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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-02-01 · 3 (1.2.1938) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
3 (1.2.1938)
Date
1938-02-01
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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•füll. Kulturbund in Itayern (angeschlossen dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland) . Ortsgruppe Alihiclicii Anschrift: München 13, Adelheidstraße 33 * MiHeilungen an die Mitglieder! Dfe Februarrate des Jahresbeitrags (RM. 1.50) ist fällig und wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie nicht bis 15. Februar an der Kulturbundkasse entrichtet haben, durch den Kassier mit einem Aufgeld von 30 Rpf. in der Wohnung eingehoben. Für nachfolgende Veranstaltungen liegen Eintrittskarten an der Kulturbundkasse auf: Kammermusikabend Godfried Zeel and er (Violoncello) und Wolfgang Rose (Klavier) am 7. Februar; ■ Symphonlekonzert des Orchesters der JUd. Kulturbünde (Frankfurt a. M.; Dirigent Prof. Julius Prüwer; Solistin Alma Weiss) am 2. MSrz. Es wird besonders darauf hingewiesen, daB die reguläre Märzveranstaltung (Symphoniekonzert unter Leitung von Prof. Julius Prower) bereits Mittwoch, den 2. März, stattfindet. Es empfiehlt sich daher, den Märzbeitrag zusammen mit dem Februarbeitrag zu entrichten, um rechtzeitig die Eintrittskarte zur Märzveranstaltung zu erhalten._.________ bbafai Zwi in seiner Heimat Das Gerücht, Sabbatai Zwi habe sich nacli Sniyrha. seiner Heimatstadt begeben/ verbreitete sich schnell in allen Judengemeinden des Orients. Jeder redete davon, daß der Messias sich dort seinem Volke zeigen wolle. Haufen von Pilgern, die sich in banger Erwartung in der Türkei herumgetrieben hatten, zogen nun nach Smyrna und. brachten durch ihre Hast und ihre Aufregung Leben in die sonst so verschlafene Stadt. Ein Name war in aller Munde: Sabbatai Zwi. Das Haus, in dem er abgestiegen war, sah sich Tag und Nacht von Pilgern umlagert. Stundenlang standen sie da wie stumme Verzauberte vor den steinernen Mauern. Unter den Platanenbäumen hatten sie ein riesiges Lager aufgeschlagen, wo sie die Nächte schlaflos durchwachten. Kaum ein Geräusch störte die Stille der Nacht. Nur hin und wieder flüsterte eine Stimme: „Ach, könnten wir ihn doch bald sehen, den Messias!" Es war die Nacht vor dem neunten Ab; der Morgen war nicht mehr fern. Die Stadt schlief noch, aber im Lager regte sich schon Leben. Allmählich legte sich die Helle auf Sabbatais Haus. In den Gipfeln der Platanen spielten schon die rosigen Lichter der aufgehenden Sonne. Mit offenen Augen lagen Tau^ . seud« -von Juden auf der Erde und blickten gespannt hinauf zu den Fenstern, hinter denen sie den Messias vermuteten. Dies Haus war ihnen das heiligste Fleckchen der Erde, heiliger als der Tempel Salomos.; Eine leise Unterhaltung begann. „In den Gewässern Schottlands", sagte in einer Gruppe polnischer Juden ein Alter aus Hamburg, „haben Seeleute ein Schiff mit Segeln und Takelwerk aus Seide gesehen. Die Mannschaft des Schiffes redete in der heiligen Sprache miteinander. Auf dem Schiff wehte eine blaue seidene Fahne mit dem Da- . vidsschild und'dtr Inschrift „Die zehn Stämme-Israels". Und wo auch immer d^s Schiff weilen mochte, flackerten über ihm sieben Sterne auf, Tag und Nacht." — " Ein braunfarbener Laudwlrf aus lspahan berichtete einem Juden aus Livorno: „In der Stadt des Schahs lebte ein alter jüdischer Schneider. Eines Tages, mitten in der Arbeit. — er nähte gerade' an einem Rock für den Großwesir, begann er plötzlich zu weinen und tiel hin. tine Welle, lag er wie leblos da. Erst am siebenten Tage fand er die Stimme wieder, und er begann zu singen in einer fremdartigen Sprache von der Macht Sabbatai Zwis auf Erden und im Himmel. Daun starb er, und man begrub ihn mit seltsamem Zagen. Nach sieben Tilgen wuchs aus seinem Grabe ein Baum so hoch empor, wie sonst wohl Bäume in siebenzig Jahren nicht zu wachsen pflegen. Der Baum Warf einen mächtigen Schatten, und dieser Schatten sah aus wie ein gewaltiger großer Hirsch, ganz wie ein Hirsch." — ( , „Was meinst du mit dem Hirsch?" „Du bist wohl unter den Stummen aufgewachsen nuH ha<t wohl nie erzählen hören, daß Hirsch in der heiligen Sprache Zwi heißt? Ist nicht Zwi der Name unseres Messlas?" — Ein Amsterdamer rief dazwischen: „Heute werden wir ihn schauen! Heute ist der neunte Ab. der Tag der Zerstörung des Tempels, und der Tag der Geburt unseres Messias. Im Talmud steht es doch geschrieben, daß der Messias am Tage der Zerstörung des Heiligtums geboren wird." — Auf dem Dach des Hauses erschien Samuel Primo. Er ließ seine Augen über das Lager schweifen. Da drunten hatte mau ihn schon' bemerkt. Es kam Leben in die lagernde Menge. Die auf der Erde kauerten, setzten sich auf; die. welche saßen, erhoben sich. Ein» heftiges Gemurmel setzte ein und verebbte rasch wieder. Von oben konnte Primo sehen, wie von alleii Seiten sicli Ströme aufgeregter Menschen durch die Krummen Gäßchen herandrängten. Es waren Pilger, die wählend^er Nacht1 einer anderen Stelle der Stadt gelagert hatten, in Bazaren oder am Meeresstrand. Noch ein Blick Primos hinab, dann zur Sonne hinauf, und er verschwand auf einer Treppe, die vom Dach ins Innere des Hauses führte. Der Lärm auf dem Platze schwoll an, das ganze Lager war auf den Beinen, die Menge wuchs. Niemand wußte, wer der Mann gewesen, der da oben gestanden hatte. Schon War die Sonne höher gestiegen: schon beschien sie einen Teil des Platzes. Die Augen der harrenden Menschen hingen an dem Dach, auf dem sich einer aus dem Gefolge Sabbatai Zwis gezeigt hatte. Ob er wohl zurückkommen wird? Eine geraume Zeit verging; er kam nicht. Statt seiner erschienen bald mehrere Männer und lehnten sich auf das Geländer des Daches. Dann aber, ganz zuletzt, trat auch jener Unbekannte wieder herauf, von dem juan vermutete, er habe ein besonderes Amt in der Begleitung des Messias: Samuel Primo. In seinen Händen hielt er jetzt ein Pergament. Er winkte mit der Hand. Aus der Menge kamen Rufe: „Ruhe! Ruhe!" Sie übertönten Primos Stimme. Er winkte wieder; aber die Rufe der Leute ballten sich noch stärker zusammen als vorher. Dennoch liub er zu sprechen an: k „Woher kommt ihr. meine Brüder?"__-- Aus Alcppo! Aus Jerusalem! Aus Hamburg! Aus Krakau! Aus Livorno! Aus Saloniki! Aus Konstatitinopel! Aus Leinberg! Aus lspahan! Aus Amsterdam! Aus Padua! U:

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