Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- Fünfter Jahrgang (1865/66)
- Issue
- Beilage zum Jeschurun (1865)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 97)
- Language
- Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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95 lied, mit welchem ihm die verstorbene Mutter tu den Schlaf gesungen. ' . Ja, es waren wieder dieselben weichen Töne; und' als er wieder eine Weile gelauscht, da Meinte er auch Morte zu vernehmen, nur waren sie anders als die, welche damals zum Wiegenlieds gesungen wurden. Die hier erzählten von einem Hellen, lichten Tage, von lachenihenden Gefilden mit Blüthen und Früchten' bedeckt, so »«endlich verschieden von dem morastigen Lande, an dessen Ufer diese Binsen wuchsen. ״Und Ruhe — Ruhe gibt» dann 1׳* flüsterten sie wieder —' ״Ruh' vün allem Leid der Erde; folge unSI"-— Achl jede Waflerfläche hat für ein tiefbetrübtes »»d zerriflenes Herz etwas so unendlich Verführerische-; er ist gefährlich an stillen'Wäffern vorüberzugehen, wenn eisem die Seele mit Kummer und Schmerz beladen'kst; anfänglich beugt man sich ohne Absicht auf da- Wafler nieder, tiefer und immer tiefer, und kann den Blick nicht lafsen von der geheimnißvollen Fläche. Ist doch da un« ten ein ewiges Vergessen zu finden für alle-, waS uns hier im Leben geängstigt und bedrückt. Ernst hatte dieselben Gedanken, als er so tief sinmd an dem dunklen Wafler stand. — '״Ja, hier unten ist Ruhe und Friedei" rief er. Noch einmal blickteer ans und dann- ״Jeder Selbstmord - ist Narrheit und Feigheit" — Hirte er plötzlich eine Stimme neben sich;. sie gehörte einer unheimlichen Gestalt, die in einem weiten, dunkeln Mantel gehüllt, ihn forschend zu' betrachten schien. 7,Nur ein Narr und ein Feiger", fuhr,der Fremde fort, .,ver- W ft«iwillig diese Welt; der Erstere, weil er seine Lerhältniffe Herr über sich werden ließ, der Andere, veil er nicht den Muth hat, ein vielleicht traurige- Leben M an sein natürliche» Ende zu tragen.