •IM. Kulturbund in Bayern (angeschlossen dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland) Ortsf|i-ii|»|»e lUOnclicii Anschrift: München 13, Adelheidstraße 33 Milfeilung an die Mitglieder Als letzte Veranstaltung der Spielzeit findet am 18. Mai das XI. Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München statt, bei wjelchem die Bläser des Berliner -Külturbundorchesters mitwirken werden. Solistin ist die Geigerin A n n i e Steiger - Betzak (Frankfurt a.M)., Dirigent Erich E i s n e r. Die Eintrittskarten liegen an der Külturbundkasse auf und sind gegen Entrichtung der Mairate des Jahresbeitrags erhältlich. v * * '2. ■ - Ein Manfred Sturmann-Abend Manfred Sturmann verwaltet im jüdischen Frühlingsring'en eine Mission, die bedeutsam ist. Auswanderer noch nicht, Erlebender Palästinas auf seiner Dichterreise, gibt und wirbt er durch edelgeformte Verse von edlem Gehalt für den frommen Boden, der seinen Arbeitern kein Traum mehr ist. Sie werden, ein großer jüdischer Gewinn, selbst zum Gegenstand der Dichtung, bevor noch Poeten aus ihnen erwachsen. Daß gebürtige Palästinapoeteu kommen werden, bleibt gewiß. Sturmann ist jung, ohne noch der Wanderjugend anzugehören. So bildet er eine Brücke zu ihr. Seine Dichtung erfühlt ihre Seelen, als käme sie aus ihnen zu den Alten, Kämpfenden und Leidenden. Abschiednehmenden,_■ Die Zinnistische Vereinigung Münchens gab am 4. April durch den Autorenabend, den sie Manfred Sturmann gewidmet, ein schönes und ermutigendes Bild von dieser Persönlichkeit. Vertrauend und dankbar hörte man den Dichter'seine Verse lesen. Sie erklangen zumeist aus der Zuversicht, die auch wir haben, ohne sagen zu können, woher sie kommt und eigentlich kommen kaim. Wir wissen von den Kindern, denen es drüben unter anderer Sonne glückt, aber sie bleiben unsere Kinder, und das beste Vermögen des Alters ist die Jugend bis zuletzt. Wir haben alle viel davon mit den jungen Wanderern iHnausgesandt und werden wohl zumeist das andere Ufer, dieses andere Ufer nicht mehr betreten. Aber eines Dichters Sache ist die luftige Brücke, das erträumte Schiff der Gedankenüberfahrt. Sie gehört zur Lyrik Manfred Sturmanns. Dichtungen wie „Psalm", „Träume des Volkes". „Die Siedler" haben einen starken Ton. Man möchte gern wissen, was diesem „Auftakt" des Uberganges wohl an erlebter Poesie im Altneuland folgen wird. ' Auch als Erzähler bewährte sich der Vorleser in der sprachlich hochstehenden Geschichte „Die Sendung des Heils". Hier jedoch erschien mir die Gjenze, die er sich als schöpferisch Gebundener lyrisch schon geöffnet hat. mit dunkler Deutlichkeit geschlossen zu sein. Deutlich ist diese legendäre Novelle nicht im Thema, im poetischen Sinn und Zweck, sondern — wie bei so vielem jetzt von jüdischer Dichtung — in dem, was sie meidet und nicht geben darf. Es ist gewiß, daß unsere Empfänglichkeit gerade, einem echten Dichter gegenüber kein Symboldunkel sucht, keine Geheimnisse versunkener Herkunft, deren Gewicht an sich—nicht bezweifelt Um so stärker und positiver überzeugte die Hörer das Jerusalemkapitel aus dem „Palästinensischen Tagebuch". Hier offenbart sich, ohne selbstverständlich den Wert der Gedichte zu mindern, was das jüdische Schrifttum unserer Zeit'an Manfred Sturmann hat. Klares, wirkliches Sehnen hat den Dichter nach Palästina geführt; sein Denken und Fühlen erstarkte, wie es dem Juden zu wünschen ist. an der großen Realität, Er brachte nicht nur Hirn und' Herz, sondern auch die Augen mit, die erfassenden, begreifenden über schwebenden Traum fort. Wir wissen durch ihn nun mehr von Jerusalem, wie es heute lebt nach Jahrtausenden und immer. Sic ist ungemein reizvoll und gerecht, diese Art Sturmanns, das Umstrittene zu sehen. Mit jener wahren Glut, die wahre Einfachheit gibt, schildert er Stadt und Menschen, drohende Strömung. Einsamkeit und Ewigkeit. Schon der Name 'Totes Meer beschwört sie. Wir wandern mit ihm, wir erwarten mit ihm und wir fühlen, wie er, den Abschied. , Wundersamer Wildnisgarten der jüdischen Seele. Wir gehen noch durch steinerne Straßen, mitteleuropäisch wie zuvor, um Schicksale kämpfend, die begreiflich nur nach jüdischem Maßstabe, im Wünschen und Verzichten stark. Oh wir es fänden, was eine Fata Morgaua in der Steinwüste vorspiegelt? Alle Kinder sagen ja. und wenn Wir egjggt fretnichtrn: ihr Fr^phnisist Arhc-itstolze, zutrfedene Müdigkeit, die Schlaf und glückliches Erwachen findet. Wir fänden gewiß nicht mehr, jn dem ungeheuren Wust unserer Probleme, aber wir hören dankbar die begleitende Stimme des Dichters. Georg Hirschfeld. A Pessach wird. Wir suchen Gestalten, in einerXebenssteigerung, des Schicksals ohnegleichen Lebensdeutung. Sturmanns Erzählung bleibt unter Schleiern, von einer Dichterhand bewegt.' Diese Versuchungen des RabbT durch deu Daiiiun. z.wlschen i.ut und Böse, Heiligkeit und Sinuenlust, scheinen jetzt gültig nur für vergangene Zeit. Von S. BrUckheimerMn Marktbreit 1. Sulamilli „Was schauet iJir an S c h ti 1 a in i t Ii ■?" (Hohelied, Kap. 7. Vers I) Noch stand die Sonne hinter dem Wald. Aber ihre Stralilcn fielen schief durch die gefleckten Stämme der Buchen, deren Äste sich gerade mit weichem Blättergrün besteckten. Die Vögel waren schon wach und flöteten wirr durcheinander. Ein Eichkätzchen turnte von Baum zu Baum, ließ sich zur Erde fallen, jagte über das blühende Moos und verschwand in einem großen Busch. An einer plötzlichen Biegung führte mich mein Weg au einen breiten Bach, über dem in dichten Schwaden die Moigetmebc! hin- und herwogten. Auf dein eisernen Steg blieb ich stehen und \ erfolgte dieses Brauen und Schieben, dieses Ziehen und Drangen. Zwischen dem Dunkel der hier eng beieinander stehenden Bäume suchten die Nebelschleier den Weg1 in die sonnendurehflutcte Höhe. Da dehnte sich ein solch grauer Streifen wie die flatternde __Schleppe um einen juugeuJCürper^r^iue. bloße Füße Schimmer unten hervor und ein durch das dichte Gezweig gebrochener Lichtstrahl zeigte ein liebliches Gesicht mit langhin wallendem .schwarzen Lockenluiaj^-Aw schlanken Hals blitzten 'tuiitrlsclie Kettjein, goldene Spangen mit Silberpünktchen schimmerten an den feingliedrigeu Händen. Der Goldreit aber um die weiße Stirn.

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