Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1933)
- Date
- 1933-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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von der Naumanngruppe und dem R.J;F,, hat nichts gelernt öder kann nicht umlernen. Die jüdische Masse, die zweifellos erschüttert ist, hat heute nicht die Möglichkeit, ihre Umorientierung in irgendeiner wirksamen Form zu. manifestieren. Diplomatische Verhandlungen Und kompromißhaftes Paktierer? wird nichts erreichen, wenn der anderen Seite nicht klar erkenntlich wird» daß ihr ein Wille gegenübersteht, der sich durch nichts davon abbringen lassen wird, ihre Unfähigkeit, Plan- und Ziellosigkeit zu entlarven mit dem Ziel, daß sie für immer von der öffentlichen Tribüne jüdischen Lebens abzutreten haben. Wir dürfen uns nicht durch das Geschrei und die Klagen über Bruch eines falsch verstandenen Burgfriedens beirren lassen. Ueber dem Frieden um des lieben Friedens willen steht unsere jüdische Verantwortung, steht die jüdische Zukunft. Hier haben wir einzugreifen. Es ist notwendig, eine neue große jüdische Jugendbewegung zu schaffen, die die jungen Menschen frühzeitig erfaßt. Das junge Kartell, soweit es nicht in der Hachscharah steht, die fern vom Geschehen in Deutschland vor sich geht, hat den Vortrupp für diese Jugendbewegung zu bilden. Wir haben heute nicht mehr die jüdische Studentenschaft zu erfassen. Vor uns aber liegt die große Arbeit innerhalb der jüdischen Schülerschaft. Mit allen anderen Jugendorganisationen zusammen muß sofort großzügig diese Arbeit aufgenommen werden, die dazu führen kann und muß, die jüdische Jugend in Deutschland, die ratlos ihrem Geschick gegenübersteht und bereit ist, sich führen zu lassen, für uns und Erez Israel zu gewinnen. Unsere Aufgabe ist um so schwerer deshalb, weil wir, wenn wir gut arbeiten werden, diese Menschen bald wieder verlieren werden, um sie in die Hachscharah abzugeben. Diese Tragik unserer heutigen Galutharbeit müssen wir auf uns nehmen, können es aber auch, weil, davon bin ich aufs tiefste überzeugt, in dieser Arbeit die geistige Tradition unseres K.J.V, weiter leben und sich entwickeln wird. Der andere Teil unserer Galutharbeit betrifft die Alten Herren. Ein großer Teil der zionistischen Mitarbeiter und zum Teil führende Persönlichkeiten im deutschen Zionismus gehen nach Palästina, nicht ohne Bedenken und Skrupel, ob sie in dieser Situation die zionistische Arbeit verlassen dürfen. Der einzelne kann nur für sich die Entscheidung fällen. Die zionistische Arbeit aber muß weitergehen. Die Altherrenschaft des K.J.V. muß jetzt beweisen, ob sie dieser jüdischen und zionistischen Situation gewachsen ist, ob sie die schwerste und letzte Bewährung beweisen kann. Ein großer Teil von Bundesbrüdern geht, ein anderer und, wie ich glaube, größerer bleibt. Für diesen Teil gibt es heute die zionistische Chaluziuth in der Golah. Auf allen lasten die Tagessorgen, bei den meisten in drückendster Form. Der Bundesbruder aber, der vorläufig sich entschieden hat zu bleiben, kann allein in dieser Lage sich bewahren, wenn er seinen jüdischen, seinen zionistischen Platz einnimmt. Die Altherrenschaft steht heute mehr denn früher vor der Gefahr der Ueberalterung, da jeder neue Zustrom jüngerer Menschen fehlen wird. Nur eine lebendige Anteilnahme, eine dauernde zionistische Aktion wird sie davor bewahren können. Ihr besonderer Platz ist dabei neben dem in der zionistischen Organisation, in der Arbeit für die jüdische Schule, Der Kampf um die Durchführung dieser Forderung und die Erringung dieses Zieles ist der zweite Hebel, mit dem die herrschende Schicht des deutschen Judentums aus ihren Stellungen geworfen werden kann. Zeigen wir, daß wir es verstehen, die Jugend jetzt in dieser günstigen Situation endgültig zu erobern! Mit dieser Aufgabe, die nur wir erfüllen können, steht und fällt die Zukunft des deutschen Judentums», sie ist eine historische Aufgabe. 76