Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 1 (1.1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiftil. Kulturbund in Ikiyern (angeschlossen dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland) Ortsgruppe Atftuclicii 1 Anschrift: München 13, Adelheidstraße 33 V - MiHeilung an die Mitglieder! Die Januarrate des Jahresbeitrags (RM. 1.50) tet fällig und "Wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie nicht bis Freitag. i 14. Januar, an der KuUurbuudkassc entrichtet haben, durch den Kassier mit einem Aufgeld von 30 PI«, in der Wohnung eingehoben. An der Kulturbundkasse sind die Eintrittskarten für die reguläre Januar-Veranstaltung (10. Sympboniekonzert des Kulturbundorchesters München am 27. Januar) erhaltlich. Fttr den Heiteren Abend Max Ehrlich (Sonderveranstaltung am 5. und S. Januar) sind nur noch wenige Karten zu haben; Preis RM. 1.10 für Mitglieder und Ab Wechsler. Klavierabend Erich Landerer Mitjdieser Veranstaltung hat der Kulturbund die Reihe seiner repräsentativen Konzerte um einen weiteren Abend vermehrt. Der junge, letzt in Berlin lebende Pianist Erich Landerer erwies sich als ein bedeutsamer/eniMtM' Kunstler, als einer der sehr wenigen, die berufen sind, die Linie der Moriz Rosenthal, Josef Schwarz. Arthur Schnabel and Bruno Eisner im jüdischen Kulturkreis Deutschlands to.rtzuselzerh Seine un- ■ tadelige Technik, sein reifer, stilistisch und formal (vollendeter Vortrag, vor allem aber sein leidenschaftliches und unablässiges, um wahren Ausdruck und restlose» Erfassen des musikalischen Inhalts ringendes Streben, stellen ihn weit über das Niveau bloßen Virtuosentums und sichern ihm die Geltung, die er sich heute schon erworben hat. Die noble Zurückhaltung, die neben diesen Eigenschaften sein Spiel auszeichnet, kam dem intimen, verhaltenen Charakter der Suite bergamasque von Debussy besonders zugute. Chopin bestritt den Hauptteil des Programms; wir hörten die f-moll Fantasie, zwei Mazurken,, sechs Etüden und die h-moll Sonate. Wie Landerer diese, oft gehörten Stücke deutete, auf billige Effekte verzichtend und alles aus der Tiefe reinen Erlebens neu gestaltend, war eine Freude ungetrübten künstlerischen Genusses; ein Chopinspiel, das auch deutlich die hohe französische Schule verriet, .welcher der Künstler seine letzte Ausbildung.zu danken hat. Im letzten Teil des Programms zeigte Landerer besonders sein hervorragendes technisches Können; vollendet schön, wie im Sonnenschein funkelnde Kaskaden, spielte er A\e. herühmtenz „Jeux d'eau" von Ravel, und namentlich Liszts E-dur Polonaise war ein Meisterstück an Geschlossenheit und mitreißender Steigerung. Konzerte wie dieses legen Zeugnis ab von der Linie, welche de; Münchner Kulturbund-einhält. Die einmütig zustimmende Haltung der vielen Hörer zeigte, daß sich in der Gemeinde München nicht nur ein dankbares /Publikum gefunden, sondern . eine wahre Kunstgemeinschaft gebildet hat. In ihr und mit ihr lebt der Kulturbund. | a.- I rauer Ansprache bei der Beerdigung von Professor Samuel Landauer am Montag, den 20. Dezember 1937, auf dem Israelitischen Friedhof in Augsburg, gehalten von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Jacob Andächtige Trauergemeinde! Professor Samuel Landauer Ist im höchsten Greisenalter von fast 92 Jahren von uns gegangen. Mit ihm ist ein Patriarch Israels zu seinem Volke versammelt worden. Tiefe Wehmut erfüllt uns und doch ist unsere Trauer gefaßt, denn wir wissen ja, das ist „derech kol hoorez der Weg alles Irdischen"; und wenn je ein Leben vollendet war, dann war es dieses, vollendet an Dauer und an Inhalt, an Fülle des Segens, den es gewirkt, und der Liebe, die es empfangen hat. Freilich Sie, die Nächsten, trifft die volle Bitterkeit des Scheidens, die Tochter, den Sohn und die Schwiegertochter. Er •hing an Ihnen Dreien wie einst an seiner Gattin mit seiner ganzen Seele — noch auf dem Sterbebette hat er mir davon gesprochen — und Sie hingen, an ihm und haben alles getan, um seinen Lebensabend sorglos und behaglich zu «estalten. Die Erinnerung an Ihre innige Verbundenheit ist ein unverlierbarer Besitz. Es ist Ihr Wunsch, daß davon nicht viel gesprochen werde. Das .ist ein Wunsch im Sinne des Verstorbenen, der uns heilig sein soll. Wir achten Ihren Schmerz mit ehrfürohtigem Schweigen. Aber dieser Mann hat nicht nur Ihnen .gehört* er gehörte der Welt. An dieser Bahre trauert die Judenheit, trauert die Wissenschaft. Seih'Lebenslauf spiegelt ein ganzes Jahrhundert jüdischer und allgemeiner Geschichte. Er war nooh vor der vollen Emanzipation der Juden in Bayern geboren, ein Sohn des schwäbischen Judentums In seiner Sollen Stren»gläut»gkeit und Bodenständigkeit in dem kleinen Krumbach, das unserem bayerischen Judentum viele tüchtige Männer geschenkt hat. Damals war Tahnudgelehrsamkeit das Ideal des .Juden und so wurde auch er-schon als Kind auf die Jeschiwa. die Talmudhoohschule. nach EisenStadt geschickt. Aber dann hat er über den engen Kreis des Judentums liinausgestrebt. ohne sich je von ihm lösen zu wollen. Er erweiterte und vertiefte sein allgemeines Wissen,. eT studierte die orientalischen Sprachen und wurde schließlich in diesem Fache, der Wissenschaft ein Meister von Weltruf. Erst'vor kurzem hat ein deutscher Gelehrter ihn als den Altmeister der/Irankunde begrüßt und wie sein Lehrer Nöldeoke, dessen Andenken bis, zuletzt in »hm 'lebendig war, war er einer der größten Kenner der Welt des Islam und vielleicht der größtefltaaerjitäiidige auf dem (iebjete der aramäischem 6prache>1l|jPBrim das Amt eines Cfberbibliothekars an der Unhjersitätsbibltothek und Professors an der Universität in Straßburg ein. Dann hat aber sein Leben sich wieder zurückgewendet. Er verlor sein deutsches Amt wegen seiner Treue