Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 1 (April 1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nö. 1. 14. innerlich zu erstarken. Obgleich wir am Ende des Sommer- Semesters 1901 bereits 13 Mann zählten, entschlossen wir uns dennoch nur mit grossen Bedenken, einen Verein zu eröffnen, angesichts des gefürchteten Antisemitismus der christlichen Studentenschaft und des Indifferentismus der jüdischen Akademiker. Glücklicherweise haben sich unsere Befürchtungen nur zum geringen Teile bewahrheitet; vielfach hingegen fanden unsere Bestrebungen Achtung und Anerkennung, vor allem auch Verständnis und Interesse bei einigen Herren Dozenten. Allen Kartellbrüdern und A. H, A. H., die uns bei unsern Bemühungen unterstützt haben, vor allem Dr. Heinrich Löwe, der sich bereits bei der Gründung der Charlottenburger Abteilung grosse Verdienste erworben hat, sprechen wir an dieser Stelle unsern herzlichen Dank aus. Am 16. August 1901 erhielten wir die Genehmigung Sr. Magnifizenz, und am 1. Oktober traten wir mit einem von Bbr. J. Cohn künstlerisch ausgeführten Anschlage am eigenen schwarzen Brett in die Oeffentlichkeit der Hochschule. Die Versendung von Aufrufen und Mitteilungen an die Presse machten den jungen Verein unter den Kommilitonen sowie in weiten jüdischen Kreisen bald bekannt; und der glänzende Verlauf unseres Stiftungskommerses legte beredtes Zeugnis davon ab, dass uns allseitig Sympathieen entgegengebracht wurden. In dem mit unsern Farben festlich geschmückten Saale des Restaurants „Tiergartenhof'4 hatten sich am 2. November gegen 150 Gäste eingefunden, darunter Herr Prof. Dr. O. Warburg, Herr Prof. Dr. Kalischer, Herr Regierungs- und Baurat Eger, Herr Dozent Dr. Schreiner, Herr Privatdozent Dr. Steinitz u. a. m. Der Berliner V.J. St. war mit seinen Inaktiven und A. H. A. H. fast vollzählig erschienen. Nach dem Kaisersalamander, den der Präside Max Berlowitz kommandierte, hielt Vbr. Hecker eine äusserst eindrucksvolle Festrede, in der er in prägnanten Worten die trübe äussere und innere Lage der Juden in Deutschland schilderte und nachwies, dass als einziges Heilungsmittel nur starkes Aufraffen und Selbstbesinnung nützen könne, mit Anknüpfung an die grosse Vergangenheit unseres Volkes und mit dem Blick auf eine ihrer würdige Zukunft. Herr Prof. Dr. Warburg beglückwünschte den Verein im Namen der Gäste mit warmen Worten; der 1. Chargierte des Berliner VJ.St., Bbr. Rosenkranz, sprach im Namen des B.J.C., A. H,-Dr. Friedemann auf den Nachwuchs, Herr Dozent