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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-03-01 · 5 (1.3.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
5 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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JIM. Kulturbund in Bayern (angeschlossen dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland) Ortsgruppe Aiünchcn Anschrift: München 13, Adelheidstraße 33 Mitfeilung an die Mitglieder Die Märzrate des Jahresbeitrags (RM. 1.50) ist fällt« und wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie nicht bis 15. März an der Kulturbundkasse entrichtet haben, durch den Kassier mit einem Zuschlag von 30 Reichspfennig in der Wohnung eingehoben. Die Marzveranstaltung findet bereits am Mittwoch, den 2. März, statt. Den Mitgliedern, welche sich hierzu noch keine Karten besorgten, wird empfohlen, dies rechtzeitig nachzuholen.' : . Außer zu diesem Abend (Konzert des Orchesters der Jüd. Kulturbünde) liegen an der Kulturbundkasse noch Eintrittskarten für folgende Veranstaltungen auf: Liederabend Paula Salonion (früher bekannt unter dem Namen Paula Lindberg) am 6. April; 11. Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München am -18. Mai. ' . ' * Konzerl Zeelander-Rose wirren prächtigen Kammermusikabend bescherten uns der Cellist Godfried Zeelander und der Pianist Wolfgainig Rose. Zeelander ist die reifere künstlerische Persönlichkeit; sein schöner, kraftvoller Ton.und sein großzügiger Vortrag lassen in ihm einen Künstler hohen Ranges erkennen, wie sie leider im jüdischen Kulturkreis Deutschlands immer seltener werden. Rose ist ein temperamentvoller, fähiger Pianist, der auch in der Klavierbegleitung als individuellfcr Gestalter aufhorchen läßt._,- Die Künstler setzten die Sonate op. 50 für Cello und Klavier des jüdischen in Newyork lebenden Komponisten Ernst Toch an den Beginn ihres Programms. Das Werk ist atonal, m seinem Inhalt aber von einer charaktervollen, thematisch und rhythmisch zielbewußten Haltung, die ihm das Recht gibt, jenseits der klassischen Schönheitsbegriffe und lediglich von den Gesichtspunkten her beurteilt zu wenden, die für seine Anlage bestimmend; sind. Der zwingenden Logik, mit welcher die meist dreistimmigen musikalischen Gedanken linear geführt sind, vermag sich auch der nicht zu entziehen, dessen Ohr vergeblich nach harmonischen Ruhepunkten sucht. Dies erhebt die Sonate über andere atonale Kompositionen (etwa die kürzlich im Kulturbund gehörte Violinsonate von Ravel). Ganz allgemein ergibt jedoch die lineare und harmonisch unabhängige Stimmführung den Nachteil, daß die Inhalte der drei Sätze^sich nicht wesentlich von einander unterscheiden. So entsteht eine Monotonie des Ausdrucks, die noch bedeutend dadurch verstärkt ist. daß jeder Satz von einem einzigen Thema beherrscht wird, somit ein elementares Gesetz des formalen Aufbaues, nämlich die Gegensätzlichkeit, vollkommen unberücksichtigt bleibt. — Eine weitaus dankbarere Aufgabe stellte sich der Cellist mit dem einsätzigen Kon'zert op. 33 von Sa-int- Saens. Mit der schwungvollen Cellospnate op. 36 von Grieg, erspielte sich Zeelander vollends einen starken Erfolg. — Ros6, der sich in allen Werken als ausgezeichneter Begleiter bewährte, zeigte in der D-dur-Sonate op. 53 von Schubert besondere nihilistische Qualitäten. . .. - "TTT........... hn ganzen: auch in seinem fünften diesjährigen Konzert hat der Kulturbund wieder" einen AbendT von besonderem künstlerischem Niveau gegeben. Wer die "Schwierigkeiten seiner Programmgestaltung kennt, wird dies umso mehr zu schätzen wissen. a. Zur Geschichte der jüdischen Hoffaktoren im Zeitalter des Absolutismus Der Todestag des „Württembergischen Geheimen Finaitzrats. Qberhof- und Kriegsfaktors, Schatullenverwalters und Münzdirektors",, J o se ph Süß Oppenheimer, am 4. Februar 1738 — vor 300 Jahren — ist wegen der Begleitumstände und der wahrhaft tiefen Einsichten, die sich in die jüdische Geschichte hn Zusammenhang mit diesem Gedenktag von selbst bieten, mehr als dlie Erinnerung an eine merkwürdige Begebenheit in einer längst verklungenen Epoche. Die historischen Urkunden über die Affaire „lud Süß" erschüttern uns in ihrer unmittelbaren Eindringlichkeit stärker als jede romanhafte Ausschmückung oder Deutung, ja sie verbinden uns in einer schmerzhaften und zugleich versöhnenden Art mit der Gestalt, die für ihre schwere SchuM schwer büßen mußte. Das Sensationelle und „Interessante" zerrinnt gerade heute vor diesem Schicksal, dem eine stellvertretende Bedeutung in der nicht abreißenden Kette niederschmetternder Schicksalsschläge über irrende und verblendete, schuldige und unschuldige Menschen aus jüdischem Stamm zukommt. Der Sachverhalt ist in klassischer Weise seit mehr als hundert Jähren tn unseren "GesohldhtsmKH^ehrbüchern-r—-in den jüdischen und nicht-jüdischen — von einem unverdächtigen Erzähler, Wilhelm .Hauff, festgelegt: „Es ging damals wie ein Lauffeuer durch alle Länder und wird da und dort noch heute erwähnt, daß am 4. Februar 1738 die Württemberger ihren Finanzminister wegen allzu gewagter Finanzoperationen aufgehängt haben. Sie hingen ihn an einem ungeheuren Galgen von Eisen in einem eisernen Käfig auf. Im Dekret ripe HprTr»ft.Arttninir»ntnr<-. h.'iRf —«Ihme ZU WullK ei dieilter Straff, jedermännigliph aber zum abscheulichen Exempel.» Beides, die Art. wie dieser unglückliche Mann mit Württemberg verfahren konnte, und seine Strafe sind gleich auffallend und unbegreiflich zu einer Zeit, wo man schon längst'die Anfänge der Zivilisation und Aufklärung hinter sich gelassen, wo die Blüte der französischen Literatur mit unwiderstehlicher Gewalt den gebildeten Teil Europas aufwärts riß. Man wäre versucht, das damalige Württemberg der schmählichsten Barbarei anzuklagen, wenn nicht ein Umstand einträte, den Männer, die zu jener Zeit gelebt haben, oft wiederholen, und der, wenn er auch nicht die Tat rechtfertigt, doch ihre Notwendigkeit dazutun scheint. «Er mußte» sagen sie. «nicht sowohl für seineeigenen schweren Verbrechen, als für die Schandtaten und Pläne mächtiger Männer am Galgen sterben*. Verwandtschaften^ Ansehen, heimliche Versprechungen retteten die andern, den Juden — konnte und mochte niemand retten, und so schrieb man. wie sich der alte Landschaftskonsulent Lanheck ausdrückte.« was die Übrigen verzehrt hatten, auf seine Zechen" Der so erzählt hat. war kein Freund des jüdischen Wesens wie er es damals um sich sah. Im übrigen sprechen die Dokumente eine beredte und eindeutige Snrache. Über die Hoffaktoren des fürstlichen Absolutismus Ist viel geschrieben uhif geforscht worden: die Wirtschaftsgeschichte weist ihnen in der Entwicklung des Frühkanitalismus ejne wichtige Rolle an. Süß war ein Werkzeug der damaligen merkahtilistischen Wirtschaftspolitik, der Monopelpolitik des absoluten Fürsten. de"ssen Geldbfdürfnis unbegrenzt war und der zu seiner B-efriedigiinir sich verhaßt machender Mittel schonungslos bediente. Der dafür zubüßen hatte, war das Volk: und an den Galgen kam —' Süß Oppenheimer.-Die Gründe liegen nicht an der Oberfläche: Di:

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