Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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BOCHERs S. Kaplansky: Realitäten und Möglichkeiten Palästinas. Mit Vorwort von Prof. Dr. Franz Oppenheimer. Umfang 62 Seiten, kartoniert 1,50 RM. E. Laubsche Verlagsbuchhandlung G. m. b. H., Berlin W 30. S. Kaplansky, einer der Führer der sozialistischen Zionisten stellt hier eine Untersuchung der klimatischen, ökonomischen Bodenverhältnisse Palästinas dar und macht den Versuch, die Ergebnisse Hope-Simpsons, dessen Bericht jetzt schon von verschiedenen Seiten durch wesentliche Argumente erschüttert worden ist, zu widerlegen und als Resultat „nicht objekter Forschung" darzustellen. Sehr interessante und aufschlußreiche internationale Vergleiche weisen die Unrichtigkeit der Behauptungen des britischen Delegierten nach und zugleich die noch längst nicht ausgeschöpften Möglichkeiten kleinbäuerlicher Intensivierung der landwirtschaftlichen Erzeugung Palästinas. Kaplanskys Schrift verdient Beachtung. Es wird jedem, der sich für den säkularen Versuch der jüdischen Kolonisierung Palästinas interessiert, reiche Anregungen geben. Wir hoffen, das Buch noch ausführlicher besprechen zu können. * Eine Geschichte der Juden. (Selbstanzeige.) (Verlag Ernst Rowohlt, Berlin W 50.) Liebe Bbr.Bbr., wenn ich Euch heute auf Anregung des J.St. mein neues Buch anzeige, so geschieht es, wie bei meinem ersten Buche aus der „jüdischen Serie", mit der bewußten Unterscheidung, daß ich mich Euch gegenüber anders zu legitimieren habe, als wenn ich zu einem beliebigen Kreis von Interessenten spräche. Was ich anderen mit meinem Buche glaube vermitteln zu können: das Wissen um den Ablauf der jüdischen Geschichte in ihren entscheidenden und gestaltenden Phasen, die Aufdeckung der Linien wirklichen und nicht nur scheinbaren Zusammenhanges — das brauche ich Menschen aas Eurem Lebensumkreise nicht mehr zu geben. Aber was ich auch unserem Kreise glaube geben zu können, ist die Aufdeckung des sinnvollen, des sinngemäßen Zusammenhanges im Abiauf unserer Geschichte. Neue historische Fakten habe ich nicht entdeckt. Ich habe im Gegenteil sehr viele unterschlagen, die, wenn auch als Detail interessant, mir für die jüdische Idee nicht repräsentativ erschienen. Ich kann hier im einzelnen natürlichnicht ausführen, auf welche Weise ich mich meiner Aufgabe entledigt habe und wie ich die Linien und Sinngebungen "deute. Ich habe gleich im ersten Kapitel mit Entschiedenheit betont, daß dieses Buch kein neutrales Buch sei, sondern ein mir notwendiges. Eine völlige Objektivierung des Geschehens hätte mich ja auf den unproduktivsten Punkt gebracht, auf den der Materialsammlung, und daran besteht kein Bedarf. Aber wir wissen von uns selbst und den Ereignissen unseres Umkreises, daß alle Deutung des Stofflichen im tiefsten Grunde ideales Postulat ist; daß wir einer Vergangenheit mit Hinsicht auf eine Zukunft den Sinn beilegen, der geeignet ist, unseren Zukunftswillen und unseren Gestaltungs- 302