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Der jüdische Student · 1933-06-01 · Heft 3 (Juni 1933) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
30 (1933)
Issue
Heft 3 (Juni 1933)
Date
1933-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Sind wir somit am Ende? Kann nicht vielleicht gerade jetzt neuer zionistischer Elan, nicht nur geboren unter dem Druck von außen, sondern geschöpft aus innerer Umwandlung dem Kartell neue Formung geben, es reif machen, freudig den neuen Weg zu gehen? Ein kleiner Kreis von Bundesbrüdern waren wir jetzt auf K.J.V.erfahrt in Erez Israel, Dort durften wir den Optimismus einer neuen schaffenden. jüdischen Welt erleben, fühlen, wie diese Welt mit innerer Erregung Anteil nimmt an den Leiden der Galuth, bereit, von sich aus alles zu tun, zu helfen. Diese wenigen Tage im Lande zeigten mit Deutlichkeit besser als alle Ueberlegungen den Weg, den wir zu gehen haben, zeigten aber auch, daß unser Kartell heute noch bestehen kann, ja muß, in wahrer Tradition unseres spezifischen Gedankengutes sich für die Aufgaben rüstend, die neu ihm erstanden sind, Hachscharah, Vorbereitung, bedeutet nicht nur berufliche Umschichtung, Erlernung eines ungewohnten Berufes, Beginn eines Lebens harter Arbeit, bedeutet geistige Umbildung, -die allein fähig machen kann, das neue Leben zu ertragen, es zu gestalten, sich einzureihen in das aufbauende Palästina. Daher muß hier ein neues Erziehungswerk im K.J.V. einsetzen, mit dem Ziel, Menschen zu formen, die als Wissende ins Land kommen, beseelt von dem Wunsche, ganz ihm und seinen Menschen zu gehören, wissend aber auch um die Problematik des Aufbaus, fähig, zu erleben und dabei kritisch zu sehen/ Die Gefahr, daß gerade jetzt viel von der Galuth mit nach Palästina genommen wird, ist vorhanden und wird im Lande wohl empfunden» Es wird Kämpfer dagegen geben; zu diesen Kämpfern müssen wir gehören, in welcher Arbeit oder Stellung wir auch ins Land kommen werden, Gerade wir K,J,V,er müssen heute wissen, daß der Zionismus mit der Uebersiedlung nicht zu Ende ist, sondern in neuer Form vor uns als Aufgabe steht. Es wird nicht genügen, dort zu leben und zu arbeiten; es wird notwendig sein, viel mehr als hier, Stellung zu nehmen, sich zu entscheiden und Konsequenzen zu ziehen. Hierfür müssen wir uns vorbereiten. Das K,J.V, in Palästina selbst steht vor neuen Aufgaben, Bisher wurde es im Lande für recht überflüssig empfunden. Das Leben, die Arbeit schufen andere Bindungen, Es war den meisten von uns schmerzlich, zu sehen, wie locker das bundesbrüderiiche Band geworden war. Ich glaubendem brauchte nicht so zu sein. Es gibt genug Gemeinsamkeiten, die verbinden, auch heute, auch in Erez Israel. Ein Strom neuer Menschen kommt ins Land, darunter nicht wenige aus unserem Kreis, Diese Menschen dürfen nicht vereinzelte bleiben. Man muß sie sammeln und zusammenführen, nicht um einen Kreis deutscher Zionisten zu bilden, im Gegenteil, um sie hineinzuführen in den Jischuw, auch bei ihnen das Werk der geistigen Hachscharah fortzuführen» nicht allein materielle Hilfe ist notwendig, vielmehr die ideelle, geistige, die bei manchem nötig sein wird in den Tagen eines harten schweren Lebens, Wir werden dann vielleicht sehen können, daß über dem Trennenden der Parteieinstellung der einigende Wille zur neuen Lebensgestaltung des Einzelnen :und der Gesamtheit steht. «Und das Kartell in der Galuth? Wo liegen hier unsere Aufgaben heute? Der Kampf um die Führung im deutschen Judentum und damit . um das Schicksal dieses Judentums muß weitergeführt werden, Schon scheint wieder eine Bereitschaft zur Beruhigung zu bestehen. Die zionistische Bewegung allein ist legitimiert, die Geschicke des deutschen Judentums in die Hand zu nehmen. Die herrschende. Schicht des jüdischen Liberalismus, ganz abzusehen 74

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