Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- Fünfter Jahrgang (1865/66)
- Issue
- Beilage zum Jeschurun (1865)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 87)
- Language
- Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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« ihn auf das Sommerschloß ihres Vaters, wo sie heute allein sein und ihn erwarten wollte. In stürmischem Entzücken preßte es Ernst an seine Lippen — der Brief Mathilden'- blieb unbeantwortet. -- III. , Monate waren seitdem vergangen, der Winter hatte sein Ccepter bereits abgegeben, und der Frühling war lange schon wieder einqezogen. Ernst war jetzt glücklich, immer inniger gestaltete sich sein Verhältnitz zu Bertha, die ihn mit der ganze» heißen Liebe eines achtzehnjährigen Mädchens überschüttete. Der Seinen gedachte er kaum, oder doch nur vorübergehend; die Stunden, die -der Arbeit nicht gehörten, waren Bertha, mir ihr allein, gewidmet. Die Liebe des jungen leidenschaftlichen Mädchens hatte ihn ganz erfüllt und beseligt. — Das Leben hatte plötzlich einen neuen, nie gekannten Reiz für ihn bekommen. ״Ist dieser blaue Dom, der sich immer tiefer und tiefer wölbte, und der an Bertha's Auge erinnerte, derselbe, der sich früher so trostlos bleiern über die Erde wölbte?" fragte er sich; ״sind diese funkelnden Lichter dieselben Sterne, zu denen ich früher kaum emporgeblickt? Habe ich den Gesang der Vögel nie veruommen, daß ich jetzt an ihren einfachen Liedern mich nicht satt höre? Hatteich nie Blnmen gesehen, daß ich nicht müde werde, ihre schönen Farben zu betrachten? Sein poetisches Gemüth hatte die Liebe neu verjüngt; ihm war zu Muth wie einen«, der aus schwerer Krankheit wieder erwacht.. Die Vergangenheit lag hinter ihm von dichten Schleier verborgen , nnr die Gegenwart Iah er — aber in der entzückenden, hinreißenden Gestalt, welche die Liebe ihr gab. ' Berlin hat einen intereffanten jüdischen Friedhof — «>cht so-iinposant durch seine Alterthümlichkeit, als durch