Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1932-06-01 · Heft 5 (Juni 1932) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 5 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537829-3537834--8361-3546420
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Entscheidung jeder Chawera selbst. Als stärkste organisatorische Bindung innerhalb der Bewegung erwies sich die an das KJV,, dem wir in der sozialen Zusammensetzung der Gruppen und in unseren Arbeitsmethoden ähnlich sind. Die Teilnahme an der Arbeit der zionistischen Frauenorganisationen betrachten wir als zukünftige Aufgabe unserer zionistischen Außenarbeit. Di« Wizo könnte bei uns die gleiche Rolle spielen wie die Ortsgruppen iür das KJV. Da die ZiSt. durch die wachsende Zahl zionistischer und jüdischer Studentinnen zwangsläufig entstehen mußte und eine Lücke in den zionistischen Jugendorganisationen Deutschlands ausfüllte, sind wir überzeugt, daß sie von Bestand sein wird. Wenn auch die Entwicklung der ersten beiden Jahre durchaus erfreulich war, wissen wir doch, daß es großer Anstrengung bedarf, um die ZiSt., weit mehr als bisher, zu einem wertvollen Faktor der zionistischen Arbeit in Deutschland zu machen. Vor allem müssen drei Dinge mit größerem Ernst in den Mittelpunkt unserer erzieherischen Bemühungen gestellt werden: die innere Disziplin der Gruppen, die Beteiligung an den praktischen Aufgaben zionistischer Arbeit und — last not least — die Vorbereitung für die Alijah. IL Die Fragen der Zusammenarbeit. 1. Von H. Wydra, Leipzig. Früher einmal war das KJV ein wirklicher Männerbuöd, was vor allem sich in seinen durchaus männlichen Formen ausdrückte. Trinken und Mensurenschlagen ist nicht für Frauen geeignet. (Eher schon Bänder und Zipfel.) Korrelat der Männlichkeit der äußeren Formen bildete sich eine angeblich spezifisch männliche Form der Freundschaft im Bunde aus, der man deshalb auch einen eigenen spezifisch männlichen Namen: „Bundesbrüderlichkeit*' gab. Was man unter dieser Bundesbrüderlichkeit konkret sich vorstellte, wußte nie jemand genau zu sagen, und auch bis heute ist dieser Begriff nicht richtig zu fassen. Man versteht meistens darunter eine gewisse innere freundschaftliche Einstellung, verbunden mit Hilfsbereitschaft, Einstehen für einander und was es sonst noch an menschlichen Tugenden gibt; als Alter Herr pflegt man dann das Austauschen von Jugenderinnerungen aus der gemeinsamen Studentenzeit noch dazu zu rechnen. Erst in letzter Zeit bekam die Definition der Bundesbrüderlichkeit eine ausgesprochen negative Note hinzu. Man stellte fest, daß eine derartige Beziehung, wie sie die Bundesbrüderlichkeit zwischen Bundesbrüdern darstelle, zwischen Studentinnen und Studenten, falls diese in einem Bund zusammen seien, nicht möglich sei. Und dies, obwohl man doch die äußeren Anzeichen des Männerbundes längst abgelegt hatte. Hatte man von Nietzsche die Erkenntnis, daß Frauen der Freundschaft nicht fähig sind? Für die Anhänger der materialistischen Geschichtsauffassung in unseren Reihen sollte es doch etwas zu denken geben, daß die Frauen heute in allen Berufen vertreten sind, auch auf der Universität, Daß sich mit der Aenderung der sozialen Stellung der Frau auch ihre sonstigen Beziehungen zu menschlichen Gemeinschaften ändern müssten. Die studentischen und politischen Interessenkreise sind gleich. 144

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.