Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 6 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3537599-3537812-3537816--7640-3545685- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amman 2× ep/1044017
- Haifa 2× ep/1047930
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
Später kam noch Trans Jordanien hinzu, das durch 1925 aus verkehrspolitischen Gründen vorgenommene Grenzregulierung an den Irak grenzt. Die Staaten dieses Middle Eastern Empire sind die Pfeiler der Landbrücke von Aegypten nach Indien, die freilich infolge der nationalen Erstarkung Persiens an dessen Grenzen aufhört; die Weiterführung nach Indien wird aber durch die unter Durchbrechung des Junkers-Flugmonopols in Persien erlangte Landungserlaubnis für britische Flugzeuge in Buschir, Lingah und Djäsk (Südpersien) hergestellt. Diese Gebiete wirtschaftlich und verkehrspolitisch zu verketten und auszugestalten, erfordert die Stärkung der englischen Stellung im vorderen Orient ebensosehr wie die Sicherung des Weges nach Indien. Dieses Ziel sucht England durch eine großzügige Verkehrspolitik zu erreichen. Sein Nebenbuhler, das französische Syrien, wird der Leidtragende sein, da die englischen Bestrebungen in schärfstem Gegensatz zu den französischen Interessen in Syrien stehen, denen England bewußt „das Wasser abgräbt'*. Dies läßt schon der Autodienst erkennen. Von England bereits 1923 zwischen Damaskus und Bagdad eingerichtet, folgt er heute unter gänzlicher Umgehung syrischen Gebietes dem allbritischen Weg über Amman (Transjordanien); Ausgangspunkt ist verkehrspolitisch Haifa. Diese Autolinie, die auch die sogenannte Ueberlandpost von und nach Europa und Vorderasien befördert, ist heute das wichtigste Bindeglied auf dem Landweg nach Indien. Erhöhte Bedeutung erhält sie noch dadurch, daß in Bagdad — abgesehen vom regelmäßigen Flugdienst der Junkers-Luftverkehr-Gesellschaft nach Teheran — Bahnanschluß nach Khanikin und von hier regelmäßige Autoverbindung nach Teheran (Persien) besteht. Sobald die geplante Autolinie Bagdad—Khanikin eingerichtet ist, wird vom Mittelländischen Meer (Haifa) direkte Verfrachtungsmöglichkeit nach Persien bestehen. Auch auf eisenbahnpolitischem Gebiete sind die Absichten Englands erkennbar. Unter anderem ist ihnen der vollständige Ausbau der Bagdad- Bahn zum Opfer gefallen. Seit kurzem besteht direkte Verbindung Konstantinopel—Bagdad, die aber auf der Strecke Nisibin—Qalat Scharqat durch Autos hergestellt wird. Diese Strecke soll auch unausgebaut bleiben aus dem triftigen Grunde, weil eine Bahnlinie von Haifa nach Mossul geplant ist, die — ebenfalls unter Umgehung Syriens — nur durch britisches Gebiet gehen wird. Daher hat England ein Interesse daran, die türkischsyrischen Zubringerlinien möglichst auszuschalten» Andererseits plant England den Bau einer Bahnlinie von Haifa nach Beirut, die ihrerseits Beiruts Stellung stark beeinträchtigen wird und gleichzeitig für die Entwicklung Haifas wichtiges Hinterland erschließt. Aus letzterem Grunde ist auch eine Bahnlinie von Amman nach Akaba geplant, während der Ausbau der Strecke Haifa—Amman wohl nur eine Frage der Zeit ist. Haifa steht im Mittelpunkt der englischen Verkehrs- und Handelspolitik im vorderen Orient. Nach den englischen Absichten ist Haifa dazu bestimmt, die Verkehrsmetropole, der Hauptumschlagsplatz für den nahen 19